Die Rollen sind klar verteilt

Handball

Rotweiss Thun und der HV Herzogenbuchsee gehören auch diese Saison zur höchsten Frauenliga. Die Trainer Peter Bachmann und Beat Flury äussern sich vor dem Auftakt zu ihrem Team, den Gegner und sagen, wie der Stellenwert der Sportart erhöht werden kann.

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Reto Pfister
Peter Berger@PeterBerger67

Wie stufen Sie Ihr Team im ­Vergleich zum Vorjahr ein?

Peter Bachmann, Cheftrainer Rotweiss Thun: Wir haben zwar ein paar Abgänge gehabt, dafür im Rückraum keine Wechsel. Die grosse Frage ist, ob wir von Verletzungen verschont bleiben. Wenn alle elf Feldspielerinnen gesund sind, haben wir Chancen Richtung Spitze, wenn nicht, wird es eng.

Beat Flury, Cheftrainer HV Herzogenbuchsee: Wir haben keine arrivierten Spielerinnen neu verpflichtet, sind aber dennoch nicht schlechter geworden. Wir haben gute junge Akteurinnen aus den eigenen Reihen, die wir einbauen können.

Wie lauten die Saisonziele?

Peter Bachmann: Das höchste Ziel ist die Gesundheit und die Athletik der Spielerinnen. Ich bin kein Freund davon, schon im August zu sagen, was wir im März, April erreichen sollen. Wir wollen im ersten Spiel Yellow ­Winterthur bezwingen und natürlich wieder in die Finalrunde.

Beat Flury: Wir wollen nicht schwächer sein als in der letzten Saison. Das Ziel ist der 5. Platz, das heisst der Sieg in der Abstiegsrunde. Die Finalrunde der besten 4 ist für uns hingegen nur schwer zu erreichen.

Welche Rolle trauen Sie dem ­anderen Berner Team zu?

Peter Bachmann: Ich glaube, Herzogenbuchsee kommt nicht in Abstiegsgefahr. Ich ­sehe die Oberaargauerinnen oder Amicitia auf Platz 6.

Beat Flury: Rotweiss wird wieder unter den ersten 4 vertreten sein.

Hätten Sie gerne noch eine ­Spielerin von diesem Team in Ihrem Kader?

Peter Bachmann: Wenn es so wäre, würde ich es nicht verraten.

Beat Flury: Die rechte Flügelspielerin Selina Lorenz könnte ich mir bei uns vorstellen. Bei uns sind beide Linkshänderinnen auf dieser Position ­zurückgetreten, wir spielen jetzt mit Rechtshänderinnen auf der eigentlich für sie falschen Seite.

In der Regel wechseln Spielerinnen von Herzogenbuchsee nach Thun, widerspiegelt das die ­Hierarchie?

Peter Bachmann: Emilia Eberhart kam zu uns, weil sie sich verbessern wollte, und hat sich bereits sehr gut eingelebt. Rotweiss ist im Bereich Leistungssport besser, das haben wir uns erarbeitet. Vor Buchsis Juniorenbewegung habe ich jedoch grossen Respekt.

Beat Flury: Rotweiss war bis jetzt immer besser als wir. Die Spielerinnen, die wechseln, suchen eine neue Herausforderung, andere Perspektiven.

Sind zwei Berner Teams in der NLA überhaupt vertretbar?

Peter Bachmann: Für mich ist das überhaupt kein Problem. Ich erachte die Begeg­nungen auch nicht als Derby, schliesslich liegt Nottwil näher bei Herzogenbuchsee als Thun.

Beat Flury: Wir sind auch in den Aargau oder Richtung Basel ausgerichtet. Im Raum Bern kommt man einander manchmal schon ins Gehege. Die Konkurrenzsituation hat aber auch ihre guten Seiten, und wir arbeiten mit vielen Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs.

Wie kann man den Frauen-Handball noch populärer machen?

Peter Bachmann: Das Männernationalteam ist das Flaggschiff, aber die Frauen machen Fortschritte. Qualifizieren sie sich einmal für eine EM, steigt der Marktwert. Die Frauen verdienen weniger, ihr Herzblut ist aber gleich gross. Auch der Aufwand ist identisch: Ich trainiere mit Rotweiss viermal pro Woche – nur einmal weniger als Wacker.

Beat Flury: Wie bei vielen Sportarten hängt vieles vom Erfolg des Nationalteams ab. Kann es sich für eine EM oder WM qualifizieren, steigt das Interesse der Öffentlichkeit am Frauen-Handball automatisch an. Es ist daher zu begrüssen, dass vermehrt Spielerinnen nach Deutschland oder Dänemark wechseln.

Berner Zeitung

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