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Die unbekannte Bruder-Klaus-Kirche

Die katholische Kirche von Huttwil war die zweite, die dem Schweizer Nationalheiligen geweiht wurde. Dafür brauchte es eine Ausnahmebewilligung.

Die katholische Kirche Bruder Klaus in Huttwil.
Die katholische Kirche Bruder Klaus in Huttwil.
Thomas Peter

Niklaus von Flüe (1417–1487) galt in der Alten Eidgenossenschaft schon zu Lebzeiten als Heiliger. Doch bis dies auch von der katholischen Kirche in Rom anerkannt wurde, dauerte es lange. 1672 wurde er unter die Seligen auf­genommen, doch noch 1929 und 1935 scheiterten zwei Anläufe, ihn heiligsprechen zu lassen. Dies geschah erst 1947.

Nur mit Privileg

Als am 14. Mai 1939 die katholische Kirche in Huttwil geweiht wurde, war es deshalb nicht selbstverständlich, dass diese Niklaus von Flüe oder eben Bruder Klaus geweiht werden durfte. Denn auf den Namen eines Seligen dürfen Kirchen nicht geweiht werden, es sei denn, der Papst erteile dafür ein Privileg.

Aus der Berichterstattung zur Kirchenweihe in Huttwil geht zwar nicht hervor, dass um ein solches nachgesucht wurde. Doch auf der Website der Kirche Bruder Klaus in Zürich Unterstrass wird nachgezeichnet, wie dort vorgegangen wurde.

Ein erstes Gesuch des Bischofs von Chur führte nicht zum Ziel. Es bedurfte des Einsatzes ­aller Schweizer Bischöfe, bis das Privileg Anfang 1928 eintraf. Die Kirche in Zürich Unterstrass wurde die erste Bruder-Klaus-Kirche der Welt.

Eine eigene Kirche

Wie in Zürich war auch in Huttwil in dieser Zeit der Ruf nach einer eigenen Kirche für die Katholiken laut geworden, die sich immer zahlreicher im reformierten Huttwil niedergelassen hatten. Am 14. Mai 1939, also kurz bevor am 1. September jenes Jahres der Zweite Weltkrieg ausbrach, konnte sie geweiht werden.

Über den Bewilligungsprozess in der Kirchenhierarchie mag man zu Huttwil nichts vernehmen, warum die Wahl gerade auf Bruder Klaus fiel, wird in der Beilage der Huttwiler Regionalzeitung «Unter-Emmentaler» dagegen ausführlich begründet. Er sei «einer jener Männer, zu denen alle Eidgenossen, ohne Unterschied der Konfession und der Sprache, in Dankbarkeit und Verehrung aufschauen».

Vergleichbare Zeiten

Hingewiesen wird auch darauf, dass Niklaus von Flüe in einer Zeit lebte, die von politischen und sozialen Gegensätzen geprägt war, und dass er unter diesen Umständen das Stanser Verkommnis vermittelte, das die unterein­ander zerstrittenen Orte wieder vereinigte und versöhnte.

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges war die Bedrohungslage vergleichbar, wie aus der Beilage des «Unter-Emmentalers» spürbar wird: «Heute, wo alles um uns wankt und zittert, wo von Stunde auf Stunde Länder im Rachen anderer verschwinden, ist es höchste Zeit, sich wieder auf die eigene Schweizerart und das eigene Vaterland zu besinnen.

Jetzt, wo Wolken dräuen und Blitze zucken und die Donner rollen, lebt wieder alter urwüchsiger Schweizergeist auf.» Einer, der diesen Geist damals verkörperte, war «unser schweizerischer Landesvater, Bruder Klaus».

In den 1980er-Jahren genügte das Gotteshaus aus der Zwischenkriegszeit den Bedürfnissen jedoch nicht mehr und war baufällig geworden. Es musste einem Neubau weichen. Am 27. März 1983 wurde dieser ebenfalls Niklaus von Flüe geweiht.

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