Drogenfabrik oder Forschungslabor in der Porzi?

Langenthal

In der ehemaligen Porzi in Langenthal ­baute er Hanf im grossen Stil an. Die Plantage habe er nur zu ­Versuchszwecken ­betrieben, versicherte der Schweizer vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau.

Mehrere Tausend Hanfpflanzen wurden bei der Aushebung der Anlage auf dem Porzi-Areal im Februar 2015 sichergestellt.

Mehrere Tausend Hanfpflanzen wurden bei der Aushebung der Anlage auf dem Porzi-Areal im Februar 2015 sichergestellt.

(Bild: zvg)

Johannes Hofstetter

Die Aktion warf damals Wellen weit über den Tatort hinaus: Am 11. Februar 2015 stürmten Polizisten in Kampfmontur ein Gebäude auf dem Areal der früheren Porzellanfabrik in Langenthal.

Darin fanden sie mehrere Tausend Hanfpflanzen mit einem schwindelerregenden THC-Gehalt von 11 Prozent (gesetzlich erlaubt ist ein Wirkstoffanteil von einem Prozent) plus zig Utensi­lien, die zum Indooranbau des Grünzeugs benötigt werden. Die Betreiber der Anlage – ein damals 40-jähriger Schweizer und sein 33-jähriger Schwager aus Slowenien – wurden in Untersuchungshaft gesetzt.

168 Kilo Blüten

Den Jüngeren der beiden Männer verurteilte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau im vergangenen Dezember zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Ältere, der nach wie vor hinter Gittern sitzt, muss sich seit Dienstag vor derselben Instanz verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm als Chef des Duos banden- und ­gewerbsmässige Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Mit den 168 Kilogramm hoch potenten Marihuanablüten, die bei der Razzia beschlagnahmt wurden, hätte er laut der Anklagebehörde einen Umsatz von bis zu 1,3 Millionen Franken erzielt.

Weil er seinen Verwandten aus Osteuropa ohne Bewilligung für sich arbeiten liess und dessen Lohnbeiträge nicht der Ausgleichskasse überwies, werden ihm darüber hinaus auch Widerhandlungen gegen das Ausländer- und das AHV-Gesetz zur Last gelegt. Die Anklägerin plädierte auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 40 Monaten und eine Geldstrafe von 6000 Franken.

Der Pflichtverteidiger empfahl dem in Dreierbesetzung tagenden Gericht, seinen Klienten zu 27 Monaten unbedingt zu verurteilen. Das Gericht spricht das Urteil am Mittwochnachmittag. Der Beschuldigte seinerseits gab sich wortkarg. Die Fragen von Gerichtspräsident Samuel Schmid beantwortete er in aller Kürze oder gar nicht.

Hells Angel auf Probe

Dieses Verhalten erstaunt wenig: Als Möchtegernmitglied der Hells Angels sind ihm staatliche Instanzen und bürgerliche Gepflogenheiten von Natur aus suspekt. Kooperationen mit Vertretern der Rechtspflege lehnen ­Angehörige und Sympathisanten dieses Clubs strikte ab.

Auf einen Punkt legte der mehrfache Vater dennoch Wert: Anders als in der Anklageschrift notiert, sei es ihm nie darum gegangen, Drogenhanf anzubauen, um ihn zu verkaufen. Die Räumlichkeiten hätten ihm vielmehr als «Versuchslabor» gedient, in dem er eine neue legale Hanfsorte habe züchten wollen.

Diese Pflanzen hätte er an Bauern verkaufen und später noch auf den Feldern zu Duftstoffen verarbeiten wollen, behauptete er.

Kein lukratives Geschäft

Mit diesem Konzept hätte er ­geschäftlich jedoch buchstäblich ins Gras gebissen, sagte sinngemäss ein Experte, den das Gericht aus der Innerschweiz nach Burgdorf fahren liess. Um eine legale Hanfpflanze heranzuzüchten, benötige man grob geschätzt zehn Jahre.

Wenn man die Auslagen für die Miete, die Infrastruktur, den Rohstoff und die Löhne addiere, komme man zum Schluss, dass ein Liter Hanföl am Ende weit über 10'000 Franken kosten müsste, damit er Gewinn abwerfe. So viel zu bezahlen, sei seines Wissens allerdings niemand bereit, gab der Fachmann zu Protokoll.

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