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Er nahm seine Opfer aus wie Weihnachtsgänse

Es bleibt bei einer Strafe von 30 Monaten für einen Oberaargauer Betrüger. Der 36-Jährige hatte Privaten dreist faule Kredite angedreht.

Chantal Desbiolles
Ein 36-jähriger Portugiese betrog mehrere Personen um tausende von Franken.
Ein 36-jähriger Portugiese betrog mehrere Personen um tausende von Franken.
Barbnara Truninger

Über Inserate in der «Tierwelt» bot er Privatdarlehen an. Er finanziere diese Darlehen aus Liegenschaftsverkäufen, behauptete der Mann mit portugiesischen Wurzeln. Jenen, die sich bei ihm meldeten, gab er schriftliche Kreditversprechen ab. Geld sahen seine Kunden allerdings nie, im Gegenteil. Sie leisteten Anzahlungen für Risikoversicherungen oder berappten vorgezogene Zinsen.

Fragten sie nach dem Verbleib der Kredite, tischte ihnen der heute 36-Jährige eine hanebüchene Erklärung auf. Sein Buchhalter habe sich mit dem Geld aus dem Staub gemacht. Um ihn überführen zu können, benötige er weiteres Geld, das in einem von der Polizei überwachten Schliessfach als Köder ausgelegt werde.Er ging gar so weit, dass er einer Frau mit einem gefälschten Lohnausweis und einem vorgefertigten Antrag zu einem Bankkredit verhalf – damit sie die geliehenen 40 000 Franken an ihn weitergeben konnte.

Ein seriöses Auftreten

Die vermeintlichen Kreditnehmer zahlten und zahlten. 140 000 Franken waren es insgesamt, als sich der einschlägig Vorbestrafte vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten musste. Das Auftreten des Kreditbetrügers sei stets seriös gewesen, stellte eines der Opfer im Saal fest. Im Nachhinein ge­sehen sei man «zu blauäugig» ­gewesen.

Strafe wurde reduziert

Weder zweifelten die Regionalrichter an den unlauteren Absichten des Oberaargauers, noch an der Unechtheit seiner Reue. Den Schuldspruch wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung zog der Verurteilte allerdings weiter. Die zweite Instanz beurteilte sein Vorgehen nicht anders. Die Strafe reduzierten die Oberrichter jedoch von 34 auf 30 Monate unbedingt, weil sie in ihren Augen etwas gar hoch angesetzt war.

Die Geschädigten waren «gänzlich unerfahren und naiv».

Aus dem Urteil

Zu hoch für den Verurteilten: Er legte Beschwerde beim Bundesgericht ein. Die Beweise seien willkürlich gewürdigt worden, monierte der 36-Jährige, belegte seine Behauptung aber nicht. Ausserdem führte er die Mitverantwortung seiner Opfer ins Feld. Trotz Zweifeln an seiner Integrität hätten sie ihm 58 000 Franken ausgehändigt. Sein Verhalten könne daher nicht als arglistig bezeichnet werden.

Verwerfliches Vorgehen

Dass jemand mit Raffinesse oder Durchtriebenheit ans Werk geht, ist rechtlich gesehen Voraussetzung dafür, jemanden des Betrugs zu überführen. Dass dies hier der Fall war, daran zweifeln auch die Bundesrichter nicht. Mit Blick auf die intellektuellen Fähigkeiten der Geschädigten und auf das Gefälle zwischen ihnen und dem vermeintlichen Kreditgeber, sehen sie dessen Vorgehen als besonders verwerflich an. Die Opfer seien in geschäftlichen ­Angelegenheiten «gänzlich unerfahren und naiv» gewesen; sie wiesen einen praktischen Bildungsstand auf.

Vertrauen und Bereitschaft

Eine Leichtfertigkeit der Opfer im Sinne einer Mitverantwortung kann die dritte Instanz nicht ausmachen, lediglich ein grosses Vertrauen. Dieses beruhte nicht nur auf einem langjährigen, beinahe freundschaftlichen Verhältnis – was er bestreitet – und einem Luftschloss. Sondern auch auf der kaum überprüfbaren Geschichte mit dem flüchtigen Buchhalter.

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