Ein Neuling an der Spitze

Langenthal

Ihr Wahlergebnis im Herbst war ernüchternd. Nun wollen die Langenthaler Jungliberalen mit neuem Präsidenten und verstärktem Vorstand die Trendwende einläuten.

Handshake: Lukas Bissegger (links) übergibt das Präsidium der Jungliberalen an Michel Giesser.

Handshake: Lukas Bissegger (links) übergibt das Präsidium der Jungliberalen an Michel Giesser.

(Bild: Marcel Bieri)

Patrick Jordi@jordipatrick

Am Samstag ist für die Jung­liberalen Langenthal und Umgebung (JLL) ein wichtiger Tag. An der Hauptversammlung werden zukunftsweisende Dinge beschlossen. Einerseits wird mit Michel Giesser ein neues Parteioberhaupt gewählt – ein politisch informierter junger Langenthaler, der aber erst seit einem knappen Halbjahr Mitglied ist. Andererseits wird auch der Vorstand fast komplett neu besetzt und zudem verstärkt. Er soll von fünf auf acht Personen ausgebaut werden.

Damit kommts bei den JLL zum angestrebten Generationenwechsel. Frische Kräfte mit neuen Ideen sollen die Jungpartei fortan prägen. Die Neuerungen sollen den Jungliberalen guttun. Denn im Winterhalbjahr galt es das Wahlergebnis vom Herbst zu verdauen und zu analysieren. Den JLL gelang es bei den Stadtratswahlen nicht, ihren zweiten Sitz zu halten. Der Wähleranteil sank unter fünf Prozent.

Manko: Eine Nummer zwei

Das langjährige Zugpferd der Partei, Pascal Dietrich, schaffte die Wiederwahl ins Parlament zwar ebenso wie Lukas Bissegger, der das JLL-Präsidium nun an Michel Giesser übergibt. Dietrich politisiert seit Jahresbeginn aus Altersgründen jedoch für die Mutterpartei FDP.

Den Sitzverlust einzig mit dem Parteiübertritt Dietrichs in Verbindung zu bringen, greift nach Ansicht von Bissegger jedoch zu kurz. Er gibt sich selbstkritisch und sagt, man habe es im Hinblick auf die Wahlen verpasst, eine klare Nummer zwei aufzubauen. Hinzu käme der Einfluss der Stapi-Wahlen. Das Lager von Stadtpräsident Reto Müller (SP) habe seine Pflicht, sich auch bei den Gemeinderats- und Stadtratswahlen zu beteiligen, generell gewissenhafter wahrgenommen, als dies in bürgerlichen Kreisen der Fall gewesen sei.

Aber eben: Die Jungliberalen wollen jetzt vor allem nach vorne schauen. Mit Blick auf die Gemeindewahlen 2020 kennt Michel Giesser bereits das Fernziel: Der zweite Stadtratssitz soll zurückerobert werden. Damit dies erreicht wird, müssten nun junge Leute aufgebaut und bekannt gemacht werden. Denn: «In Langenthal wählt man nach Köpfen, nicht nach Listen.»

Engagierter Newcomer

Mit Michel Giesser übernimmt ein Newcomer die Geschicke. Er studiert im zweiten Semester Rechtswissenschaften an der Uni in Bern. In seiner Freizeit treibt er regelmässig Sport, liest gern und – er ist politisch interessiert. So hat er sich letzten Herbst aus eigenem Antrieb dem Lager der Liberalen angenähert. Nach dem ersten, noch ergebnislosen Stapi-Wahlgang suchte er den Kontakt zu Kandidat Stefan Costa (FDP) und dessen Anhängern.

Im Hinblick auf den zweiten Wahlgang wollte er unterstützen helfen. Denn: «Viele junge Langenthalerinnen und Langenthaler haben damals gar nicht recht mitbekommen, worum es eigentlich geht», sagt der 23-Jährige rückblickend. Giessers Bereitschaft, sich zu engagieren, wurde dankend angenommen. Er war es, der mithalf, den Bürgerlichen in kürzester Zeit doch noch gewisse Onlinepräsenz zu verschaffen. Für Michel Giesser war es der Einstieg in die Lokalpolitik.

Moderner kommunizieren

Ein Strategiewechsel ist unter seiner Führung insofern zu erwarten, als die Art der Kommunikation eine modernere werden soll. Im Nachgang der Hauptversammlung soll zunächst die neue Website aktiv werden. Zudem sollen soziale Netzwerke wie beispielsweise Twitter, Facebook und Instagram aktiver bewirtschaftet werden. Man will diese Kanäle vermehrt mit Videomaterial bespielen, um junges Publikum zu erreichen. Ausserdem sei zu erwarten, dass ein verjüngter Vorstand einfacher und schneller auf junge Menschen zugehen und ihre Interessen abholen könne. Somit solle sich auch bei der direkten Kontaktaufnahme mit Aussenstehenden etwas ändern.

Die Grundwerte der Partei und das liberale Gedankengut würden indes gleich bleiben, sagt Michel Giesser, dessen Vater Erich Giesser ebenfalls einmal Präsident der Jungliberalen war.

Für Lukas Bissegger war immer klar, dass er das Amt des Präsidenten nach zwei Jahren abgeben würde. Er übernahm die Parteiführung 2015 erneut, nachdem er das Präsidentenamt bereits von 2010 bis 2014 innegehabt hatte. Als Stadtrat verbleibt der 30-Jährige von Amtes wegen im JLL-Vorstand.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt