Es besteht noch Diskussionsbedarf

Herzogenbuchsee

Das Interesse am Infoabend zum Durchgangsplatz für die Fahrenden im Waldäcker war gering.Kritik gabs trotzdem.

ImageCaption. Foto: Fotograf Auf diesem asphaltierten Areal sollen bis zu 15 Stellplätze entstehen.

ImageCaption. Foto: Fotograf Auf diesem asphaltierten Areal sollen bis zu 15 Stellplätze entstehen.

(Bild: Thomas Peter)

Sebastian Weber

Nein, viele Buchserinnen und Buchser waren nicht gekommen, um sich über den geplanten Durchgangsplatz für die Schweizer Fahrenden informieren zu lassen. Neben den Vertretern der Gemeinde, des Kantons, der Fahrenden und der Presse sassen am Donnerstagabend nur ungefähr zwölf von ihnen im Sonnensaal.

Sie lauschten den Worten von Kantonsplanerin Katharina Dobler vom Amt für Gemeinden und Raumordnung sowie Thomas Frei vom Büro Georegio AG, die das Projekt noch einmal ausführlich vorstellten. Seit Sommer 2016 ist bekannt, dass neben dem Fussballplatz Waldäcker in Herzogenbuchsee bis zu 15 Stellplätze entstehen sollen. Im März 2021 könnten die ersten Fahrenden dort haltmachen. Seit vergangener Woche läuft nun die Mitwirkung für die kantonale Überbauungsordnung .

Wenige Teilnehmer bedeuteten an diesem Informationsabend jedoch nicht, dass es wenig zu diskutieren gegeben hätte. Für Gesprächsstoff sorgten in der Diskussionsrunde aber nicht etwa die Kosten. Wie sich diese verteilen, ist unbestritten: Der Kanton übernimmt jene für Bau und Infrastruktur komplett, während Betrieb und Unterhalt grundsätzlich durch Platzmieten und Gebühren gedeckt sein sollten.

Auch die Tatsache, dass der Kanton ein allfälliges Betriebsdefizit nur zu 80 Prozent übernimmt, sorgte für keine Kritik aus dem Plenum. Wie hoch der Tagessatz sei, den die Fahrenden bezahlen müssten, war die einzige Frage diesbezüglich. Dieser werde von der Gemeinde in der Platzordnung festgelegt und bewege sich in einer Grössenordnung von 12 bis 20 Franken, entgegnete Katharina Dobler.

Wesentlich emo­tionaler diskutiert wurde erst, als sich die Vertreter der Hundeschule zu Wort meldeten.

Der Kanton gebe einzig eine Toleranzgrenze vor: «Wenn die Gemeinde zum Beispiel nur 5 Franken verlangen und damit ein grosses Defizit verursachen würde, dann wäre das für uns ein Grund zu reklamieren.» Die Fahrenden werden sich, wie Gemeindeverwalter Rolf Habegger erklärte, vor der Benützung des Platzes anmelden und auch ein Depot hinterlegen müssen.

Trennung verlangt

Wesentlich emotionaler diskutiert wurde erst, als sich die Vertreter der Hundeschule Matte rund um Inhaberin Conny Müller zu Wort meldeten. Die künftigen Nachbarn der Fahrenden sind mit dem Überbauungsplan, wie er nun vorliegt, nicht zufrieden und wollen dies, wie sie ankündigten, auch in einer Mitwirkungseingabe klar zum Ausdruck bringen.

Ihnen ist der Zugangsbereich ein Dorn im Auge: Dieser sei sehr eng geplant worden und weise viele Berührungspunkte auf, gaben sie zu bedenken. Dabei habe es in den Gesprächen, die im Vorfeld geführt worden seien, geheissen, dass die Hundeschule einen Korridor mit einem eigenen Eingang erhalte. Davon sei nun auf den Plänen aber nichts mehr zu erkennen.

Tatsächlich ist der asphaltierte Platz, den die Fahrenden benutzen werden, vom Trainingsgelände der Hundeschule künftig durch einen 1,80 Meter hohen Zaun samt Sichtschutzblende getrennt.

«Dass an dieser Stelle noch ein Problem besteht, ist für mich neu.»Markus Loosli, Gemeindepräsident

Im Eingangsbereich hingegen gibt es einen Berührungspunkt. Durch diesen würden die teils sensiblen Tiere der Hundeschule gestört, so die Bedenken von Conny Müller. Etwa dann, wenn die Fahrenden ihre eigenen Hunde auf dem Areal frei herumlaufen liessen. Weshalb es auch dort eine örtliche Trennung benötige.

«Im Detail anschauen»

Für ihn sei es neu gewesen, dass es schwierige Hunde gebe, die auch Einfluss auf die Raumplanung nehmen würden, meinte Thomas Frei vom Büro Georegio. Um diese zu schützen, habe man eben den 1,80 Meter hohen Zaun mit Sichtschutzblende eingeplant. Wie genau der Eingangsbereich eingerichtet werde, sei hingegen keine raumplanerische, sondern eine gestalterische Frage und liege daher in der Kompetenz der Gemeinde.

«Dass an dieser Stelle noch ein Problem besteht, ist für mich neu», liess daraufhin Gemeindepräsident Markus Loosli (FDP) wissen. Man werde sich die Situation nun im Detail noch einmal anschauen. Ein Versprechen, dass sich eine ideale Lösung für alle Beteiligten finde, liess er sich aber nicht abnehmen.

Berner Zeitung

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