Die «Bipperlisi» feiert Geburtstag

Am Dienstag ist es genau hundert Jahre her, dass die Bahnlinie von Niederbipp nach Solothurn Baseltor eröffnet wurde. Bis zu ihrer Fertigstellung hatte diese mehrere Hürden nehmen müssen.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts grassierte vielerorts in der Schweiz das Bahnfieber. Deshalb erstaunt es wenig, dass die Anfrage eines Ende 1904 gegründeten Konsortiums bezüglich einer Konzession für eine elektrische Strassenbahn mit Meterspur von Niederbipp nach Solothurn bei beiden betroffenen Kantonen Bern und Solothurn Gehör fand.

Allerdings nicht ohne Nebengeräusche, wie den Geschichtsbüchern zu entnehmen ist.

Laut René Stamm und Claude Jeanmaire (Oberaargauer Schmalspurbahnen) war der Kostenteiler hierbei der Hauptstreitpunkt.

Denn Profiteure waren in erster Linie die Solothurner, also sollten diese auch den Hauptteil tragen. Laut Johann Mathys (50 Jahre Solo­thurn-Niederbipp-Bahn, «Jahrbuch des Oberaargaus 1968») gab es ausserdem die Befürchtung der bernischen Behörden, die Bevölkerung des Bipperamtes könnten infolge des Bahnprojektes in einen anderen Kantonsteil umziehen.

Unfall: Einem Fahrgast wurde der Fuss abgetrennt

Die Zustimmung lag zwar 1906 von beiden Kantonen vor, eine Einigung kam jedoch erst am 31. August 1912 zustande. Die finanziellen Probleme sowie der Erste Weltkrieg und seine Folgen verlängerten die Fertigstellung des Projekts dann noch einmal um einige Jahre.

Erst 1917 traf mit grosser Verspätung das rest­liche Obermaterial ein, sodass die Strecke fertiggebaut und schliesslich am 9. Januar 1918 dem Betrieb übergeben werden konnte. Die «Bipperlisi» genannte Solothurn-Niederpipp-Bahn (SNB) war geboren.

Das heisst jedoch nicht, dass bereits alle Bauarbeiten abgeschlossen waren. Und auch von einem schlimmen Unfall wurde die Bahn im ersten Betriebsmonat nicht verschont:

Einem Fahrgast wurde ein Fuss abgetrennt, als er auf den Wagen aufzuspringen versuchte. Auch auf den Anschluss an den Bahnhof in Solothurn musste bis 1925 verzichtet werden, da die Armee keine Truppen mehr zu Verfügung stellen konnte, um die dazu nötige Aarebrücke zu erstellen.

Angestellte fühlten sich nicht zusammengehörend

Dass selbst beim Zugpersonal nicht alles rund lief, davon kann Ernst Hirschi ein Lied singen. «Die Lokführer der SNB wollten lange nicht, dass wir als Mitarbeitende der bereits seit 1907 bestehenden Langenthal-Jura-Bahn bis nach Solothurn fuhren. Das sei ihr Gebiet, befanden sie, sodass wir die Wagen in Niederbipp übergeben mussten», erzählt der 68-jährige Lokführer.

Denn obwohl sich die verschiedenen Regionalbahnen Ende der 50er-Jahre zusammengeschlossen hatten und eine Betriebsgemeinschaft mit ein und derselben Direktion bestand, fühlten sich die Angestellten viele Jahre lang nicht zusammengehörend. «Die Bahnen wurden durch zwei verschiedene Verwaltungsräte geführt», nennt Hirschi einen der Gründe.

Der noch immer in einem Teilpensum aktive Lokomotivführer der heutigen Betreiberin Aare Seeland mobil erinnert sich hingegen gerne an die Zeit zurück, als der Kontakt zu den Fahrgästen noch gross war. «Diese stiegen alle bei uns vorne ein, um ein Billett zu lösen. Man sah, mit wem man es zu tun hatte», so Hirschi.

Als Ausflugsbahn angepriesen

Dass die SNB nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Ausflugsbahn angepriesen wurde, zeigt der Text im «Führer durch das Bipperamt» aus dem Jahr 1917.

Dort wird die zukünftige Bahnstrecke und deren schöne Aussicht gerühmt, etwa wenn es nach dem Beschrieb von Wiedlisbach heisst: «Das Geleise führt weiter über Weiher- und Riedmatten und quert das von Nord nach Süd sich erstreckende Dorf Oberbipp und benutzt noch mal auf kurzer Strecke beim «Buchli» die Landstrasse.

Das letzte Stück verläuft in fruchtbarem Wies- und Ackergelände der Gemeinde Niederbipp und mündet mit der Langenthal-Jura-Bahn in den Bahnhof der S. B. B.-Station Niederbipp ein.» So viel hat sich eigentlich gar nicht verändert.

Das Jubiläumsfest findet am 28. April mit einem Publikumsanlass in Niederbipp statt.

Langenthaler Tagblatt

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