«Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung»

Die Familie Jordi tauscht ihr Reiheneinfamilienhaus für die nächsten neun Monate mit dem Camper. Mit dem Circus Nock touren sie durch die ganze Schweiz. Kommende Woche führt sie der Weg in die alte Heimat.

Auf Tour mit Kind und Kegel: Lorenz, Jana und Karin Jordi (v.l.) werden die nächsten neun Monate mit dem Circus Nock die Schweiz bereisen.

Auf Tour mit Kind und Kegel: Lorenz, Jana und Karin Jordi (v.l.) werden die nächsten neun Monate mit dem Circus Nock die Schweiz bereisen. Bild: Manuel Geisser

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Aufbauen, abbauen, weiterziehen: Das Zirkusleben ist in ständiger Bewegung. An diesem Donnerstagnachmittag im Aarauer Schachen kommt der ganze Tross für einmal zum Stehen: Die Zelte sind aufgestellt, die Wohnwagen sauber aufgereiht, die Tiere faulenzen in ihren Gehegen, und auch die Artisten aus aller Welt geniessen vor ihren Wohnwagen die Frühlingssonne.

«Just Chilling» sagen Junge und Jung­gebliebene diesem Zustand des süssen Nichtstuns. Aber nicht alle können sich an diesem Nachmittag entspannen. Karin Jordi ist auf dem Sprung. Sie muss mit einem der marokkanischen Zirkusarbeiter aufs Migrationsamt in Aarau. Seine Passpapiere müssen aktualisiert werden.

Aber statt eines Marokkaners haben sie sich gleich deren fünf vor dem Auto versammelt. «Sie meinen wohl, es geht um die Krankenversicherung», sagt Karin Jordi schmunzelnd. Auch da gibt es für sie in den kommenden Tagen ­administrative Arbeiten zu erledigen.

Es braucht auch Organisation

Mit Zirkus verbinden viele die ­ultimative Freiheit: Ständig auf Reise sein, keine festen Bande haben, 24 Stunden gelebte Kunst. Aber wenn eine Truppe so gross ist wie der Circus Nock, dann braucht es auch Leute, welche organisieren. In diesem Jahr ist das mit die Aufgabe von Karin und Lorenz Jordi. Sie gehören für neun Monate zum 65-köpfigen Team des Circus Nock.

«Mich hat das ­Tourneeleben stets fasziniert.»Lorenz Jordi

«Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung», sagt Lorenz Jordi. Er ist in Aarwangen aufgewachsen und hat in Langenthal das Gymnasium besucht. Dort, in Langenthal vor der Markthalle, hat er als Kind jedes Jahr den Zirkus besucht. «Mich hat dieses Tourneeleben stets fasziniert», sagt er. Der Aufbau, der Abbau, das Weiterziehen – «und dass man direkt zu den Leuten reist und ihnen vor ihrem Zuhause eine Freude bereitet», sagt Jordi.

Im Zirkus in die Schule

Die Faszination neu aufleben liess im letzten Jahr eine Ferienwoche. Jordis gingen sieben Tage mit dem Circus Nock auf Tournee. «Ich sagte damals zu meiner Frau: Das war die schönste Ferienwoche in meinem Leben», erzählt Lorenz Jordi. Nach den Ferien entstand die Idee, mal eine ganze Saison mit auf Tournee zu gehen.

Ein abenteuerliches Unterfangen: Lorenz Jordi ist 41 Jahre alt und arbeitet Vollzeit als Verkehrsplaner im Kanton Luzern. Wie reagierte der Chef, als er von den Plänen erfuhr? «Er fand die Idee cool», sagt Jordi schmunzelnd. Ohne grosse Hürden konnte der studierte Geograf neun Monate unbezahlten Ur­laub nehmen.

Aber so richtig Urlaub hat Lorenz Jordi beim Circus Nock nicht. Wie auch seine Frau – sie managt die Personaladministration – hat er zahlreiche Aufgaben und «Ämtli» zu erfüllen. Allen voran die Betreuung der Kasse. Hier kann er sein Flair für Zahlen ausleben. Am meisten geniesst Jordi aber das, was die Tätigkeit beim Zirkus nebenbei mit sich bringt. «Ich kann viel Zeit mit meiner ­Familie verbringen.» Auch beim Arbeiten läuft man sich immer wieder über den Weg.

Tochter Jana ist im Kindergartenalter und besucht in diesem Jahr erstmals die Schule. Ihre beiden Mitschüler sind die Kinder der Familie Nock. Sie werden in einem speziell eingerichteten Wohnwagen unterrichtet. Und das grosse Zirkusgelände ist die Spielwiese zwischen den Unterrichtsstunden.

Halt in Niederbipp

Apropos Wohnwagen: Ein solcher ist in den nächsten Monaten das Zuhause der Jordis. Oder besser gesagt zwei Wohnwagen. «Einer ist zum Wohnen, der andere zum Schlafen», sagt Lorenz Jordi. Trotzdem: ein ziemlich grosser Unterschied zum 51/2 Zimmer grossen Reiheneinfamilienhaus, das Jordis in Oftringen bewohnen.

Ob die engen Verhältnisse irgendwann auf die Stimmung schlagen werden? Um das zu beurteilen, ist es noch zu früh: Jordis sind erst zwei Wochen auf Tour. Aber sie sind sich diese Art zu wohnen und zu reisen gewohnt. «Wir gehen of mit dem VW-Bus in die Ferien», so Jordi.

Die Reise wird sie in der kommenden Woche nach Niederbipp führen. Am Dienstag und am Mittwoch macht der Circus Nock einen Halt am Jurasüdfuss. Für Lorenz Jordi wird es der speziellste aller 53 Spielorte sein. «Mein Vater wohnt in Aarwangen. Ich bin mit der Region noch immer sehr verbunden.» Er hofft, dass er beim Gastspiel in der alten Heimat wieder das eine oder andere bekannte Gesicht sehen wird.

Circus Nock: 21. und 22. März,Gehrenacher, Niederbipp. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 18.03.2017, 10:29 Uhr

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