Erinnerungen an legendäre Zeiten

Langenthal

Für den SCL beginnt der Schweizer Cup am Mittwoch gegen den letztjährigen Sieger SCB. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt aber, dass den Langenthalern gegen das grosse Bern durchaus schon der eine oder andere Coup gelungen ist.

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Kathrin Holzer

Gut dreissig Jahre sind vergangen seit den letzten «echten» Derbys zwischen dem SC Langenthal und dem SC Bern, seit die beiden Berner Teams noch gegeneinander um Meisterschaftspunkte gekämpft haben. Es war in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre, als die Kantonsrivalen zuletzt regelmässig aufeinandertrafen. Vor allem aus Langenthaler Sicht eine legendäre Zeit. Zwar hatte sich der SCL seit seinem Aufstieg 1974 schon fast zehn Jahre halten können in der NLB. Mit dem NLA-Absteiger Bern sah man sich ab 1982 aber mit einem doch besonders gewichtigen Gegner konfrontiert.

Erst 1979 – die Langenthaler hatten damals noch nicht einmal ein Dach über dem Eisfeld – hatten die Berner den Meisterpokal in die Höhe stemmen können. Rein spielerisch hätte dem SCL zu jener Zeit daher kaum einer einen Sieg gegen die Stadtberner zugetraut. Doch nach einem ersten überraschenden 4:2-Heimsieg im Herbst 1982 vermochten die Langenthaler im Frühling 1983 sogar nachzudoppeln: Erneut besiegten sie in der heimischen Schorenhalle die Gäste aus Bern – und sicherten sich mit einem 4:3 den Ligaerhalt.

Höhepunkt in der Allmend

Ein Exploit, der in der darauf folgenden Saison 1983/1984 nicht unwiederholt bleiben sollte: Es war in jener Spielzeit, in der Jaroslav Tuma beim SCL den Trainerposten übernahm und Ron Davidson in einer einzigen Saison nicht weniger als 39 Tore schoss, als der Underdog den grossen SCB erneut in die Schranken zu weisen vermochte. Und wie er das tat: Gleich zwei 7:2-Heimsiege konnten die Langenthaler gegen Bern verzeichnen. 4800 Besucher drängten sich zeitweise in die Schorenhalle – mehr, als heute überhaupt noch hereingelassen würden. Sie sahen Resultate, die kaum noch zu toppen waren – wäre da nicht auch noch das 3:4 in Bern gewesen. Langenthal im Freudentaumel. Das Team hat gefeiert wie nie zuvor.

«Der Auswärtssieg in der Allmend war mein grösstes Highlight», erinnert sich der heute 55-jährige Verteidiger Hanspeter Meyer an jene ruhmreichen Monate des SCL zurück, in denen auch er so manchen Punkt gegen den SCB hat verbuchen können.

Trainings nach Feierabend

«Wir haben damals mit wenigen Mitteln unglaublich viel herausgeholt.» Fast 70 Prozent der Spieler seien Langenthaler gewesen, führt Meyer vor Augen. Nicht wenige von ihnen – wie er und sein Bruder Thomas Meyer – aus dem Ortsteil Schoren selber. Bernhard Hugi, Heinz Läderach, Hansruedi Bärtschi oder Hanspeter Wyss waren prägende Spieler dieser Zeit. Zuzüge aber auch wie Alfred Hutmacher und Goalie Jean-Claude Chéhab, die bis heute noch eng mit dem SCL verbunden sind. Und natürlich die beiden Ausländer Ron Davidson und Mike Zettel.

«Wir waren ein Team mit einer sehr guten Kameradschaft, viele von uns haben über Jahre zusammengespielt», sagt Hanspeter Meyer. Schliesslich war es die Freizeit, die die Spieler von damals in ihren Sport investiert haben. Trainiert wurde jeweils nach Feierabend, und für Trainingslager haben Spieler wie Meyer ihre Ferien geopfert. Profis waren nur die Ausländer.

Umso heftiger wurden die Spieler nach ihren Erfolgen gegen den grossen SCB gefeiert – und haben wohl auch sie selber ihren Erfolg zelebriert. «Wir waren als Amateure nicht immer ganz so seriös, wie wir es hätten sein sollen», sagt Meyer und schmunzelt. «Die Spieler von Bern waren da schon professioneller – in allen Bereichen.»

Willkommene Abwechslung

Einem verhältnismässig nach wie vor kleinen Langenthal wird ein grosses Bern auch heute Abend wieder gegenüberstehen. Zwar ist aus der Freizeitbeschäftigung Eishockeyspielen auch in Langenthal längst ein Beruf geworden, sind die einheimischen Amateure von einst Profis vor allem von auswärts gewichen.

Allerdings ist es heute ein Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Ligen, das ohne die Wiedereinführung des Swiss Ice Hockey Cup vor einem Jahr so gar nie zustande gekommen wäre. «Für die Unterklassigen ist es super, dass die grossen Teams zu ihnen kommen», findet Meyer.

In den 1970er- und 1980er-Jahren hätten die Ligazusammenstellungen noch häufiger gewechselt als heute, der Cup sei daher eine umso willkommenere Abwechslung.

«Wenn alles stimmt»

Und zumindest ein wenig träumen von einem Sieg dürfen die Langenthaler auch diesmal, findet der ehemalige SCL-Verteidiger. Er selber wird am Mittwochabend zwar nicht dabei sein beim grossen Derby – seine beiden Söhne stehen mit dem EHC Brandis gleichzeitig dem EHC Visp gegenüber. «Wenns läuft, dann wirst du plötzlich gar nicht mehr müde. Wenn du aber ein paarmal verlierst, wird plötzlich alles hinterfragt und geht das Selbstvertrauen kaputt», erinnert er sich jedoch bestens an die Höhen und Tiefen in der eigenen Karriere.

Nur eine Saison nach den legendären Siegen gegen Bern ist der SCL im Frühling 1985 nach mehreren durchaus knappen Niederlagen in die 1.Liga abgestiegen – der SCB kehrte dank dem freiwilligen Abstieg von Arosa zurück in die oberste Spielklasse. Dort hat der Cupsieger 2014/2015 zuletzt vier Niederlagen in Folge verzeichnen müssen und befindet sich aktuell unter dem Strich. Langenthal indes führt die NLB-Tabelle nach sechs Spielen an.

«Wenn alles normal läuft, müsste Bern wohl gewinnen», sagt Hanspeter Meyer. «Aber wenn bei uns alles stimmt und bei Bern nicht Wer weiss?»

«Ambitionierter» Gastgeber

Auch der «ambitionierte» SCL «liebäugelt mit einer Sensation», wie die Klubleitung in einem Schreiben an die Anwohner wissen lässt. So oder so dürfte das heutige Cupspiel für den B-Verein zum ersten Saisonhöhepunkt werden. Längst sind die Sitzplätze ausverkauft, nur ein kleines Kontingent an Stehplätzen wird an der Abendkasse noch verfügbar sein. Damit die Zuschauermassen bewirtet werden können, wurde sogar ein zusätzliches Festzelt aufgestellt.

Berner Zeitung

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