Die Aussichten sind verlockend

Langenthal

Wie soll sich das Porzi-Areal entwickeln? Ideen liefert eine ehemalige Industriebrache in Winterthur. Der Porzi-Verein hat diese besucht und ist begeistert.

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Das Grüpplein von etwa fünfzehn Nasen sammelt sich unter dem Vordach dieses kleinen Cafés, das einmal ein Pförtnerhaus gewesen ist. Hier öffnete früher der Pförtner das Tor zum Sulzer-Areal. Wenn er abends das Schloss vorhängte, war der Durchgang zu. Ungeachtet dessen, ob sich drinnen noch Leute befanden. Das Pförtnerhaus steht eingangs eines Areals, das sich entlang der Bahngleise über 20 Hektaren erstreckt. Sein Bekanntheitsgrad geht aber weit darüber hinaus.

Das ehemalige Sulzer-Gelände hat sich einen neuen Namen gemacht. Es ist ein Vorzeigeprojekt, verwandelte sich die verlassene Industriebrache doch in ein begehrtes Viertel mit Restaurants, Boutiquen, Ateliers und Lernstätten für angehende Architekten. Der Lagerplatz, wie das Areal heute heisst, ist, was das Langenthaler Porzi-Areal dereinst sein könnte. Deshalb ist dieses Grüpplein hier, an diesem windigen und verregneten Nachmittag.

Den Austausch vorantreiben

Um Entwicklungsmöglichkeiten kennen zu lernen, hat der Porzi-Verein eine Bildungsreise nach Winterthur organisiert. Mit dabei sind etwa Vereinspräsident Tinu Spotti und sein Vize, Adrian Berchtold. Aber da sind auch Filmemacher Markus Heiniger oder Gemeinderat Matthias Wüthrich (GL). Weitere Gäste sind Manuel Alberati, Co-Projektleiter bei der Duksch-Anliker-Gruppe, der neuen Besitzerin des Porzi-Areals, und sein Assistent.

Für ihn sei es wichtig, den gemeinsamen Austausch voranzutreiben, sagt Alberati. Denn beim Porzi-Areal gebe es viele Parteien zu berücksichtigen, beispiels­weise auch die Denkmalpflege. «Es ist ein hochspannendes Projekt.» Da die Geschichte der Porzi eng mit derjenigen der Stadt verknüpft sei, sieht es Alberati als Vorteil, dass das Areal nun mit Stephan Anliker einen einheimischen Besitzer hat.

Areal entwickelt sich positiv

Besonderes Interesse an der Zukunft des Porzi-Areals haben ­natürlich die einzelnen Mieter. Für sie hätte es idealer nicht sein können, ist der Lagerplatz-Führer auch ein langjähriger Nutzer des Areals. Unter der Wollmütze und hinter dem Dreitagebart versteckt sich Ivan Engler, Filmemacher und Fotokünstler. Der Winterthurer produzierte vor acht Jahren mit «Cargo» den ersten Schweizer Science-Fiction-Film. Auf dem Rundgang entlang der braunen Backsteingebäude zeigt er, wie sich das Areal nach der Übernahme der Stiftung Abendrot für die meisten Mieter positiv entwickelt hat.

Die nachhaltige Pensionskasse aus Basel liess den Kreativen auf dem Gelände, das demjenigen der Porzi zuweilen verblüffend ähnlich sieht, viele Freiheiten. So hat sich etwa eine Künstlerin in den alten Brennofen eingemietet. Ein unabhängiges Kino baute einen quadratischen Filmsaal unter ein ehemaliges Schutzdach der Firma Sulzer. Im Zentrum des Geländes stehen drei alte Wagen der Uetliberg-Bahn. Drinnen an der Wärme servieren aufgestellte Frauen Tee und Kuchen.

Inspiration aus erster Hand

Rundgangleiter Engler erzählt, dass circa 90 Prozent ihrer For­derungen zur Entwicklung des Areals erfüllt worden seien. Dafür waren viele Sitzungen und viel Austausch nötig. Ein Austausch, der auch beim Porzi-Areal stattfinden soll. Bereits organisierten Besitzer und Benützer ein Porzi-Kaffee, zudem dürfen zwei Vertreter des Porzi-Vereins an den Sitzungen der Testplanungsphase zwischen Dezember und Mai teilnehmen. Adrian Berchtold sagt: «Für uns ist es inspirierend, zu sehen, was in Winterthur möglich wurde.» Und auch Tinu Spotti gefällt das Konzept des Lagerplatzes. Vor seiner Abreise trifft er sich noch mit Winterthurs früherem Stadtpräsidenten, der damals die Entwicklung auf dem Sulzer-Areal vorangetrieben hatte. Natürlich im vollen Pförtnerhaus. Dort, wo es heute anstelle eines strikten Pförtners Kaffee gibt.

Berner Zeitung

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