Er verspricht sich Impulse für seine Region

Huttwil

Der Huttwiler Transportunternehmer Adrian Lanz engagiert sich in der IG Pro Umfahrung Aarwangen. Er setzt sich damit nicht nur für seine Branche ein.

Eine direkte Autobahnanbindung von Huttwil nach Niederbipp hätte auch Adrian Lanz als Transportunternehmer an sich gerne.

Eine direkte Autobahnanbindung von Huttwil nach Niederbipp hätte auch Adrian Lanz als Transportunternehmer an sich gerne.

(Bild: Thomas Peter)

Jürg Rettenmund

An der Wirtschaftslandsgemeinde in Aarwangen thematisierte Stefan Herrmann (EVP) am vergangenen Donnerstag das Problem: Der Oberaargau ist nicht Langenthal; hinter dem Zentrum liegt von der Autobahn A1 aus betrachtet das obere Langetental. «Welche Massnahmen sind in diese Richtung vorgesehen?», fragte der Gemeindepräsident von Rütschelen.

Obschon er in Huttwil wohnt und arbeitet, engagiert sich der Transportunternehmer Adrian Lanz in der IG?Pro Umfahrung Aarwangen. Er ist Präsident der Sektion Bern des Nutzfahrzeugverbandes Astag (siehe Kasten «Zur Person»). Trotzdem ist er überzeugt, dass sich sein Engagement nicht nur für seine Branche, sondern auch für seine Wohnregion Huttwil auszahlen wird.

Die A2 ist näher

Zwar benützt auch Lanz, wie viele Huttwilerinnen und Huttwiler, den Autobahnanschluss Niederbipp selten, wie er einräumt. Die A2 ist für das Zentrum des oberen Langetentals nicht nur Richtung Luzern und in den Süden die bevorzugte Autobahn. Auch Richtung Basel oder Zürich ist diese mit dem Anschluss Dagmersellen LU leicht zu erreichen.

Verbotene «Bergstrecke»

Richtung Westen wiederum bevorzugen viele Huttwiler den Anschluss Kirchberg. Bereits für sein Transportunternehmen sehe dies jedoch anders aus, gibt Adrian Lanz zu bedenken: Die kurvenreiche «Bergstrecke» durch den Kappelengraben sei für die grossen Lastwagen seiner Firma ungeeignet. «Unseren Chauffeuren verbiete ich, diese zu benützen.»

Trotzdem steuert auch die Lanz Transport AG?die Autobahneinfahrt Kirchberg an, besonders, wenn die Verhältnisse in Aarwangen prekär sind – zum Beispiel an strengen Wintertagen. Dann biegen die Chauffeure aus Huttwil in Langenthal Richtung Bützberg–Herzogenbuchsee ab. Ohne das Nadelöhr Aarwangen wäre dies anders und würde die Hauptstrasse Richtung Anschluss Kirchberg von diesem Schwerverkehr entlastet, gibt der Transportunternehmer zu bedenken.

Nadelöhr Aareübergang

Ein besonderes Nadelöhr ist in Aarwangen der Aareübergang; gegenwärtig wird es durch die Baustelle der Eisenbahnbrücke zusätzlich verengt. Das spürten auch die Teilnehmenden der Wirtschaftslandsgemeinde, so der Huttwiler Gemeindepräsident Hansjörg Muralt (SVP). «Plötzlich stand ich in einer langen Kolonne», beschreibt dieser seine Anfahrt zum alten Kornhaus, wo die Wirtschaftslandsgemeinde letzte Woche stattfand und wo auch die Ausstellung zum Projekt eingerichtet ist.

«Man erlebt dort gegenwärtig, wie es im Jahr 2030 sein wird», zieht der Huttwiler Gemeindepräsident den Vergleich zum Prognosehorizont der Verkehrsentwicklung, der der Simulation in der Ausstellung zugrunde gelegt ist. «Das wollen wir unserer nächsten Generationen nicht zumuten», sagt der Huttwiler Gemeindepräsident überzeugt. Deshalb gibt es für ihn nur eine Lösung für die Verkehrsprobleme in Aarwangen: die Umfahrung.

Solidarisch sein

Es sei für ihn daher ein Akt der Solidarität innerhalb der Region Oberaargau, als Huttwiler für die Umfahrung Aarwangen einzustehen. «Auch wir profitieren gegenwärtig von einem Kantonsprojekt: dem neuen Kreisel beim Bahnhof.» Der Gemeindepräsident ruft deshalb alle Bewohnerinnen und Bewohner des oberen Langetentals dazu auf, die Ausstellung im Kornhaus Aarwangen zu besuchen, sich zu informieren und sich an der Mitwirkung zu beteiligen.

Würden sich durch den Bau der neuen Aarebrücke gar neue Unternehmen in Langenthal ansiedeln, entstünden dort zusätzliche Arbeitsplätze, die auch vom Wohnort Huttwil aus attraktiv zu erreichen wären. Indirekt könne Huttwil deshalb durchaus von der Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord profitieren, findet Hansjörg Muralt.

Zwei Rechnungen

Noch einen Schritt weiter geht Adrian Lanz. Er verspricht sich für Huttwil auch direkte wirtschaftliche Impulse.

Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung könnten dereinst durchaus auch oberhalb von Langenthal weitere Verkehrsmassnahmen nötig machen, erklärt er. «Natürlich hätte auch ich für mein Unternehmen möglichst rasch eine direkte Autobahnanbindung von Huttwil bis nach Niederbipp», gesteht der Transportunternehmer ein. Doch das gegenwärtige Verkehrsaufkommen rechtfertige die Kosten dafür nicht.

Anders sieht für ihn die Rechnung in Aarwangen aus: «Wenn ich die Kosten von 136 Millionen für die Umfahrung den 41 Millionen für die Variante Null+ gegenüberstelle, dann rechtfertigen sich die Mehrkosten sehr. Denn nur eine Umfahrung schafft mehr Sicherheit, erweitert die Kapazität, entflicht Eisenbahn und Schwerverkehr und entlastet Aarwangen.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt