Die Spitze ist nach wie vor sehr dünn

Die Testesser von «Gault Millau» haben im Oberaargau und im Emmental Noten verteilt: Je zwei Restaurants haben einen Punkt gewonnen beziehungsweise einen verloren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gastgeberin Nadia Schenk, Küchenchef Marco Lau und Kevin Bracher, Service, die den Landgasthof Löwen in Heimiswil vor gut einem Jahr von Daniel Lüdi übernommen haben, sind auf dem Weg nach oben: Der Restaurantführer «Gault Millau» hat ihre Leistung neu mit 13 Punkten bewertet. «Ich bin megastolz auf die Leistung unseres ganzen Teams», sagte Kevin Bracher auf Anfrage.

Mit dem 13. Punkt hätten sie nicht gerechnet. Ihr Ziel sei es gewesen, 12 Punkte zu halten. Für das Löie-Team stehe nicht primär die «Gault Millau»-Bewertung im Zentrum, «sondern dass die Gäste mit unserer Leistung zufrieden sind». Für Bracher ist aber klar, dass der gewonnene Punkt motiviere, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzufahren. Bleibt die Frage, ob das erfolgreiche Trio, das kürzlich auch die Führung des Löwen in Fraubrunnen übernommen hat, auch dort Akzente setzen kann.

Wie nah Freud und Leid beieinanderliegen, hat Torsten Bolz vor einem Jahr erfahren. Er, der seit 2009 am Herd des Romantikhotels Bären in Dürrenroth steht, musste den Verlust des 14. Punktes hinnehmen. Sein Versprechen, er werde zusammen mit seinem Team um den Wiederaufstieg kämpfen, hat Bolz wahr gemacht. Die «Gault Millau»-Testesser bewerten die Leistung in Küche und Service wieder mit 14 Punkten.

Der Küchenchef reagierte mit Freude auf die Nachricht. Zu gefallen wusste den Juroren nicht nur die Leistung am Herd: «Die Weinbegleitung war zu den einzelnen Gängen geschickt assortiert; sie setzte vor allem auf das Schaffen junger Schweizer Winzer.»

Erstmals dabei

Grund zur Freude dürfen auch Rolf Gut und Daniela Faraci haben. Mit ihrem Restaurant La Rôtisseria in Utzenstorf sind sie mit 12 Punkten erstmals im «Gault Millau» vertreten. Gut, der vor drei Jahren das Restaurant Sitar übernommen und zu einem schicken Lokal umgestaltet hat, bietet laut dem Gourmetführer «eine klassisch französische, mediterran angehauchte Küche». Infolge Ferienabwesenheit war Rolf Gut für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Schonungslose Kritik

«Sehr überrascht» zeigte sich Heidi Soltermann vom Restaurant Zum Goldenen Löwen in Langnau von der Nachricht, dass ihr Traditionshaus von 15 auf 14 Punkte zurückgestuft wurde. Diese Benotung erstaune, zumal sie von ihren Gästen «sehr viele Komplimente für ihre kreative Küche» erhielten. Über viele Jahre hätten sie 15 Punkte halten können. «Der verlorene Punkt ist nicht der Weltuntergang», sagte Heidi Soltermann, «aber unser Küchenteam wird sehr enttäuscht sein.»

Gemäss den Worten der Kritiker lagen bei deren Besuch Licht und Schatten nahe beieinander. «Wohl von einem anderen Stern kam die Bärlauch-Rahmsuppe mit Belper Knolle und sautierter Riesencrevette – tadellose Zutaten und ein himmlischer Geschmack.» Doch dann ist ebenso zu lesen: «Auf den harten Boden der Realität zurück holte uns die gebratene Lachs­forelle: Sie war weder knusprig noch richtig gewürzt und lag ziemlich verloren auf ein paar Spargeln; wenigstens schmeckte die altbackene Orangen-Hollandaise dazu gut.»

Einen Punkt verloren hat ebenso der Landgasthof Bären in Madiswil mit dem neuen Wirtepaar Michèle und Martin Binnemann-Pieren. Die Bewertung des jetzt noch 13-Punkte-Lokals im aktuellen «Gault Millau» ist für den Betrieb nicht vorteilhaft: «Auf der Karte von Patrick Pfister steht nichts, was der erfahrene Hausmann oder die ambitionierte Hobbyköchin nicht auch auf den Tisch bringen könnte.»

Auch sonst hielten die Testesser nicht viel von der Küche des langjährigen Bärenkochs. «Das tut weh», sagte Pfister in einer ersten Reaktion. Er sei sicher, dass sein Team nicht schlechter koche als vor einem Jahr. «Im Gegenteil: Ich denke, wir sind eher besser geworden.» Kritik könne man immer anbringen, aber so wie im aktuellen Gastroführer sei sie nicht angemessen, findet Pfister. Er ist überzeugt, dass die Gäste nicht bloss im Bären speisen, weil er im «Gault Millau» drin ist, «sondern weil es ihnen bei uns gefällt». Ob es nach einer solchen Bewertung für den Bären noch Sinn macht, im Gastroführer mitzumachen, fragt sich auch Pfister. Das müsse die Geschäftsleitung nun im Detail anschauen.

Vergeblich sucht man in der «Gault Millau»-Ausgabe 2019 nach dem Gasthof Bären in Langnau. Schnell hatte sich die Crew um Kevin Wüthrich die 13 Punkte erkocht, doch schnell war das Team leider wieder verschwunden. Grund dafür war, dass die ­inzwischen liquidierte Essen und Kunst bei Bären GmbH den Pachtvertrag aufgelöst hatte.

Zwei einsam an der Spitze

In einer eigenen Liga spielen im Oberaargau Nik Gygax vom Landgasthof Löwen in Thörigen und Werner Schürch, der in seinem Emmenhof in Burgdorf in der Küche wirkt. Mit 18 Punkten steht Gygax seit vielen Jahren an der Spitze der Berner Köche. Schürch ist ebenfalls seit langem mit 17 «Gault Millau»-Punkten der beste Koch im Emmental. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.10.2018, 21:48 Uhr

Artikel zum Thema

«Es sind viele Amateure am Werk»

Christian Seiler, Gastrokolumnist beim Magazin, über die Bedeutung des Gault Millau, abschreckendes Ambiente und subjektive Gastrokritiken. Mehr...

Drei Stadtberner Köche holen 16 Punkte

Bern Unter den 15 Stadtberner Restaurants, die vom «Gault Millau» ausgezeichnet wurden, gibt es drei Neueinsteiger. Mehr...

Gault Millau – das sind die besten Restaurants im Kanton

Im Kanton Bern gibt es 92 Punkterestaurants, drei davon mit 18 Punkten. Nebst Nik Gygax in Thörigen und Robert Speth mit seiner Chesery in Gstaad hat ein dritter Koch es in diese Liga geschafft. Mehr...

Kommentare

Blogs

Politblog Bomben im Bundeshaus

Von Kopf bis Fuss Darum sind probiotische Produkte oft unwirksam

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Was guckst du? Ein Kind spielt am Strand von Sydney, wo die aufblasbare Skulptur «Damien Hirst Looking For Sharks» des Künstlerduos Danger Dave und Christian Rager installiert ist. Sie ist Teil der Ausstellung Sculpture by the Sea. (19. Oktober 2018)
(Bild: Peter Parks) Mehr...