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Die Suche nach der Visitenkarte

Wie weiter nach dem Scheitern der Begegnungszone auf dem Brunnenplatz in Huttwil? Aus den Läden und Restaurants prallen unterschiedliche Erwartungen aufeinander.

Für Thomas Schenk von der Bäckerei Lienhart war die Begegnungszone weder Erfolg noch Misserfolg.
Für Thomas Schenk von der Bäckerei Lienhart war die Begegnungszone weder Erfolg noch Misserfolg.
Daniel Fuchs
Für Christina Büchi ist nur das neue Verkehrsregime am Brunnenplatz gescheitert.
Für Christina Büchi ist nur das neue Verkehrsregime am Brunnenplatz gescheitert.
Thomas Peter
Für Rita Birrer im Volg-Laden war der Wochenmarkt Konkurrenz, nicht Ergänzung.
Für Rita Birrer im Volg-Laden war der Wochenmarkt Konkurrenz, nicht Ergänzung.
Thomas Peter
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Von einer «funktionierenden Anarchie» spricht Christina Büchi im Zusammenhang mit dem Brunnenplatz, an dem ihre Boutique naturel liegt. Auch eine Seniorin mit dem Rollator könne diesen problemlos überqueren, weil die Autofahrer auf sie Rücksicht nehmen. Trotzdem ist sie nicht zufrieden mit der gegenwärtigen Situation. «Der Platz ist in die Jahre gekommen und erfüllt seine Aufgabe als zentraler Ort des Handels, der Begegnung und der Feste nicht mehr.»

Deshalb will Christina Büchi nun nach dem Entscheid des Gemeinderates zur Begegnungszone nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. «Das neue Verkehrsregime ist gescheitert, nicht die Idee, wie der Platz aufgewertet werden kann.»

Zurück zum Anfang

Auf deren Grundgedanken gelte es nun zurückzukommen, wenn der Platz saniert werde: die Parkplätze vom Brunnen weg vor die Häuserfronten zu verlegen. Denn darauf hätten sich die Detailhändler und Gastwirte rund um den Brunnenplatz geeinigt, und das sei auch in den Mitwirkungen auf breite Zustimmung gestossen. Mit diesem Vorschlag war Fahrt in eine jahrelang blockierte Sache gekommen. Die Variante «Weiter wie bisher» sei dagegen ebenso klar verworfen worden wie ein gänzlich autofreier Platz.

Vom neuen Verkehrsregime am stärksten betroffen war Thomas Schenk mit seiner Bäckerei Lienhart: Er verlor die Parkplätze direkt vor seinem Laden, kam dafür aber an die dadurch geschaffene Begegnungszone zu liegen. Er wolle weder von einem Erfolg noch von einem Misserfolg sprechen, hält er fest, habe allerdings eine deutliche Verlagerung gespürt: weg von den traditionellen Bäckereiwaren wie Brot, Snacks und Kleingebäck hin zum Kaffee.

Er gibt zudem zu bedenken, dass der Erfolg nur dank der Unterstützung der Gemeinde möglich und zudem das Wetter im letzten Sommer optimal gewesen sei – eine Grundvoraussetzung für jede Freiluftaktivität.

Nicht alle sehen das so positiv wie Thomas Schenk. Von einer Umsatzeinbusse von zwölf Prozent und einem Rückgang des durchschnittlichen Kundenfrankens von elf Prozent spricht Markus Minder von Caspar Minder Eisenwaren. Eine deutlich verschlechterte Umsatzsituation hat auch Rita Birrer vom Volg-Laden registriert.

Hier gewonnen, dort verloren

Auf positives Echo stiess weitgehend der zusätzliche Frischmarkt am Samstag. Doch auch diese Erfahrung teilt Rita Birrer nicht: Die Marktbesucher seien nicht zusätzlich angezogen worden, sondern ihrem Geschäft verloren gegangen. «Der Samstag entwickelte sich bei uns dadurch vom Tag mit dem besten Umsatz zu dem mit dem schlechtesten.»

Dazu seien die Kunden gekommen, die wegen der neuen und unerwarteten Verkehrssituation reklamiert hätten – etwas, was auch Bettina Jordi von der Benu-Apotheke beklagt. Sie gibt zu bedenken, dass ihre Kundschaft zum Teil nicht gut zu Fuss und deshalb auf einen verlässlichen Parkplatz in der Nähe des Ladens angewiesen sei.

Als Alternative zu einer Begegnungszone wird im Gespräch mit den Detaillisten und Gastwirten gleich mehrfach das «Pärkli» vor der Clientis Bank Oberaargau erwähnt. Wegen der engen Platzverhältnisse schliesst der Gemeinderat diese Möglichkeit aus. Mehrheitlich auf dieses ausgerichtet ist die Boutique Pura. Mitinhaber und -geschäftsführer Hans-Rudolf Mathys versteht diesen Ausschluss nicht. «Wir wollen dort selbst etwas machen und hoffen dabei eigentlich auf offene Ohren bei der Gemeinde.»

Christina Büchi ist derweil überzeugt, dass auch durch die Verlegung der Parkplätze rund um den Brunnen dort Freiräume entstehen, die Begegnungen ermöglichen und den Brunnenplatz wieder zur Visitenkarte von Huttwil machen können. Sogar Markus Minder, der «es eigentlich schön fände, wenn die Begegnungszone ein einmaliger Versuch bleibt», kann dieser Idee etwas abgewinnen.

Bedenken, ob dies funktioniert, hat hingegen Rolf Jordi vom Restaurant Pöstli. «Um dort eine Gartenwirtschaft zu betreiben, müsste Personal gesondert bereitgestellt werden.» Er lässt es deshalb lieber bei den zwei Parkplätzen vor dem Haus bewenden, die er jeweils ohne grossen Aufwand mit Stühlen und Tischen bestücken kann.

Mehr Besucher

Nur unweit des Brunnenplatzes hat Walter Rohrbach sein Büro, Gemeindepräsident (BDP) und Geschäftsführer des Verkehrsvereins Pro Regio. In beiden Funktionen beobachtet er die Entwicklung rund um den Brunnenplatz mit Sorge. Da sind die Aussagen der Stadtanalyse des Netzwerks Altstadt, die dem traditionellen Ortskern eine düstere Zukunft voraussagen, wenn der Neubau für Coop stehen wird und postulieren, es brauche dort etwas Neues, das Besucherfrequenzen generiert.

Eine attraktive Begegnungszone könnte das bieten, ist er als Geschäftsführer des Verkehrsvereins überzeugt. «Wenn man als Gast unterwegs ist, sucht man nicht den Coop, sondern das Zentrum – dieses ist deshalb die Visitenkarte», gibt er zu bedenken. «Und der Gast bleibt dort, wenn es ihm gefällt.»

Vollständige Stellungnahmen der Detaillisten/Gastwirte im Mitwirkungsbericht auf www.huttwil.ch

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