Emmental

Berner Hunde mit gutem Riecher

EmmentalDie Schweissprüfung ist ein anspruchsvoller Eignungstest für Hund und Führer. Hunde, die den Test bestehen, können zur Nach­suche von verletzten Tieren eingesetzt werden.

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Heika hat etwas Spitzbübisches. Dies ist einerseits auf ihren Wuschelkopf zurückzuführen, andererseits auf die wachen Augen. Doch an diesem Tag kann die zweijährige Hündin nicht mit ihrem Aussehen punkten; sie muss ihr Können zeigen. Mit ihrem Besitzer Marc Fankhauser aus Rüfenacht legt sie die mittelländische Schweissprüfung des Berner Jägerverbandes ab.

Das Duo hat sich für die 500-Meter-Fährte angemeldet. «Die Schweissarbeit ist eine Hochleistungsdisziplin insbesondere bei den hochsommerlichen Temperaturen wie heute», betont Marc Beuchat, Richter und Präsident der Jagdhundekommission des Berner Jägerverbandes. Dabei bezieht er sich nicht nur auf die Kondition und die Ausdauer des Vierbeiners, sondern auch auf die Aufmerksamkeit des Hunde­führers. «Empathie ist das Wichtigste.»

Eine Hundelüge

«Ein Führer darf sein Tier nicht überfordern», erklärt Beuchat. Wenn der Hund am Limit laufe, dürfe nicht noch zusätzlicher Druck aufgebaut werden. Sonst könne es vorkommen, dass der Hund «lüge», so der Fachmann. «Er tut so, als ob er die Fährte witterte, weil er nicht versagen will.»

‹Lügen›, das muss Heika nicht. Denn dass Marc Fankhauser ein Gespür für seinen Hund hat, zeigt sich schnell während der Prüfung, die oberhalb von Landiswil in einem Waldstück stattfindet. Die Nase am Boden, läuft die zweijährige Deutsch-Drahthaar-Vorstehhündin der Fährte nach.

Und bereits nach 17 Minuten ist der Rehbock gefunden, die Prüfung bestanden. Der Bock wurde einige Minuten vorher von einem Helfer, einem sogenannten Bockträger, hingelegt. Um die Prüfung so naturgetreu wie möglich zu gestalten, handelt es sich um Kopf und Fell eines toten Tiers. «Du bist eine ganz Brave», lobt Fankhauser seine Hündin und krault ihr das Fell. Dann nimmt er aus seinem Rucksack eine Dose Sardellen, denn zur Belohnung gibts Fisch.

Auch von Richter Beuchat bekommt Heika eine Auszeichnung: Er übergibt dem Hundeführer ein Tannenzweigchen, einen sogenannten Bruch, den dieser am Halsband des Hundes befestigt. «Erlegt ein Jäger ein Wild, so legt er dem Tier, symbolisch, als letzten Bissen, einen Tannenzweig ins Maul. Zudem befestigt der Jäger einen Bruch an seinem Hut», erklärt Beuchat. Diese Tradition schliesst den Hund mit ein.

Zweig als Anerkennung

Zum Abnehmen der Prüfung müssen immer zwei Richter vor Ort sein. Nebst Marc Beuchat ist es Gaby Eisele an diesem Sonntag. Die Gastrichterin wohnt in der Nähe von Stuttgart und wurde von Prüfungsleiter Peter Zenklusen eingeladen, einmal in der Schweiz als Expertin zu arbeiten. Dies war möglich, nachdem die Technische Kommission für das Jagdhundewesen die Bewilligung erteilt hatte.

Und noch eine dritte Person läuft an diesem Morgen mit dem Notizblock durch den Wald und lässt das Duo nicht aus den Augen: Richter­anwärterin Miriam Willmann. Ihr gebührt das erste Wort nach der Prüfung, wenn das Gespann beurteilt wird. «Marc hat den Hund sehr gut unterstützt.» Er habe beispielsweise auf Blutspritzer am Boden geachtet und auf diese hingewiesen.

Auch, fügt Willmann hinzu, habe der Hund einen sehr guten Gehorsam. Marc Beuchat erklärt, dass Vorstehhunde wie Heika oft auf der Fährte hin- und herpendelten. Nicht so die zweijährige Hündin, sie sei sehr fährtentreu. «Ein tadelloser Hund», sagt er.

Lautes Schnaufen

Als Zweiter auf der 500-Meter-Fährte ist Niklaus Schmid aus Meinisberg mit Daffi an der Reihe. Wie Fankhauser, der übrigens auch als Richter tätig ist, ist Schmid ein erfahrener Hundeführer. Am Anschussort, also dem Start, kniet er neben seiner Hündin nieder, legt ihr das spezielle Schweisshalsband an und eine rund acht Meter lange Leine.

Denn auch im Ernstfall, wenn bei der sogenannten Nachsuche ein verletztes Tier gesucht wird, läuft der Hund in der Regel nie frei. Schnell hat der Labrador die Witterung aufgenommen und läuft los. Sicher und spurtreu gehts durch den Wald. Schmid vertraut seiner Hündin.

Hält sie die Nase tief, ist das für ihn Garant dafür, auf der richtigen Spur zu sein. Aus diesem Grund hinterlässt er auf der Strecke als Markierung alle paar Meter kleine Fetzen Küchenpapier. Das gibt ihm Sicherheit, wenn Daffi die Spur verlieren sollte. Und tatsächlich: Plötzlich hält sie die Nase in die Luft.

Sie wird unsicher, beginnt umherzuirren. Niklaus Schmid kann ihr nicht helfen, denn nirgends sieht er auch nur das kleinste Tröpfchen Blut am Boden. Die dreijährige Hündin ist mehr als 60 Meter von der Fährte abgekommen. Jetzt greifen die Richter ein. Dies bezeichnet man im Fachjargon als Abruf. «Zwei sind erlaubt, bei einem dritten ist die Prüfung nicht bestanden», erklärt Beuchat.

Die Experten zeigen Schmid, wo die Fährte verläuft. Doch erstmals legt der Seeländer eine Pause ein, nimmt eine Wasserflasche aus dem Rucksack und gibt Daffi zu trinken. Während der Hund sich erholt, inspiziert Schmid erneut den Waldboden.

Er hofft diesmal auf einen Blutspritzer oder ein Haarbüschel. Doch weit und breit ist nichts zu sehen, und so vertraut er voll und ganz seiner Hündin. Ein guter Entscheid: Auch dieses Duo hat die Prüfung bestanden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.08.2018, 06:14 Uhr

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Organisiert wurde der Anlass vom Jagd- und Wildschutzverein Trachselwald. 40 Hundeführer waren für die Prüfung angemeldet, 27 haben bestanden. Die 40 Fährten in der Länge von 500 und 1000 Metern wurden am Samstag gelegt. Dabei wurden pro Spur 2,5 Deziliter Rehblut verwendet. Im Fachjargon wird das Blut von einem Wildtier Schweiss genannt.

Das Zeitlimit liegt bei der 500-Meter-Fährte bei einer Stunde, bei einer Länge von 1000 Metern bei eineinhalb Stunden. Jede Fährte verfügt über Winkel – rechte oder linke Abbiegungen – und ein Wundbett respektive zwei auf der langen Fährte. Das sind Stellen, an denen sich das verletzte Tier niedergelegt hat.

Gemäss der Direktionsverordnung über die Jagd im Kanton Bern dürfen nur Hunde, die die Schweissprüfung ­bestanden haben, für die Nachsuche von verletzten Tieren eingesetzt werden. Gefordert sind die Vierbeiner nicht nur während der Jagdzeit; sie kommen auch bei Unfällen mit Wildtieren zum Einsatz.

jgr

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