Ein knallharter Verhandlungspartner

Aarwangen

Für die Erweiterung des Alterszentrums braucht die Stiftung Lebensart mehr Land. Kein Problem, befanden am Montag die Stimmberechtigten. Allerdings nicht zu dem Preis, den sich Bauherrin und Gemeinderat vorgestellt hatten.

305 Franken pro Quadratmeter ist der Betrag, den die Versammlung für das Land hinter dem Alterszentrum festgelegt hat.

305 Franken pro Quadratmeter ist der Betrag, den die Versammlung für das Land hinter dem Alterszentrum festgelegt hat.

(Bild: Beat Mathys)

Kathrin Holzer

Im Januar hätte der Vertrag unterschrieben und kurz darauf auch das Baugesuch eingereicht werden sollen. Bereits im November 2020, so die Pläne der Stiftung Lebensart, hätte nach anderthalbjähriger Bauzeit der Neubau neben dem bestehenden Alterszentrum bezogen und sodann die Sanierung des Altbaus in Angriff genommen werden können.

Ob die neue Trägerin des Riedli, wie die meisten Aarwanger ihr Altersheim nach wie vor nennen, an ihren Erweiterungsplänen von heute 45 auf neu 85 Betten weiterhin festhält, ist nach der Gemeindeversammlung vom Montag allerdings fraglich. Nicht etwa, dass die 134 anwesenden Stimmberechtigten – für Aarwangen ein doch stolzer Aufmarsch – dem für den Ausbau notwendigen Verkauf von gemeindeeigenem Land im Grundsatz etwas entgegenzusetzen gehabt hätten. Nur über den Preis waren sie sich ganz und gar nicht einig. 

Auf 205 Franken pro Quadratmeter – bei benötigten rund 2000 Quadratmetern – hatte sich der Gemeinderat im Vorfeld mit der Stiftung geeinigt. Tatsächlich liege man damit unter dem marktüblichen Preis, räumte Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein (FDP) ein. Da die betroffenen Parzellen hinter dem Alterszentrum einerseits in der Zone für öffentliche Nutzung lägen und das Erweiterungsprojekt die Gemeinde bei der Erfüllung ihrer Altersversorgung unterstütze, erachte die Exekutive den Preis aber als angemessen.

«Die Gemeinde muss kein Geld in die Hand nehmen», verwies er auf die 14 Millionen Franken, welche die Stiftung in den Neubau investieren werde. Wobei das Alterszentrum weiterhin über eine eigene Küche verfügen und ebenso eine Wäscherei beherbergen soll – für den Gemeinderat ein weiterer wichtiger Punkt: Das schaffe niederschwellige Arbeitsplätze in Aarwangen, sagte Bläuenstein, «genau jene Stellen, die wir suchen».

Der andere Landpreis

Womöglich hätten die Stimmberechtigten dagegen an jedem anderen Abend nichts einzuwenden gehabt. Nur Feuerwehrkommandant Rolf Rohrbach gab zu bedenken, dass so tiefe Einnahmen aus dem Landverkauf nicht ausreichen könnten für die Renaturierung des Sagibachs, zu der sich die Gemeinde im Zuge der Heimerweiterung verpflichtet.

An diesem Montag aber stand, gleich im Anschluss an das Altersheimprojekt, noch ein zweites Landgeschäft auf der Traktandenliste. Auch die direkt neben dem Riedli gelegene Aarsana AG will ausbauen. Die Ärzte hinter der 1998 gegründeten Gruppenpraxis wollen so den Fortbestand des Hausarztangebots im Dorf nach ihrer bevorstehenden Pensionierung sicherstellen.

Ein Baurechtsvertrag zwischen ihnen und der Gemeinde sollte deshalb frühzeitig aufgelöst und die betreffende Parzelle sowie der Teil eines benachbarten Grundstücks der Ärztegemeinschaft verkauft werden. Der Preis: 380 Franken pro Quadratmeter.

«Ich kann nicht verstehen, dass man da mit zwei verschiedenen Ellen misst», monierte Versammlungsteilnehmer Christian Sommer, um auch gleich seinem Unmut über die Stiftung Lebensart Ausdruck zu verleihen, unter deren Führung «das Riedli nicht mehr ist, was es mal war».

Ins selbe Horn stiess Versammlungsteilnehmer Andreas Baumann. Der «Konzern» Lebensart sei durchaus imstande, einen marktüblichen Preis zu zahlen für das benötigte Land, verwies er unter anderem auf flüssige Mittel in Höhe von 36 Millionen Franken, welche die Stiftung in ihrer letzten Bilanz auswies. «Die 200000 Franken Mehrkosten zahlen die doch aus ihrem Kafikässeli.» Unter der Ankündigung, denselben Preis auch beim Aarsana-Geschäft zu beantragen, plädierte Baumann deshalb für eine Erhöhung auf 305 Franken pro Quadratmeter. 

Vergebens bat der Gemeindepräsident, den einen Landverkauf nicht mit dem anderen zu vermischen. Zumal die Gemeinde mit einem für die Wohnzone relativ tiefen Preis und angesichts der künftig wegfallenden Baurechtszinse auch der Ärztegemeinschaft durchaus entgegenkomme.

Und ebenso Alt-Riedli-Präsident Gino Artoni, der an die zuletzt immer röteren Zahlen des Alterszentrums erinnerte und sich deshalb nach wie vor überzeugt zeigte, in der Lebensart den richtigen Partner gefunden zu haben, vermochte die längst gemachten Meinungen nicht mehr zu ändern. Mit 77 zu 41 Stimmen sprachen sich die Anwesenden letztlich doch deutlich für den höheren Quadratmeterpreis von 305 Franken aus.

Alle Optionen prüfen

Dass sich eine Mehrheit von 72 Stimmen (gegenüber 42) wenigstens beim Aarsana-Geschäft für die vom Gemeinderat ausgehandelten 380 Franken pro Quadratmeter aussprach, mochte Gemeindepräsident Bläuenstein da nur bedingt zu trösten. Es sei fraglich, ob die Altersheimerweiterung so überhaupt zustande kommen werde, hatte er die Stimmberechtigten schon vor der Abstimmung gewarnt.

«Wir nehmen das Verdikt zur Kenntnis und klären nun intern ab, was es für Optionen gibt», sagte Lebensart-Geschäftsführer und -Stiftungsrat Markus Hobi nach der Versammlung. Wobei das Geld in einem durch strenge Tarifvorgaben begrenzten Spielraum nicht die einzige Überlegung sei, welche die Stiftung werde berücksichtigen müssen, zeigte sich Hobi doch überrascht von der negativen Stimmung, die ihm an der Versammlung entgegengeschlagen sei.

Eine blosse Basissanierung des Alterszentrums komme dabei ebenso infrage wie eine Zusammenarbeit mit einer anderen Gemeinde, seien die bewilligten 40 neuen Betten doch nicht an den Standort Aarwangen gebunden.

Noch im März 2017 hatte das anders getönt: Mit dem rückwirkend per 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Fusionsvertrag verpflichte sich die Stiftung Lebensart, die von der Gesundheitsdirektion zugeteilten Pflegebettenplätze während 30 Jahren am Standort Riedli zu führen, teilten die beiden Fusionspartner damals mit. Die geplante Erweiterung war denn auch ausschlaggebend dafür, dass sich der damalige Riedli-Stiftungsrat überhaupt nach einem finanzstarken Partner umgesehen hatte. 

Langenthaler Tagblatt

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