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Er sorgt dafür, dass alles swingt

Kürzlich wurde die SWR Big Band in der ausverkauften Elbphilharmonie in Hamburg gefeiert. Nun ist es Bruno Frangi gelungen, die Band für die 27. Jazz-Tage ins Kirchgemeindehaus zu ­holen. Am Konzerttag unterwegs mit dem Programmchef.

Brigitte Meier
Beim Soundcheck: Die SWR Big Band bereitet sich unter den Augen von Programmchef Bruno Frangi auf ihren Auftritt vor.
Beim Soundcheck: Die SWR Big Band bereitet sich unter den Augen von Programmchef Bruno Frangi auf ihren Auftritt vor.
Andreas Marbot
«Zunächst wird ein Jingle eingespielt»: Bandleader Pierre Paquette (rechts) und Bruno Frangi besprechen den Ablauf.
«Zunächst wird ein Jingle eingespielt»: Bandleader Pierre Paquette (rechts) und Bruno Frangi besprechen den Ablauf.
Andreas Marbot
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Samstag, 13 Uhr: Im katholischen Kirchgemeindehaus in Langenthal wird die Technik für das Konzert der SWR Big Band aufgebaut. Das Equipment wurde am Vortag mit einem 7,5-Tonnen-LKW angeliefert. Bruno Frangi ist vor Ort und begrüsst die Techniker.

Danach fährt der Programmchef nach Hause, um sich umzuziehen. Zurück im Saal, trifft er Pierre Paquette, der die Aufstellung auf der Bühne inspiziert. Der Bandleader wurde in Bos­ton, USA, geboren und zählt zu den renommiertesten Musikern der europäischen Jazzszene.

Er spricht mit charmantem Akzent und bietet Bruno Frangi sofort das Du an. Dieser erklärt ihm den Ablauf zu Beginn des Konzertes: «Zunächst wird ein Jingle eingespielt. Zusammen mit Claudia Frangi heissen wir das Publikum willkommen und stellen die Band vor.» Die Musiker werden zwischen den Stuhlreihen hindurchgehen und die Bühne betreten.

Eng auf der Bühne

«Das wird eine Weile dauern. Wir spielen in der klassischen Big-Band-Besetzung mit 17 Musikern», sagt Bandmanager Hans-Peter Zachary schmunzelnd. Deshalb wird es auf der Bühne ganz schön eng. Den Musikern gefalle es durchaus, in kleineren Sälen aufzutreten.

«Dort spürt man den Puls des Publikums, und diese Energie wird ein Teil der Musik», sagt Pierre Paquette. Er überreicht dem Programmchef die Setlist, die von der Suisa benötigt wird. Unter anderem singt Fola Dada ein Medley zu Ehren von Ella Fitzgerald, welche dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern könnte.

Zwei Musiker sind frühzeitig auf der Bühne. Während Decebal Badila stolz auf den speziell grossen Kontrabass hinweist, lobt Pianist Klaus Wagenleiter den guten Ton des Flügels. Das freut Bruno Frangi, denn dieser wurde nach der Blues-Night mit Boogie-Woogie neu gestimmt.

«Bruno, die Musiker treffen ein», ruft Hans-Jürg Moser, verantwortlich für die Bandbetreuung. Beim Hinausgehen erkundigt sich Frangi, ob das Blumengeschäft bereits eine Rose gebracht hat, die für Fola Dada bestimmt ist. Soeben ist die Sängerin aus einem VW-Bus gestiegen und meint gut gelaunt: «Bis auf einige Staus ist alles rundgelaufen.»

Die Vorfreude steigt

Nach einem freundschaftlichen Händedruck werden Musiker in die Garderoben im Untergeschoss geführt. Dort finden sie Schokolade und Früchte, die Bruno Frangi jeweils als kleine Aufmerksamkeit bereitstellt. «Sind alle Künstler angereist und gut drauf, löst sich auch bei mir die aufgebaute Spannung», erklärt der 71-jährige Langenthaler.

Alles ist bereit. Auch die weisse, langstielige Rose, welche Claudia Frangi mitgebracht hat. Mit vereinten Kräften ziehen Frangi und Moser die Vorhänge zu. Der Techniker lässt den Saal im elegant-jazzigen Jazzhaus im besten Licht erstrahlen.

Der ursprünglich für 17 Uhr geplante Soundcheck beginnt eine Dreiviertelstunde später. Die Vor­freude steigt, als der Jazzstandard «On the Sunny Side of the Street» eingespielt wird. «Hier zeigt sich die hohe Professiona­lität der Musiker, die gegen 50 Konzerte jährlich spielen», weiss Frangi. Vor dem Auftritt wird die Band vom Team der Wälchli Feste AG, Aarwangen, verpflegt. Auch Bruno Frangi geniesst mit Frau Susanne und persönlichen Gästen ein schnelles Nachtessen. Um 19 Uhr steht er beim Eingang und empfängt die Gäste; Jazzfreunde aus der ganzen Schweiz besuchen das Festival.

Stimmgewaltige Sängerin

Kurz vor Konzertbeginn gehen Bruno und Claudia Frangi nochmals ihre Ansage durch. Aufgrund der Platzverhältnisse betreten sie die Bühne durch ein Fenster. Kurzer Kontrollblick, ob dieses auch geöffnet ist.

Die weisse Krawatte mit dem Jazz-Tage-Emblem sitzt perfekt. Routiniert eröffnen Vater und Tochter den Abend. Bandleader Pierre Paquette schnippt mit den Fingern «one, two, three», und mit «Sing, sing, sing», einer Benny-Goodman-Komposition, bringt das Orchester in Spitzenbesetzung den Saal zum Swingen. Begleitet von der stimmgewaltigen Sängerin Fola Dada, die mit ihrer Stimme, ihrer Ausstrahlung und Bühnenpräsenz bezaubert. Die Stimmung erreicht ihren ­Höhepunkt, als sich die SWR Big Band mit Glenn Millers «In the Mood» verabschiedet.

Standing Ovations, glückliche Festivalbesucher, zufriedene Mu­siker und ein sichtlich gelöster Bruno Frangi. Er verabschiedet Gäste und offeriert dem Bandmanager ein Glas Jazz-Wein in der Bar. Gegen Mitternacht, wenn die Musiker ihre Instrumente versorgt haben und umgezogen sind, sitzen alle zusammen, erzählen und lassen bestimmt auch die legendäre Swingära der 50er-Jahre wieder aufleben.

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