Einbruch in Bijouterie: Busse für 23-Jährigen

Das Regionalgericht verurteilt einen jungen Mann wegen Diebstahls und Sach­beschädigung in Herzogenbuchsee.

Ein 23-jähriger Schweizer sagte vor Gericht aus, die Scheibe der Bijouterie bereits demoliert vorgefunden zu haben. (Symbolbild)

Ein 23-jähriger Schweizer sagte vor Gericht aus, die Scheibe der Bijouterie bereits demoliert vorgefunden zu haben. (Symbolbild) Bild: Fotolia

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Knapp zehn Minuten: Mehr Zeit glaubte der Verteidiger nicht zu benötigen, um die Forderung nach einem Freispruch für seinen Klienten zu begründen.Vor Richter Roland Richner sass im Regionalgericht Emmental-Oberaargau gestern ein junger Schweizer, den die Staatsanwaltschaft zu einer bedingten Geldstrafe von 1200 und einer Busse von 300 Franken verknurrt hatte.

Die Anklagebehörde ging davon aus, dass er und ein Kollege im Juli 2015 die Scheibe einer Bijouterie in Herzogenbuchsee eingeschlagen und aus der Vitrine Uhren im Wert von 2600 Franken entwendet hatten.

Das Verfahren gegen den jüngeren der zwei mutmasslichen Täter hatte die Jugendanwaltschaft eingestellt. Der erwachsene Ältere erhob gegen den Strafbefehl Einspruch.

Von Kummer geplagt

Zur fraglichen Zeit – zwei Stunden nach Mitternacht – sei er zwar vor der Bijoutiere gewesen, räumte der 23-Jährige gegenüber dem Einzelrichter gestern ein. Er und sein Freund hätten sich in jener Nacht verfahren.

Auf der Suche nach jemandem, der ihnen den richtigen Weg weisen könnte, seien sie durch Buchsi gebummelt und auf einmal vor dem demolierten Schaufenster gestanden. Sein Kollege habe vergeblich versucht, etwas aus der Auslage zu entwenden. Ihn selber, beteuerte der Beschuldigte, habe das nicht interessiert. Er sei mit seinen Gedanken, von Liebeskummer geplagt, woanders gewesen.

Wie ein Sechser im Lotto

Zwei Zeugen erklärten, sie seien wegen des Lärms in der Nachbarschaft erwacht und hätten aus 50 Metern Entfernung gesehen, wie Unbekannte versuchten, in das Geschäft einzubrechen. Andere Personen seien in der Gasse zu diesem Zeitpunkt nicht unterwegs gewesen.

Anderthalb Jahre später gaben die Beobachter zu Protokoll, sie würden die Männer, denen sie ­damals zugeschaut hatten, nicht wiedererkennen. Auch erklärten sie, sie hätten die Täter nicht ununterbrochen im Blick gehabt. Dem Verteidiger genügte dies, einen Freispruch «mindestens in dubio pro reo» zu fordern. Der Goldschmied indes sagte, wenn sich in der zu dieser nachtschlafenden Stunde normalerweise toten» Strasse noch andere Menschen als die Einbrecher befunden hätten, wäre das «wie ein Sechser im Lotto» gewesen.

Der Einzelrichter verurteilte den Beschuldigten gestern zu einer Geldstrafe von 70 Tages­sätzen à 100 Franken, einer Busse von 1000 Franken sowie zur Übernahme der Verfahrens­kosten in Höhe von gut 2000 Franken.

Chat über Uhren und Spuren

Die Angaben des Beschuldigten seien unglaubhaft, führte der Gerichtspräsident aus. Nicht nur sprächen die Aussagen der beiden Zeugen und die DNA-Spur, die der Kumpel des Angeklagten auf dem Panzerglas hinterlassen hatte, gegen die Version des Frischverurteilten. Auch habe sich das Duo nach dem Vorfall via Whatsapp über Uhren und Spuren unterhalten. Darüber hinaus sei nur schon die Begründung für den Aufenthalt in der Gasse fadenscheinig: «Als Mann fragt man nicht nach dem Weg», stellte Roland Richner fest.

Wie sich das Verfahren gegen den Mittäter in Luft habe auflösen können, sei ihm vor diesem Hintergrund allerdings schleierhaft, fügte der Richter an. «Die Einstellungsbegründung der Jugendanwaltschaft würde vor diesem Gericht jedenfalls nicht bestehen.» (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 12.10.2017, 17:04 Uhr

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