Die Feier ist nicht viel anders als in Afghanistan

Riedtwil

Die Flüchtlinge Rahimi und ­Ibrahim verbringen dieses Jahr zum zweiten Mal den 1. August in der Schweiz. Die beiden freuen sich auf das Fest in Riedtwil, denn sie fühlen sich ihrer neuen Heimat ­zugehörig. Und sie mögen Feuerwerk.

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Etwas unsicher, aber motiviert folgen die beiden jungen Afghanen Rahimi und Ibrahim den Anweisungen von Jonathan Spörri. Ein Tisch muss aus dem Weg geräumt werden, dann werden die Gartenstühle gereinigt und Dekoration aufgehängt. Denn bereits am nächsten Tag werden zwischen 80 und 150 Personen im Garten der Familie Spörri in Riedtwil zusammensitzen, essen, singen und feiern.

Das «1.-August-Fest mit Freunden» wird von den Spörris jedes Jahr veranstaltet. Eingeladen sind jeweils Freunde, Bekannte und Menschen, die Interesse an ihrer Organisation ­I-DN» haben oder dort mitwirken. Die christliche Organisation engagiert sich an verschiedenen Orten der Welt.

Besser kennen lernen

«Wenn wir zu unserer 1.-August-Feier einladen, kommt meist einiges an verschiedenen Nationen zusammen», sagt Jonathan Spörri. Er und seine Frau Elisa sind beide ausserhalb der Schweiz aufgewachsen. Auch dadurch haben sie Verbindungen zu den unterschiedlichsten Kulturen. Dass sich diese verschiedenen Menschen in einem offenen Rahmen besser kennen lernen können, ist nebst dem Schweizer Nationalfeiertag die wichtigste Motivation für das Paar, die Feier auszurichten. Für alle, die kein Schweinefleisch essen, haben die Spörris Poulet organisiert, für die anderen gibts – typisch schweizerisch – Cervelat.

Am liebsten einbürgern

Im Rahmen des gemeinnützigen Beschäftigungsprogramms Gebepro des Kantons Bern haben ihnen dieses Jahr nun insgesamt fünf Asylsuchende bei den Vorbereitungen für das Fest geholfen. Die beiden jungen Männer, die am 31. Juli im Garten des Hauses in Riedtwil aufräumen, putzen und dekorieren, freuen sich auf die Feier, an der natürlich auch alle Helfer teilnehmen werden. Rahimi und Ibrahim sind beide seit etwa eineinhalb Jahren in der Schweiz und derzeit im Asylzentrum Niederbipp untergebracht.

Richtig gut Deutsch sprechen sie beide noch nicht, obwohl sie einen Kurs besuchen. Trotzdem sehen sie die Schweiz je länger, desto mehr als ihre Heimat an. Afghanistan sei vor allem die Heimat ihrer Eltern. Natürlich sei es traurig, wenn man sein Zuhause verlassen müsse, denn ein Zuhause sei sehr wichtig. Aber in Afghanistan gebe es viele Probleme, die sie zum Verlassen des Landes gezwungen hätten, sagen die beiden. Für die Schweiz hätten sie sich bereits vor der Flucht aus Afghanistan bewusst entschieden.

«Natürlich ist es traurig, wenn man sein Zuhause verlassen muss, denn ein Zuhause ist sehr wichtig.»Rahimi und IbrahimFlüchtlinge aus Afghanistan

Trotzdem finden die beiden, dass ein Land erst richtig zur Heimat werde, wenn man einen Pass besitze. Entsprechend würden sie sich gerne in der Schweiz einbürgern lassen und hier eine Ausbildung machen. Am liebsten als Kleiderverkäufer, auch darin sind sich die beiden einig. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Erst einmal bleibt es dabei, unter rot-weissen Fähnchen und Lampions den Schweizer Nationalfeiertag zu feiern. Und wenn die Festgesellschaft die Schweizer Nationalhymne anstimmt, wollen sie probieren, mitzusingen.

Auch in Afghanistan habe es jeweils am Nationalfeiertag, dort der 19. August, ein grosses Fest gegeben. Gefeiert wird die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, die am 19. August 1919 erlangt wurde. Dieser Tag sei immer sehr schön gewesen, sagt Rahimi, das vermisse er. Aber so viel anders seien die Feierlichkeiten dort nicht: In Afghanistan bestehe die Feier darin, mit der Familie zusammenzusitzen, gut zu essen und zusammen Musik zu machen – ähnlich wie hier. Nur das Feuerwerk fehle.

Das sei schade, darin sind sich die beiden einig, denn so ein Feuerwerk sei «sehr schön». Letztes Jahr hätten sie noch in einer anderen Asylunterkunft gewohnt und seien am 1. August ein grosses Feuerwerk schauen gegangen. Nun hoffen sie, auch am diesjährigen Geburtstag der Schweiz einiges an Feuerwerk zu sehen.

Berner Zeitung

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