Ein Denkmal bleibt weiter ungenutzt

Aarwangen

In eine Stiftung überführen statt verkaufen: Das ist der Vorschlag, mit dem die Gruppe um Marcel ­Cavin dem Schloss gemeinsam mit dem Kanton neues Leben einhauchen möchte. Eine ­Lösung ist aber noch nicht in Sicht.

Ausgestorben: Seit dem Auszug des Regionalgerichts im Jahr 2012 steht das Schloss leer.

Ausgestorben: Seit dem Auszug des Regionalgerichts im Jahr 2012 steht das Schloss leer.

(Bild: Marcel Bieri)

Kathrin Holzer

Offiziell hat die Ideengruppe um Marcel Cavin den Ball vor mehr als drei Jahren zurück an den Kanton gegeben. Die Idee der Gruppe um den ehemaligen Gemeindepräsidenten von Aarwangen, im seit 2012 leer stehenden Schloss entweder ein Museum mit Archivalien der Burger- und Kirchgemeinden der Region zu schaffen oder aber ein Haus der Oberaargauer Wirtschaft aufzubauen, schien vom Tisch. Zu weit lagen die Vorstellungen von Kanton und Ideengruppe auseinander, was die Finanzierung betrifft.

Zwar war der Kanton ­bereit, vom auf 3,72 Millionen Franken festgelegten Verkaufs­richt­preis abzuweichen. 1,366 Millionen waren der Ideengruppe aber immer noch zu teuer. Zumal eine noch zu gründende Stiftung nach dem Kauf des Schlosses auch für dessen Renovation, Betrieb und Unterhalt hätte aufkommen müssen.

Ganz vom Tisch ist die Idee einer Nutzung als Museum oder als Haus der Wirtschaft nun aber offenbar doch noch nicht. Nachdem der Kanton noch immer keine andere Lösung für das Schloss gefunden hat, ist Cavin gemeinsam mit Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein und Historiker Simon Kuert 2016 erneut an diesen herangetreten.

Preis noch einmal gesenkt

Eine Einigung habe auch diesmal nicht erreicht werden können, so Cavin. Obgleich der Kanton den Preis noch einmal gesenkt habe auf nun noch 1,1 Millionen und zudem einen Teil der Renovationskosten übernehmen würde, bleibe ein Kauf für die Initianten zu teuer.

Stattdessen haben der ehemalige Obergerichtspräsident und seine Mitstreiter dem Kanton nun aber ihrerseits einen Vorschlag unterbreitet: «Wir wären weiterhin bereit, das Schloss zu übernehmen und eines der angedachten Projekte umzusetzen», sagt Cavin.

Allerdings müsse der Kanton das Schloss zu einem symbolischen Preis in eine Stiftung überführen und auch die Renovationskosten übernehmen. Nur dann sei es realistisch, dass die künftigen Betreiber – im Falle eines Museums die Stiftung und bei einem Haus der Wirtschaft die an diesem beteiligten Firmen – Betrieb und Unterhalt finanzieren könnten.

Zum Beispiel ein Traulokal

Eine Win-win-Situation wäre dies freilich nicht. Das ist Marcel Cavin bewusst. Der Vorschlag sehe daher auch eine Mitnutzung des Gebäudes durch den Kanton vor, erklärt er, als Traulokal beispielsweise. «So müsste der Kanton das Schloss nicht verkaufen.» Denn Kaufangebote liegen diesem aktuell keine vor.

Der Kanton sei weiter daran, «eine möglichst gute Nachnutzung für das Schloss zu suchen», liess das zuständige Amt für Grundstücke und Gebäude gestern auf Anfrage wissen. «Der Kanton Bern war grundsätzlich positiv eingestellt gegenüber den Vorschlägen der Ideengruppe Schloss Aarwangen. Das Projekt ist aber im Herbst 2016 aus fehlender Finanzierbarkeit gescheitert», schreibt das Amt. Immerhin: Laut Cavin will der Kanton die Mehrfachnutzung, wie sie die Ideengruppe vorgeschlagen hat, ebenfalls weiter prüfen.

Vorderhand hauchen dem altehrwürdigen Gebäude aus dem 13. Jahrhundert allerdings weiterhin nur vereinzelte Führungen hie und wieder etwas Leben ein. Eine solche steht am kommenden Sonntag an, wenn Marcel Cavin anlässlich des Europäischen Tages des Denkmals die lange Geschichte des Schlosses Aarwangen aufleben lässt.

Berner Zeitung

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