«Eine Fusion ist kein Thema»

Bannwil

Das 680-Seelen-Dorf steht überraschend ohne Gemeindeverwalterin da. Bewerbungen auf die Stelle sind bisher Mangelware. Bauverwalter Markus Friedli übernimmt nun den Posten. Vor­übergehend, wie er betont.

Hoffen auf passende Bewerber: Gemeindevizepräsident Marc Trinkler (links) und Gemeindeverwalter ad interim Markus Friedli.

Hoffen auf passende Bewerber: Gemeindevizepräsident Marc Trinkler (links) und Gemeindeverwalter ad interim Markus Friedli.

(Bild: Thomas Peter)

Béatrice Beyeler

Das sei schon sehr überraschend gekommen, sind sich Markus Friedli und Marc Trinkler einig. Die beiden Herren machen es sich im Sitzungszimmer der Bannwiler Verwaltung bequem. Gesprächsthema ist die Kündigung der Gemeindeverwalterin Antonia Waber. Ende Juni hatte sie ihre Entscheidung der Gemeinde mitgeteilt, am letzten Mittwoch war bereits ihr letzter Arbeitstag. Nach der fast vier­jährigen Tätigkeit will sie es laut Gemeindevizepräsident Marc Trinkler ruhiger angehen lassen und erst einmal eine Auszeit nehmen.

«Uns war schnell klar, dass wir so schnell keine passende Nachfolge finden können», sagt Trinkler. Die meisten Stellen hätten eine Kündigungsfrist von drei bis sechs Monaten. Hinzu komme, dass Antonia Waber offiziell zwar auf Ende September gekündigt habe, wegen der übrig gebliebenen Ferientage nun aber bereits Ende August ihren Schreibtisch geräumt hat.

Geringer Rücklauf

Trotz der dringlichen Situation wirken Trinkler und Friedli entspannt, konnte doch rasch eine Übergangslösung gefunden werden. Und diese heisst: Markus Friedli. Der Bauverwalter und bisherige Stellvertreter von Antonia Waber übernimmt die Stelle – ad interim, wie er betont. Und wie bis anhin bleibt er Gemein­deschreiber von Graben. Deren Finanzen und auch jene von Schwarzhäusern, um die sich Antonia Waber bisher gekümmert hatte, werden im Mandatsverhältnis an die Finances Publiques AG ausgelagert.

Die Stelle ist seit Juli ausgeschrieben. Doch der Rücklauf ­falle bisher gering aus, bedauert Marc Trinkler. Mit Antonia Waber gehe man aber im Guten auseinander. «Sie hat stets sehr sauber gearbeitet, und so ist auch die Übergabe verlaufen», betont Trinkler. Zudem habe sich Waber mit den Worten verabschiedet, dass man sich bei Fragen bei ihr melden könne. «Ihren Entscheid gilt es zu akzeptieren, wir werden das nun schon schaukeln», ergänzt der bisherige Stellvertreter Markus Friedli.

Mit dem schwerwiegenden ­Abgang nicht genug, die Gemeindeverwaltung Bannwil erlebt noch weitere Änderungen: So wurde per Anfang August ein junger Sachbearbeiter mit einem 100-Prozent-Stellenpensum verpflichtet, der die Abgänge der ­beiden Teilzeitmitarbeiterinnen Angela Eymann und Vicky Friedli abfedern soll.

Der 19-jährige Loïc Imobersteg hat diesen Sommer seine Lehre abgeschlossen und liebäugelt mit den Finanzen. Das kommt der Gemeinde gerade recht. Denn für Bauverwalter Markus Friedli ist klar: «Finanzen sind nicht mein Metier.» Weshalb für ihn auch feststeht, dass er die Stelle in der Form, wie sie heute ausgeschrieben ist, nicht längerfristig übernehmen will.

Vom Modell überzeugt

Die Zusammenarbeit mit Graben und Schwarzhäusern sei bisher sehr angenehm verlaufen, und das wolle man auch so beibehalten. Eine Fusion, betont der Gemeindeverwalter ad interim, sei derzeit aber kein Thema. «Wir könnten damit auch nicht viel an Geld oder Personal einsparen», ist Trinkler überzeugt.

Er stellt sich hinter das derzeitige Modell der Zusammenarbeit: «So können wir unsere Ressourcen bündeln, bleiben aber eigenständig.» Marc Trinkler und Markus Friedli hoffen, dass nun nach der Ferienzeit die Zahl der Bewerbungen ansteigt. Doch was andernorts der Fall ist, befürchten auch die Bannwiler: Dass sie Mühe bei der Suche nach passendem Verwaltungspersonal bekunden dürften.

«Die Anforderungen steigen, gerade in den kleinen Gemeinden», ist sich Trinkler bewusst. «Die Arbeit hier ist breit gefächert, man deckt verschiedene Themen ab», weiss auch Friedli. Gerade diese Abwechslung halte ihn nun schon seit zwanzig Jahren in seiner Heimatgemeinde. Doch der 40-Jährige kann verstehen, dass die vielen Aufgaben junge Leute zunächst abschrecken könnten.

Keine weiteren zwölf Jahre

Um die Stellenausschreibung und den Rekrutierungsprozess kümmert sich Marc Trinkler. «Im Gemeinderat haben wir das so ­abgemacht, weil Präsident Rolf Reber Ende Jahr zurücktritt», ­erklärt der Gemeindevizepräsident. Dessen Nachfolge stehe noch nicht fest. «Im Herbst erfolgt die Ausschreibung, jede und jeder darf sich melden», betont der 50-Jährige.

Er selber sei nicht abgeneigt, das Amt zu übernehmen. Denn andernfalls müsste Trinkler wegen der Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren seinen Rücktritt aus der Exekutive geben. Doch so viel stehe von vornherein fest: «Ich werde nicht wie Rolf Reber nochmals zwölf Jahre als Präsident anhängen.» Nicht nur auf der Verwaltungs-, sondern auch auf der politischen Ebene tut sich in der 680-Seelen-Gemeinde derzeit so einiges.

Berner Zeitung

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