Ein Zentrum für multiple Sklerose

Langenthal

Die Neurologie Langenthal eröffnet am Montag ein Zentrum für die Behandlung von multipler Sklerose. Die Vorreiterrolle auf diesem Gebiet wird somit offiziell. Geleitet wird das Zentrum von Andreas Baumann.

Blick ins menschliche Gehirn: Dr. med. Andreas Baumann im neuen Zentrum für multiple Sklerose in der Abteilung für Neurologie am Spital Langenthal.

Blick ins menschliche Gehirn: Dr. med. Andreas Baumann im neuen Zentrum für multiple Sklerose in der Abteilung für Neurologie am Spital Langenthal.

(Bild: Thomas Peter)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Wenn Dr. med. Andreas Baumann über multiple Sklerose (MS) zu erzählen beginnt, möchte man nach einer gewissen Zeit am liebsten selbst in den weissen Kittel schlüpfen.

Faszination ist bekanntlich hochansteckend. Und kein anderes Spektrum seines Fachgebiets hat den Neurologen so gefesselt, wie die Behandlung von MS. Ein alter Berufskollege habe ihm einmal gesagt, dass man als Arzt ein medizinisches Hobby haben soll, erzählt Baumann. Ein spezifisches Gebiet, dem man eine besondere Zuwendung schenkt. Im Fall von Andreas Baumann ist dies MS.

Beim Ostschweizer deutete anfangs noch nicht viel auf eine Laufbahn als Arzt hin. Als jüngstes Kind einer achtköpfigen Bauernfamilie lag ein Studium unmittelbar nach der Schule rein finanziell in weiter Ferne.

Baumann absolvierte eine Banklehre und holte auf dem zweiten Bildungsweg berufsbegleitend die Matura nach. «Zuerst wollte ich Wirtschaft studieren», so Baumann. Aber dann führte ein Unglück zum Glück: Nach einem Kletterunfall musste er selbst in medizinische Behandlung gehen. Die «gute Medizin», die er dort erlebte, veranlasste ihn, Arzt zu werden.

Faszination Medizin

Einen Entscheid, den er bis heute nicht bereut. Die Medizin fasziniert ihn noch immer. Und von dieser Faszination profitieren schliesslich vor allem seine Patienten – speziell jene mit multipler Sklerose. Für sie ist die Diagnose zuerst vor allem eines: ein Schicksalsschlag.

«Die Reaktionen von Betroffenen auf die Diagnose sind sehr unterschiedlich», sagt Baumann. Die einen fallen aus allen Wolken und brauchen entsprechend viel Unterstützung. Die anderen bleiben gefasst und sind froh, dass sie einen klaren Befund vor sich haben.

«Solche Termine finden bei mir immer abends statt. Dann weiss meine Familie auch, dass ich erst spät nach Hause komme», sagt Baumann.

Denn unmittelbar nach der Diagnose hat der Betroffene vor allem eines: Fragen. «Bei der Reaktion auf eine Diagnose gibt es kein Richtig oder Falsch», stellt Baumann fest. Es sei letztlich ein Verarbeitungsprozess, der bei jedem unterschiedlich verläuft. «Unser Ziel ist, dass wir jeweils in möglichst kurzer Zeit abklären, ob eine MS-Diagnose vorliegt», so Baumann.

Gute Therapien

Und dann gilt es, nach vorne zu schauen. MS gilt zwar immer noch als unheilbar. Aber es gibt gute Therapien, welche die Beschwerden stark abschwächen. Und die Forschung geht Tag für Tag weiter. «In letzter Zeit sind gleich mehrere vielversprechende Behandlungsmethoden auf den Markt gekommen», so Baumann.

Den gut 150 betroffenen Patienten in der Region wollen Baumann und sein Team Zugang zu diesen neuen Therapien verschaffen. Dass man nun in der Neurologie in Langenthal ein Kompetenzzentrum für MS eröffnet, sei letztlich eine Folge der letzten Jahre, sagt Baumann.

«Wir spürten, dass viele Patienten uns ihr Vertrauen schenken», sagt der Neurologe. Auch jene, die aus der Region wegziehen, lassen sich weiterhin in Langenthal behandeln.

Am Montag wird das Zentrum offiziell eröffnet. Mit Vorträgen und Diskussionen im Parkhotel können Betroffene, deren Familien, aber auch Interessierte mehr über die Krankheit MS erfahren.

Eröffnungsveranstaltung: Montag, 9.November, ab 17 Uhr, Parkhotel Langenthal.

Berner Zeitung

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