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Einmal Storchenmutter, immer Storchenmutter

Peter und Margrith Enggist sind nach Kreuzlingen weggezogen. Die Störche auf dem Hochkamin betreuen sie aber weiterhin.

Margrith Enggist liegen Störche am Herzen. Archivbild: Marcel Bieri
Margrith Enggist liegen Störche am Herzen. Archivbild: Marcel Bieri

Mit Peter und Margrith Enggist verlassen nicht irgendwelche Einwohner Kleindietwil. Noch vom Schweizer Storchenvater Max Blösch in Altreu SO ausgebildet, legten sie im Dorf an der Langeten in den 1980er-Jahren eine Aussenstation an. Von dort wurden die Störche schliesslich auf den Hochkamin der ehemaligen Leinenweberei umgesiedelt.

Diesen Horst werde sie auch von Kreuzlingen aus betreuen, hält Margrith Enggist fest, denn sie bleibe Regionalvertreterin der Gesellschaft Storch Schweiz im Oberaargau. Sehr viel Aufwand bedeute dies nicht, verdeutlicht sie: Es gehe vor allem darum, zu beobachten, ob der Horst von einem Paar besetzt ist und ob dieses Jungvögel aufzieht.

Solide Unterlage

Pflege benötige der Horst dank der soliden Unterlage hingegen kaum. Storchennester werden rasch einmal bis zu einer Tonne schwer, weil die grossen Vögel sie immer wieder mit neuem Nistmaterial ergänzen und auskleiden, wenn sie von ihrem Winterzug in den Süden zurückkehren.

Dass die Störche heute das Wahrzeichen von Kleindietwil sind, hat jedoch nicht nur mit dem nun weggezogenen Präsidenten der Gesellschaft Storch Schweiz und deren Sekretärin zu tun, sondern mit der ganzen Bevölkerung. 1995 nämlich hatte sich ein Vogelpaar aus der Station von Enggists einen neuen Nistplatz auf einem Hochspannungsmasten gesucht.

1850 Unterschiften

Nach einem Jahr wollte die Onyx die gefiederten Gäste nicht mehr dulden. Sie kündigte an, den Horst nach der Brutsaison zu zerstören. Dagegen wehrten sich jedoch das ganze Dorf, der Kleindietwiler Gemeinderat und regionale Ornithologen. Sie sammelten 1850 Unterschriften.

Schliesslich einigte sich der Stromversorger mit der Gemeinde und den Ornithologen darauf, dass man Meisterin und Meister Adebard im Dorf alternative Nistplätze auf Bäumen und Hausdächern vorbereitete, ehe das Nest mit einem Gestänge unbewohnbar gemacht wurde.

Es war in Vorhaben mit unge­wissem Ausgang, sind doch Störche ausgesprochen standorttreu. Diese verschmähten denn auch die Angebote der Kleindietwiler und bezogen stattdessen den Hochkamin, der sich jedoch nicht als Nistplatz eignete. Erneut kamen die Menschen ihren gefiederten Mitbewohner zu Hilfe. Sie konstruierten für das Nest ein Metallgestell.

Im Juni 1997 – also vor ziemlich genau 20 Jahren – dann das Happy End: Auf dem Hochkamin konnten drei Jungstörche beringt werden. Nun findet die dramatische Geschichte um Peter und Margrith Enggist und die Kleindietwiler Störche einen weiteren versöhnlichen Abschluss: Auch 2017 konnten im Horst nach 2 brutlosen Jahren wieder drei Jungstörche beobachtet werden.

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