Thunstetten

Die Farben eines Verliebten

ThunstettenIm Schloss Thunstetten sind seit Dezember die Restauratoren am Werk. Wegen des schlechten Zustands lässt die Stiftung vier Räume sanieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Schloss Thunstetten ist seit Wochen schon nur noch beschränkt nutzbar. Grund: Seit Anfang Dezember laufen in insgesamt vier Räumen, darunter auch im Festsaal, Sanierungsarbeiten. Auslöser hierfür sei der schlechte Zustand der Oberflächen gewesen, erklärt Andreas Bandi, Präsident des Stiftungs­rates.

Dieser hätte sie nun zum Handeln gezwungen. Dabei stehen vor allem Erhaltungsmassnahmen im Vordergrund. In einem der Zimmer, dem Salon auf der Südseite, war der Zustand aber derart desolat, dass sich die Stiftung in Absprache mit der Denkmalpflege dazu entschieden hat, dort die ursprüngliche Fassung von 1715 hervorzuholen.

Mit dem Heissluftföhn

Jene Arbeiten im Salon bilden den Abschluss der Sanierung und sind noch bis Ende April in vollem Gange. Um den Raum in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen, müssen die Restauratoren insgesamt vier Schichten Farbe abtragen. Dabei gelte es dem alten Holz Sorge zu tragen, was den Reiz und zugleich den Charme der Arbeit ausmache, erklärt Restaurator Walter Ochsner.

Einfach mit einem Lösungsmittel könnten er und sein Kollege Roland von Gunten daher nicht arbeiten. «Das ist nicht erlaubt.» Die vier Schichten Farbe, die über dem Original liegen, müssen sie stattdessen in langwieriger Arbeit mit dem Heissluftföhn erwärmen und anschliessend abziehen. Säckeweise Farbe hätten sie auf diese Weise abgetragen, erzählt Ochsner.

Farblich bedeutet die Rückkehr zur Fassung, wie sie einst der Erbauer des Schlosses, Hieronymus von Erlach (1667–1748), ausgewählt hat, ein Wechsel von Beige zu Rot-Gold. Dies sei eine ganz spezielle Farbgebung, merkt Walter Ochsner an. Er lacht. Hieronymus sei halt verliebt gewesen, als er das Schloss habe erbauen lassen.

«Zustand besorgniserregend»

Überrascht worden, sagt Andreas Bandi, sei man vor allem vom Zustand der Bilder. In den Räumen gibt es fünf Decken- sowie zwei Wandbilder. «Ihr Zustand ist teils besorgniserregend», so Bandi. Gewusst habe man davon nichts. Schliesslich habe die Stiftung noch vor rund sieben bis acht Jahren von den Experten gesagt bekommen, dass die Bilder gut erhalten seien.

Nun kommt aber an einigen Stellen bereits die Leinwand zum Vorschein. «Sobald die Farbe ausbricht, ist Not am Mann», sagt Walter Ochsner. Er wird deshalb nun an den ­Bildern Notsicherungsmassnahmen vornehmen. Die Restaurierung, deren Kosten auf rund 500 000 Franken geschätzt werden, soll laut Stiftungsratsmitglied Thomas Maurer (Ressort Bauliches) zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Für die Sanierung aller Räume, inklusive der Sicherung der Bilder, sind Kosten von 270'000 Franken einberechnet. Es ist dies die erste von mehreren Sanierungsetappen im Schloss Thun­stetten. Die Stiftung, die hauptsächlich durch den Lotteriefonds finanziert wird, hat einen Investitionsplan für die Jahre 2015 bis 2019 erstellt.

Für Sanierungen während dieses Zeitraums steht ihr ein Rahmenkredit von 850'000 Franken zur Verfügung. Wobei alle Investitionen den Zweck hätten, das Auswachsen der Schäden zu verhindern, sagt Andreas Bandi. Der nächste Schritt sieht die Sanierung der Aussenwand eines Schlossflügels vor.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 07.03.2016, 08:34 Uhr

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

Gartenblog Giessen, giessen, giessen

Echt jetzt? Besoffene Filmstars

Die Welt in Bildern

Ungewohnte Besetzung: Ein japanisches Alphornquartett nach seinem Auftritt am internationalen Alphornfestival in Nendaz. (23. Juli 2017)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...