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Einsatz im Forst

Sie sind angehende Mechaniker, Konstrukteure, Informatiker, Kaufleute. Dieser Tage aber packen die Stifte der Güdel AG im Wald der Schorenburger mit an.

Ungewohnter Arbeitsplatz: Die Lernenden haben den Industriebetrieb mit dem Wald getauscht.
Ungewohnter Arbeitsplatz: Die Lernenden haben den Industriebetrieb mit dem Wald getauscht.
Daniel Fuchs

An Arbeit fehlt es den 30 Lernenden der Güdel AG an diesem sonnigen Morgen nicht im Buechwald-Hubel ganz im Westen von Langenthal. Kreuz und quer und vor allem massenweise liegen die Äste auf dem Grund. Stück um Stück gilt es diese einzusammeln und zu Haufen zu stapeln.

Dort das grosse Holz. Hier die kleineren Äste und alles, was dreckig ist und nicht zu Holzschnitzeln verarbeitet wird. «Weg muss trotzdem alles», erklärt Peter Amacher vom Holzerteam der Burgergemeinde Schoren. Oder zumindest aufgeräumt werden. Damit der Jungwuchs gedeihen kann. Und auch, damit sich keine Schädlinge ausbreiten können in all dem Holz, das Burglind am 3. Januar zu Fall gebracht hat.

Rettung vor dem Pilz

Ausgerechnet im Buechwald-Hubel hat das Sturmtief die Schorenburger besonders stark getroffen. Dort, wo sie nur kurz zuvor ihre grosse Winterholzung vorgenommen hatten. Weil die Eschen von einem asiatischen Pilz befallen waren, habe man das Holz hier schlagen wollen, so lange es noch einen Wert habe, erklärt Waldchef Daniel Schneeberger.

Wohl auch an den durch den Befall geschwächten Stämmen habe es gelegen, dass Burglind nach der Holzung noch einmal um die 400 Kubikmeter zu fällen vermochte. Vor allem aber die Lage sei entscheidend gewesen, sagt Schneeberger. Ist der Buechwald-Hubel doch ähnlich wie der Walebode bei Niederbipp dem Nordwind jeweils besonders stark ausgesetzt.

«Diese Arbeit ist definitiv sinnvoll.»

Bekir Tekin, angehender ­Informatiker

Jetzt gilt es, dafür zu sorgen, dass sich der Pilz nicht weiter ausbreitet und die Qualität des Holzes beeinträchtigt. Den gefürchteten Borkenkäfer, den Buchdrucker, müssten sie hier im Laubwald nicht fürchten, sagt Schneeberger.

Seine bevorzugte Baumart ist die Fichte, wie sie im Wald der Burger vor allem bei der Wischberghütte vorkommt. Bewusst habe man in diesem Gebiet deshalb schon eher aufgeräumt. Mehr als 50 Helfer, davon nicht die Hälfte Burger, seien diesmal eingelaufen zum traditionellen Putztag am Ostersamstag.

Während die Jugendlichen fleissig Äste schleppen, bringt Paul Lappert den Traktor in Position. Ein grösseres Stück Holz muss mit der Seilwinde aus dem Erdreich herausgezogen werden. Ein klarer Fall für den Alt-Burgerpräsidenten. Seit Wochen schon ist er mit seinem vierköpfigen Holzerteam, wie er allesamt Pensionäre, mit Aufräumen beschäftigt.

«Hier könnt ihr den nächsten Haufen machen», weist er nun die jungen Männer und Frauen an, die ihnen in diesen Tagen zur Hand gehen. Und legt den untersten Ast exakt so, dass das Forstunternehmen später den ganzen Stapel problemlos wird aufladen können. Bald schon haben die Jugendlichen einen beachtlichen Stoss zusammengetragen.

Willkommene Abwechslung

Für Bekir Tekin ist die Umgebung, in der er während dieser zwei Tage am Werk ist, eine ungewohnte. Als angehender Informatiker verbringt der 20-Jährige seine Arbeitstage normalerweise sitzend vor dem Computer. Es sei eine schöne Abwechslung, diese Arbeit in der freien Natur, findet er. «Und definitiv sinnvoll.» Werde ihm doch jetzt erst bewusst, wie viel Holz beseitigt werden müsse, um den Wald letztlich auch für die Spaziergänger wieder sicher und attraktiv zu machen.

Jederfraus Sache ist der Einsatz allerdings nicht, wie Jessica Hug und Michelle Schär einräumen. Lieber hätten die angehende Kauffrau und die künftige ­Automatikerin diesen Teambildungsanlass etwas weiter weg von daheim verbracht.

Aber auch Herolind Abdulahi möchte die Abwechslung zum Lehrlings­alltag nicht missen. Gemeinsam mit ein paar anderen Stiften ­seines Bereichs wird der angehende Produktionsmechaniker aus Wangen an der Aare an diesem Abend sogar sein Zelt aufschlagen weiter oben beim Werkhof der Burgergemeinde.

Eine gute Sache

Auch das sei ein Grund, weshalb die Ausbildner der Güdel AG ihre Stifte in den Wald geschickt hätten, erklärt Fabienne Sutter, verantwortlich für die Berufsbildung beim Langenthaler Indus­trieunternehmen: dass sich die Lernenden untereinander besser kennen lernten.

Im Tagesbetrieb mit seinen 530 Angestellten hätten die verschiedenen Berufsgruppen doch teils kaum Kontakt zueinander, sagt sie. Gleichzeitig biete ihnen der Einsatz Einblick in eine ganz andere Welt und ­stärke die Sozialkompetenz. Und schliesslich, betont Fabienne Sutter, würden die Lernenden so eine gute Sache unterstützen.

Das kann Waldchef Daniel Schneeberger nur bejahen. Die Hilfe der Jugendlichen komme für die Burgergemeinde gerade zum richtigen Zeitpunkt. Darum wolle man ihnen den Einsatz ­entsprechend verdanken. Wenn auch nicht mit Geld, dann doch wenigstens mit einem herzhaften Znüni und einem gemeinsamen Bräteln.

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