Die Trockenheit fordert ihren Tribut

Oberaargau

Im Bipperamt plätschert nichts mehr, die Dorfbrunnen wurden abgestellt. Alles halb so schlimm, beruhigen die Verantwort­lichen. Sie weibeln aber für einen sorgfältigen Umgang mit dem Wasser.

Kein Wasser weit und breit: Wer dieser Tage durstig in Oberbipp unterwegs ist, muss sich anderswo behelfen.

Kein Wasser weit und breit: Wer dieser Tage durstig in Oberbipp unterwegs ist, muss sich anderswo behelfen.

(Bild: Daniel Fuchs)

Béatrice Beyeler

Die Schweiz ächzt seit Wochen unter der Hitze und der Tröckne, der Oberaargau macht da keine Ausnahme. In Nieder- und Oberbipp ist derzeit kaum noch fliessendes Wasser zu hören, das Blubbern der Abflüsse im öffentlichen Raum ist verstummt.

Informationsblätter zieren etliche der Dorfbrunnen. Darauf ist zu lesen, dass die Gemeinden beschlossen haben, die öffentlichen Brunnen mit Trinkwasser wegen der Trockenheit abzustellen. Wegen der anhaltenden Trockenheit habe der Wasserverbrauch stark zugenommen, der aktuelle Bedarf könne zu gewissen Zeiten nicht mehr gedeckt werden, wie die beiden Bipper Gemeinden auf ihren Websites schreiben.

Die Bewässerung von gemeindeeigenen Liegenschaften und Plätzen wird in den beiden Dörfern deshalb auf ein Minimum reduziert. Einzige Ausnahme: Das Hauptfeld des Fussballplatzes in Niederbipp wird weiterhin normal bewässert, damit teure Folgeschäden verhindert werden können.

Sowohl Ober- als auch Niederbipp rufen die Bevölkerung dazu auf, den privaten Wasserverbrauch einzuschränken und insbesondere auf das Waschen von Autos und Vorplätzen sowie das Bewässern von Rasenflächen zu verzichten. Landwirte und private Organisationen, die für die Bewässerung eigene Quellen nutzen, sind von diesem Aufruf ausgenommen.

Die Leute sensibilisieren

Wie ernst ist die Lage im Bipperamt tatsächlich? «Die Situation ist nicht besorgniserregend, die Wasserversorgung nicht gefährdet», betont Andrea Müller von der Wasserverbund Bipperamt (Wabi) AG. Mit dem Abstellen der Brunnen wolle man aber eine Vorbildfunktion einnehmen und die Menschen für die kostbare Ressource Wasser sensibilisieren. Zudem würden mit der Aktion allein in Niederbipp immerhin rund 150 000 Liter Wasser täglich eingespart.

«2011 war die Situation viel schlimmer, damals mussten wir uns ernsthaft Gedanken machen.»Oliver Schmidt, Geschäftsführer WUL

Die Mitgliedergemeinden der Wabi AG beziehen rund die Hälfte ihres Trinkwassers aus dem Grundwasserpumpwerk in Oensingen. Zudem verfügt Oberbipp über zwei eigene Quellen. «Wir können das Wasser untereinander verteilen und einander aushelfen», erklärt Andrea Müller. Das sei schliesslich Sinn und Zweck des Verbundes.

Auch beim Gemeindeverband Wasserversorgung untere Langete (WUL) ist die Situation trotz der andauernden Trockenheit noch entspannt. Im Referenzwerk Hard I liege der Wasserpegel zurzeit 31 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert für den Monat August.

«Das ist nicht sehr tief», sagt Geschäftsführer Oliver Schmidt. Den Vergleich zieht Schmidt mit Zahlen aus dem Jahr 2011, als es ebenfalls über längere Zeit kaum Niederschläge gegeben hat. «Damals lag der tiefste Wasserpegel bei 1,56 Metern unter dem langjährigen Mittel.»

Nicht das einzige Thema

Wegen des nicht allzu tiefen Wasserpegels seien beim WUL derzeit aber keine Konsequenzen geplant. «2011 war die Situation viel schlimmer, damals mussten wir uns ernsthaft Gedanken machen», erinnert sich Schmidt. So wurden damals als erste Stufe betriebliche Anpassungen geplant.

Das könnte etwa ein anderer Einsatz der zur Verfügung stehenden Grundwasserbezugsorte oder eine schonendere Förderung sein. Aber auch 2011 seien solche Massnahmen glücklicherweise nicht nötig geworden.

Im vergangenen Jahr habe sich der Pegel ständig im negativen Bereich bewegt, Werte über dem langjährigen Mittel seien damals gar nie erreicht worden. Im Gegensatz dazu lag der Pegel laut Oliver Schmidt in diesem Feb­ruar dank der Niederschläge 77 Zentimeter über dem Schnitt.

«Selbstverständlich ist das Grundwasser nicht das einzige Thema bei dieser Trockenheit», betont der Geschäftsführer des Gemeindeverbandes, «ein paar Tage Regen wären schon gut.»

Langenthaler Tagblatt

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