Thörigen

Die Angst vor dem Landverlust

ThörigenDas Bodenverbesserungsprojekt der Gemeinden Bettenhausen, Thörigen und Bleienbach ruft die Landwirte auf den Plan. An der Orientierungsversammlung wurden kritische Fragen gestellt.

Die Bevölkerung liess sich in Thörigen über die Vorschläge der Gemeinden informieren.

Die Bevölkerung liess sich in Thörigen über die Vorschläge der Gemeinden informieren. Bild: Olaf Nörrenberg

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«Über das Gestern lesen wir, das Heute kennen wir und das Morgen werden unsere Kinder bestreiten.» Mit diesem Zitat leitete Urs Zumstein, Gemeindepräsident von Bettenhausen, die Orientierungsversammlung zum Gesamtmeliorationsprojekt Bettenhausen, Thörigen, Bleienbach (BTB) ein.

Danach zeigte er auf, wie man in der Vergangenheit im Tal der Altache den landwirtschaftlich genutzten Boden verbesserte. Heute produziere die schweizerische Landwirtschaft, wie der «Agrarbericht 2016» zeige, vertrauenswürdig und umweltgerecht. Aber sie werde als wenig unternehmerisch und konkurrenzfähig eingestuft, so Zumstein.

Doch der agrarpolitische Reformprozess setze wettbewerbsfähige Betriebe voraus. «Die Gemeinderäte von Bleienbach, Thörigen und Bettenhausen bekunden deshalb ein grosses Interesse an der Durchführung einer Gesamtmelioration», fasste Zumstein zusammen.

«Die landwirtschaftlichen Strukturen, das sanierungsbedürftige Wegnetz, die Neuvermessung sowie anstehende Hochwasserschutzprojekte rufen nach einer koordinierten Gesamtlösung.»

Produktionskosten senken

Ein Blick auf den provisorischen Perimeterplan der Gesamtmelioration BTB zeigt, dass die Landwirtschaftsparzellen in den beteiligten Gemeinden zum Teil sehr klein sind. Die durchschnittlichen Parzellengrössen betragen in Bleienbach 0,6, in Thörigen 0,55 und in Bettenhausen 0,95 Hektaren.

«Erstes Ziel der Gesamtmelioration oder Bodenverbesserung ist, die Landwirtschaftsbetriebe innerhalb der Perimeterfläche von 801 Hektaren zu arrondieren», sagte Projektverfasser Willy Jordi, Mitarbeiter der Geobau Ingenieure AG, Münsingen.

Das Land jedes einzelnen Genossenschafters solle zusammengelegt werden. Das heisst, die Anzahl der Bewirtschaftungsparzellen wird vermindert und das Land möglichst in Hofnähe platziert. Dadurch, dass die Parzellen grösser werden und leichter zu bewirtschaften sind, können die Produktionskosten nachhaltig gesenkt werden.

Die Verfasser des Vorprojekts schätzen die Kosten der Gesamtmelioration BTB ohne Drainagesanierungen auf 14 Millionen Franken. Etwa zwei Drittel der Summe werden von Bund und Kanton getragen, während Eigentümer und Gemeinden die Restsumme zu gleichen Teilen übernehmen.

Die Gemeindeversammlungen müssen zu gegebener Zeit den betreffenden Krediten noch zustimmen. Die Eigentümerbeiträge werden nach dem Vorteilsprinzip berechnet und verteilen sich auf 10 bis 15 Jahre. Es wird mit mittleren Kosten von etwa 3000 Franken pro Hektare gerechnet.

Über die Kosten kamen in der Diskussionsrunde Fragen auf. Es gehe ihm nicht nur um den Gemeindebeitrag, sagte ein Besucher aus Thörigen. «Wir finanzieren mit unseren Steuern ja auch noch die Kantons- und Bundesbeiträge.»

Ob sich denn die Landwirtschaftsbetriebe der drei Gemeinden nicht aus eigener Kraft weiterentwickeln könnten? Zumstein entgegnete, die Gesellschaft leide heute unter Entsolidarisierung; oft mangle es an Weitblick. «Wir schaffen hier mit Unterstützung des Kantons und des Bundes ein Werk für die ­Zukunft.»

Wegnetz neu anlegen

Eine der Hauptaufgaben einer Gesamtmelioration ist auch, ein auf die neuen Parzellen abgestimmtes, zweckmässiges Wegnetz anzulegen. Bei Ackerbauflächen wird angestrebt, alle Grundstücke an beiden Stirnseiten an einen Weg anstossen zu lassen. Bei Gras- und Weidenutzung wird ein einseitiger Anstoss als genügend erachtet.

Ob die neuen Wege dereinst von den Gemeinden übernommen würden, wollte ein Besucher aus Thörigen wissen. Der Unterhalt verursache doch weitere Kosten für die Allgemeinheit. Jordi entgegnete, die Wege seien nicht nur für die Landwirtschaft allein da, sondern dienten auch der Allgemeinheit zur Naherholung. Doch der Entscheid, wer letztlich Eigentümer werde, sei Sache der einzelnen Gemeinde.

Altache revitalisieren

Gemäss Bundesgesetz muss der Kanton bis Ende 2018 bei allen Fliessgewässern die Gewässerräume ausscheiden. An der Altache und ihren Nebenbächen sind zusätzlich diverse Hochwasserschutzmassnahmen mit entsprechendem Landbedarf geplant.

Durch die Gesamtmelioration kann die Altache revitalisiert werden. Gleichzeitig können wichtige ökologische Werte bewahrt und mit neuen Elementen ergänzt werden. Bei diesem Vorhaben gehe der Landwirtschaft zu viel Land verloren, reklamierte ein Besucher aus Thörigen.

Jordi erwiderte, der Votant gehe von falschen Zahlen aus. Mit einem allgemeinen Bonitätsabzug von 2 bis 4 Prozent komme man sicher durch. Gegen Schluss der Versammlung meldete sich ein Besucher aus Bleienbach zu Wort und sprach sich für das Projekt aus.

Noch bis zum 7. März liegen der provisorische Perimeterplan und das Eigentümer- und Flächenverzeichnis bei der Gemeindeverwaltung Thörigen öffentlich auf. Grundeigentümer haben während der Auflagefrist Gelegenheit, gegen den Einbezug ihrer Grundstücke Einsprache zu erheben.

Sind die Einsprachen behandelt, kann die Gründungsversammlung der Bodenver­besserungsgenossenschaft Bleienbach-Thörigen-Bettenhausen stattfinden. Dies könnte Ende Jahr der Fall sein. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 14.02.2018, 08:54 Uhr

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