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Die Überwindung der eigenen Grenzen

Die 21-jährige Johanna Kulke aus Roggwil spielt Geige und Klavier auf höchstem Niveau. Dadurch konnte sie bereits europaweit Konzerte spielen.

Johanna Kulke setzt voll auf die Musik.
Johanna Kulke setzt voll auf die Musik.
Christian Pfander

Wenn junge Musiker durch ihre Fähigkeiten auf sich aufmerksam machen, wird schnell das Etikett «talentiert» herangezogen. Dabei geht jedoch oft vergessen, dass sich jegliche natürliche Begabung ohne die entsprechende Erziehung und harte Arbeit kaum entfalten kann. Die Violinistin und Pianistin Johanna Kulke aus Roggwil gilt als vielversprechendes Nachwuchstalent – allerdings eines, das das Wort «Talent» im Gespräch kein einziges Mal erwähnt. Sie sei hingegen schon immer von ihren Eltern und Lehrern gefördert worden, so Kulke. Und: «Ich war schon früh sehr ambitioniert.»

Ihre Ambitionen haben sie weit getragen. Sie hat bei mehreren Musikwettbewerben Preise gewonnen, ist mit Orchestern als Solistin aufgetreten, ging mit dem prestigeträchtigen Gustav-Mahler-Jugendorchester auf eine europaweite Tour, unter anderem an die Elbphilharmonie Hamburg. Zudem schloss sie kürzlich ihren Bachelor an der Hochschule Luzern im Fach Geige mit der Höchstnote ab. Ein beeindruckender Leistungsausweis der 21-Jährigen.

Das Ziel noch nicht erreicht

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass sie beschlossen hat, voll auf die Musik zu setzen. «Ich sagte eigentlich immer, dass ich nicht Musikerin werden will», sagt Kulke und lacht. Der Weg schien jedoch vorgezeichnet: Die musikalische Früherziehung zu Hause, die raschen Fortschritte mit der Geige an der Musikschule, der ältere Bruder Jakob, der selber Musiker geworden ist und den sie als Vorbild bezeichnet. Nach dem Gymnasium entschied sie sich, es doch mal zu versuchen, und trat an der Hochschule zur Aufnahmeprüfung mit der Geige an.

«Es packte mich vor allem, als ich merkte, dass es immer weitergeht, dass ich das Ziel immer noch nicht erreicht hatte», sagt Kulke. Anstatt zwei spielte sie plötzlich bis zu acht Stunden Geige am Tag, daneben begann sie sich intensiver mit dem Klavier auseinanderzusetzen – eine Ergänzung, die ihr noch zusätzlichen Antrieb verschaffte, wie sie sagt: «Es gab immer mehr zu entdecken, und es machte immer mehr Spass.»

In den letzten zwei Jahren hat sie an der Hochschule nicht nur beide Instrumente als Hauptfächer studiert – wofür sie eine Spezialbewilligung einholen musste –, sondern hat an der Musikschule in Langenthal Klavierunterricht gegeben und mit mehreren Projekten Konzerte gegeben. Daneben hat sie auch mit der Komposition eigener Stücke begonnen. Für Kulke ist dieses Programm keine Belastung: «Ich mache sehr gern sehr viel, ich fühle mich davon beflügelt.»

Der Reiz der Klassik

Ihr Schaffensdrang bleibt nicht unbemerkt: Ihr Instagram-Account hat bereits 15'000 Abonnenten. «Offenbar gibt es einige Leute, die sich für meinen Beruf interessieren», so Kulke. Da der Onlinedienst vor allem eine junge Benutzergruppe anspricht, ist das für sie ein Zeichen, dass Klassik durchaus auch für Jüngere interessant ist. «Ich denke, klassische Musik wird unter Jugendlichen wieder populärer», sagt Kulke. Das sehe sie an den Jugendsinfonieorchestern, bei denen sie mitmacht, aber auch in der Musikschule Langenthal. Der Ansporn sei bei vielen Nachwuchsmusikern da, diese komplexe Musikrichtung zu meistern.

Ihr Ansporn ist es nun, die Geige perfekt zu beherrschen. Sie hat sich deshalb entschieden, ihren Master in diesem Fach zu belegen. Das sei keine Entscheidung gegen das Klavier, sondern eine für das Streichinstrument. «Wer weiss, vielleicht mache ich später noch einen zweiten Abschluss in Klavier», so Kulke. So oder so werde sie in diesem Tempo weitermachen, sie stehe ja mit einem Bein bereits in der Berufswelt. «Es macht immer Spass, weil ich nie von mir selber gebremst werde.»

Konzert mit Violine und Klavier: Johanna Kulke und Yuko Ito spielen am Sonntag um 17 Uhr in der reformierten Kirche Herzogenbuchsee.

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