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Die Burger sind immer noch durstig

Die Burger­gemeinde Langenthal feiert im Choufhüsi 150 Jahre Ausscheidungsvertrag. Was damals kein Grund zur Freude war für die Burger, ist es heute umso mehr.

Fast wie anno ­dazumal: Auszahlung des Burgernutzens im Choufhüsi.
Fast wie anno ­dazumal: Auszahlung des Burgernutzens im Choufhüsi.
Olaf Nörrenberg

Lange hat sich Marc Howald diesen Moment herbeigesehnt: Jetzt steht er im Treppenhaus des Choufhüsi an einem kleinen Podium und strahlt in die Runde. Die Burgergemeinde Langenthal veranstaltet ihren ersten Anlass im Jubiläumsjahr, und Burgerratspräsident Howald sagt: «Mir chribelets gwaltig.» Viele sind gekommen. Burger, Nichtburger, Gäste von auswärts, der gesamte Langenthaler Gemeinderat sowieso, auch der ehemalige Stapi Thomas Rufener und sein Nachfolger Reto Müller. Sie haben sich auf der Treppe und den zwei Stöcken des Kunsthauses versammelt und lauschen andächtig.

Vier Anlässe hat die Burger­gemeinde durchs Jubiläumsjahr hinweg geplant. Neben der offiziellen Ansprache und Buchvernissage noch je eine Veranstaltung im Mai, September und November. «Es ist uns ein Anliegen, die Burgergemeinde über längere Zeit nach aussen zu präsentieren», sagt Howald. Denn gerade jungen Leuten dürfte heute nicht ganz klar sein, was eine Burgergemeinde überhaupt ist und was sie tut. Diese Fragen beantwortet an der kurzen Vernissage des Burgergemeinde-Jubiläumsbuches «Jahreszeiten» nun Stadtchronist Simon Kuert – immer noch im Treppenhaus stehend.

Wein vom Bielersee

Schon vor 404 Jahren hätten die Langenthaler gefeiert, an der Einweihung des ersten Chouf­hüsi, weiss der Stadtchronist. Der Pintenwirtschaft von 1614 war es damals nur erlaubt, Wein auszuschenken. Dies hatte der Abt vom Kloster Sankt Urban so verordnet. Er witterte wohl das grosse Geschäft, denn gemäss Überlie­ferungen seien Langenthaler damals als durstige Menschen bekannt gewesen. Zu trinken gab es Wein von den klostereigenen Rebbergen am Bielersee. Und auch heute, 2017, wird beim Jubiläum wieder Wein von ebendieser Gegend ausgeschenkt: Burgerwein.

Vor dem Apéro holt Simon ­Kuert in gewohnter Manier aus, erzählt vom Bewirtschaften der Matten und Wälder, von sozialen Spannungen mit Neuankömmlingen und Oberaargauer Burgeraufständen gegen das mächtige Bern. «Stossen wir an auf unser Langenthal», sagt Kuert, und vergisst dabei nicht an jene Werte zu appellieren, die damals schon gegolten hätten bei den Burgern: Freiheit, Verantwortung, Gleichheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Der Wald ist von jeher wichtiger Bestandteil der Burgergemeinde. Bild: Markus Gaberell/zvg
Der Wald ist von jeher wichtiger Bestandteil der Burgergemeinde. Bild: Markus Gaberell/zvg

Historischer Zahltag

Wenig später in einer ruhigen ­Minute wird der Stadtchronist sagen, dass er die Inhalte des Jubiläumsbuchs zusammengestellt hatte, während er das Langenthaler Burgerarchiv reorganisierte. Kuert zeigt die Publikation zum Ausscheidungsvertrag von damals, 75 Druckseiten in alter Schrift, veröffentlicht 1875, 8 Jahre nach Inkrafttreten des Vertrags.

Früher noch hatte das Burgerarchiv im Choufhüsi Platz gefunden, mittlerweile ist es in den Kellerbereich der Stadtverwaltung umgezogen, zusammen mit der Verwaltung der Burgergemeinde. Dort wird heute in den ersten Januartagen jeweils auch der Burgernutzen ausbezahlt. An diesem feierlichen Samstag jedoch dürfen alle Burger ab dem 24. Altersjahr ihren Beitrag für einmal wieder am alten Verwaltungsstandort im Choufhüsi beziehen.

Noch läuft drinnen der Apéro. Dann, Punkt 16 Uhr, öffnet sich die schwere Eingangstür, und noch mehr Burgerinnen und Burger strömen herein. Für sie alle gibt es den jährlichen Burger­nutzen, 100 Franken, bar auf die Hand. Geduldig stehen die Männer und Frauen an, um sich ein­zuschreiben. Und irgendwie hat diese Szenerie, im Treppenhaus des Choufhüsi, etwas Historisches.

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