Eine Strafe, die keine Rolle spielt

Herzogenbuchsee

Der mutmassliche Feuerteufel von Herzogenbuchsee geht zurück in die Therapie. Wegen seiner Schizophrenie wird ihm weitgehende Schuldunfähigkeit attestiert. 

Mit diesem Brand an der Bitziusstrasse will der Angeklagte nichts zu tun haben. Foto: Olaf Nörrenberg

Mit diesem Brand an der Bitziusstrasse will der Angeklagte nichts zu tun haben. Foto: Olaf Nörrenberg

Zwei Brandstiftungen und eine fahrlässig verursachte Feuersbrunst waren in der Anklageschrift aufgeführt. In beiden Brandstiftungsfällen an der Bernstrasse und an der Bitziusstrasse im Sommer 2018 in Herzogenbuchsee nimmt das Gericht an, dass diese Feuer vom Angeschuldigten gelegt worden sind. Er selber gibt zu, im alten unbewohnten Bauernhaus an der Bernstrasse drei Brandherde gelegt zu haben. Mit dem Feuer im leer stehenden Einfamilienhaus an der Bitziusstrasse will er hingegen nichts zu tun haben.

Im Zeitraum von zehn Monaten brannte es im Jahr 2018 in Herzogenbuchsee und Umgebung achtmal, und die Bevölkerung fürchtete, dass ein Feuerteufel sein Unwesen treibt. Bei all diesen Bränden ergaben die Ermittlungen, dass sehr wahrscheinlich Brandstiftung vorliegt und dass das Feuer immer auf die gleiche Art gelegt worden ist: offen ohne Brandbeschleuniger.

Zwei Freisprüche

In fünf dieser Fälle wurde das Verfahren mangels Beweisen eingestellt. Gerichtspräsident Roger Zuber äusserte gestern in seiner Urteilsbegründung schon die Vermutung, dass sich wohl alle diese Brände dem Angeschuldigten zuordnen liessen. Doch spiele das in diesem Fall keine Rolle, denn in Sachen Feuerlegen sei der Mann gemäss einem Gutachten wegen seiner Schizophrenie nicht schuldfähig. So sprach das Regionalgericht Oberaargau-Emmental denn auch zwei Freisprüche aus für das Bauernhaus an der Bernstrasse und das Einfamilienhaus an die Bitziusstrasse.

Dass es nun aber doch zu Schuldsprüchen kam, war nur in einem Fall mit Feuer verbunden. Nämlich wegen der fahrlässig verursachten Feuersbrunst, die der Angeschuldigte auch eingestand: Er stellte nach dem Grillieren einen Kübel mit noch glühenden Holzkohlen auf die Holzfensterbank des Restaurants Mosteli, was zu einem Glimmbrand führte.

Strafen alle unbedingt

Die anderen Schuldsprüche gehen auf den Einbruchdiebstahl im gleichen Restaurant und in der Landi in Herzogenbuchsee zurück oder haben mit seinem «Töfflifimmel» zu tun. So entwendete er ein Puch Maxi beim Bahnhof. Er wurde auf diesem Fahrzeug von einem Polizisten gesehen, der eine Streife an den Wohnort des Mannes schickte. Diese fand dort schliesslich besagtes Töffli, und der Fall war klar. So sieht das auch das Gericht. Dazu kommen Delikte wie das Mofafahren ohne Fahrausweis, ohne Versicherung und ohne Helm.

«Für Sie ändert sich nichts. Sie gehen zurück in die Therapie und machen dort weiter.»Roger Zuber, Gerichtspräsident

Und dann machte Gerichtspräsident Roger Zuber die Rechnung. Unter dem Strich kam das Gericht auf eine Freiheitsstrafe von 7 Monaten, eine Geldstrafe von 5 Tagessätzen à 10 Franken und eine Busse von 200 Franken. Dafür verrechnete Zuber die ausgestandene Untersuchungshaft von 245 Tagen, und ausgestanden war die Strafe. «Für Sie ändert sich nichts. Sie gehen zurück in die Therapie und machen dort weiter», erklärte der Richter dem Beschuldigten und fuhr fort: «Wichtig ist, dass sie dort aktiv mitmachen, das wäre gut für Sie und Ihr weiteres Leben.»

Damit schloss das Regionalgericht diesen Fall ab, und der Angeschuldigte wurde in die UPK Basel zurückgebracht.

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