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Ein Spaziergang, der es in sich hatte

Die Kirchgemeinde Seeberg will mit besonderen Referenten das Interesse der Jugendlichen für den Glauben wecken.

Gut gelaunter Gast in Seeberg: Astronaut Claude Nicollier mit Schülerinnen und Schülern des kirchlichen Unterrichts.
Gut gelaunter Gast in Seeberg: Astronaut Claude Nicollier mit Schülerinnen und Schülern des kirchlichen Unterrichts.
Thomas Peter

Was für ein Spaziergang! In 600 Kilometer Höhe über der Erde reparierte Claude Nicollier eine Kamera des Weltraumteleskops Hubble. Bloss geschützt durch seinen Raumanzug. Frei im luftleeren Raum schwebend. Man nennt das einen Weltraumspaziergang. «Von einem Spaziergang kann da natürlich keine Rede sein», stellte der bisher einzige Astronaut aus der Schweiz im Kirchgemeindehaus Seeberg in seinem einnehmenden Waadtländer Akzent richtig. An seinen Lippen hingen rund 50 Personen, darunter die Schülerinnen und Schüler sämtlicher Klassen der kirchlichen Unterweisung (KUW). Bewusst setzt die Kirchgemeinde Seeberg auf solch interessante Inhalte, durch welche der Glaube gleichzeitig frei vermittelt werden kann.

Claude Nicollier, heute 74-jährig, verknüpfte dabei die Geschichte der Raumfahrt geschickt mit seiner persönlichen Geschichte. Zunächst als Jagdflugzeugpilot für die Schweizer Armee tätig, schlug er eine wissenschaftliche Laufbahn in Physik und Astrophysik an den Universitäten in Lausanne und in Genf ein. Ende 1977 bewarb er sich bei der ESA (European Space Agency) für das erste europäische Astronautenkorps und wurde aufgenommen. Insgesamt viermal folgte der gebürtige Waadtländer im Verlauf seines bewegten Lebens in den 1990er-Jahren dem Ruf der Wissenschaft, um den Weltraum zu erkunden und Reparaturen an Weltraumteleskopen vorzunehmen.

Nur eine Frage

Acht Stunden dauerte die Reparatur am Weltraumteleskop, dabei umkreiste der Schweizer Astronaut die Erde fünfmal. Weil Claude Nicollier am Freitag einen weiteren Termin in Lausanne hatte, war seine Zeit in Seeberg begrenzt, was er selbst ebenfalls zu bedauern schien. Dadurch blieb nur Zeit für eine einzige Frage, die einer der Konfirmanden stellen durfte.

«Hatten Sie keine Angst beim Start Ihres Spaceshuttles?», wünschte ein Junge im Nasa-Pullover zu erfahren. Ganz Mann der Wissenschaft, verneinte Nicollier mit einem Lächeln. Ein Risiko sei zwar immer vorhanden, doch man müsse dieses ausblenden, um so effektiv wie erforderlich arbeiten zu können. Mit einer knappen Verbeugung und unter Beifall verabschiedete sich Claude Nicollier von seinem Seeberger Publikum.

Zwei weitere Anlässe

Dieser Auftritt des schweizerischen Astronauten war nur eine von insgesamt drei Veranstaltungen, die im Rahmen der Seeberger KUW organisiert wurden. In vorangegangenen Unterrichtsstunden wurden die Schülerinnen und Schüler von einem Super-Puma-Hubschrauber der schweizerischen Luftwaffe sowie der Weltraumforscherin Kathrin Altwegg besucht.

Um eine lebendigere Beziehung zwischen Schülern und der unterweisenden Person herzustellen, greift die Kirchgemeinde Seedorf bewusst auf jüngeres Personal zurück. Mit Erfolg, wie sich herausstellt. «Auch neben dem KUW-Unterricht setzt sich dieses gerne für seine Schützlinge ein und ist als Ansprechpartner in jeglichen Belangen für sie verfügbar», erklärt Kirchgemeinderätin Cornelia Will gegenüber dieser Zeitung.

Für die drei besonderen Gäste hatten alle Schülerinnen und Schüler extra schulfrei bekommen. Neben ihnen erschien jeweils auch eine Schar von neugierigen Dorfbewohnern, wodurch immer mindestens 50 Leute den prominenten Gästen zuhörten.

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