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Dettenbühl: Die Vögel haben Vorrang

Im Oktober sollten die alten Bauernhäuser im Dettenbühl abgerissen werden und den Neubauten für das Demenzdorf Platz ­machen. Doch nun stehen zwei Einsprachen im Raum.

Beliebte Brutstätte: Die leer stehenden Bauten sollen erst weichen, wenn die Schwalben ausgeflogen sind.
Beliebte Brutstätte: Die leer stehenden Bauten sollen erst weichen, wenn die Schwalben ausgeflogen sind.
Daniel Fuchs

Noch vor einem Monat sagte Martin Sommer: «Die Auslagerung der Landwirtschaft ist ein wichtiger Meilenstein für das Projekt.» Damit meinte er den ­geplanten Rückbau der alten Bauernhäuser im Dettenbühl.

Ein weiterer Schritt hin zum Demenzdorf, das im heutigen Pflegeheim Dahlia oberhalb von Wiedlisbach entstehen soll. Sobald die nicht mehr genutzten Gebäude abgerissen sind, können die Neubauten für die geplante Siedlung in Angriff genommen werden.

Sommer reagiert gelassen

Dem Vorhaben kommen nun jedoch zwei Einsprachen in die Quere, wie das Regierungsstatthalteramt Oberaargau auf An­frage bekannt gibt. Für weitere Auskünfte verweist das Amt an die Gesuchstellerin, die Immobiliengenossenschaft Oberaargau (IGO).

Qu«Wir fordern, dass der Abriss verschoben wird, bis die Schwalben ihre Winterquartiere bezogen haben und die Fledermäuse fort sind.»

Andreas Steinmann, Sekretär Pro Natura Oberaargauote

Geschäftsführer Martin Sommer – er ist zugleich Standortleiter des Pflegeheims – reagiert gelassen auf die Eingaben: «Bei einem Baubewilligungs­verfahren muss man immer damit rechnen, dass Einsprachen oder Rechtsverwahrungen eingereicht werden.» Das sei ja auch legitim, betont der ehemalige Regierungsstatthalter.

Wegen der Nisttätigkeit

Sommer nennt die beiden einsprechenden Parteien: Es handelt sich um Pro Natura Ober­aargau und um den Naturschutzverein Wiedlisbach und Umgebung. Die beiden Organisationen verlangen, dass auf die in den betroffenen Gebäuden lebenden Schwalben- und Fledermauspopulationen Rücksicht genommen wird.

Zurzeit nisten die Vögel und ziehen ihre Jungtiere auf. Bei diesen Tieren handle es sich um Arten der Roten Liste, deren Schutz garantiert werden müsse, erklärt Martin Sommer.

«Wir fordern, dass der Abriss verschoben wird, bis die Schwalben ihre Winterquartiere bezogen haben und die Fledermäuse fort sind», sagt Andreas Steinmann, Sekretär von Pro Natura Oberaargau. Das sollte bereits im Oktober der Fall sein.

Zudem verlangt der Naturschutzverband, dass für die im Dettenbühl heimischen Schwalben nach dem Rückbau ihrer jetzigen Brutstätten künstliche Nistplätze geschaffen werden. «Ansonsten haben wir überhaupt kein Problem mit dem Abriss der alten Bauernhäuser», sagt Steinmann.

Die Verhandlungen mit der IGO würden angenehm verlaufen. «Wir haben mit nichts anderem gerechnet», so der Sekretär von Pro Natura Oberaargau.

Keinen Einfluss auf Zeitplan

«Wir nehmen die Eingaben selbstverständlich ernst», betont auf der anderen Seite Martin Sommer. Die Immobiliengenossenschaft Oberaargau sei aktuell dabei, zusammen mit den Einsprechern externe Experten auszuwählen.

«Diese werden uns unabhängig beraten und Empfehlungen für das weitere Vorgehen ausarbeiten», erklärt der Geschäftsführer. Mögliche Anlaufstellen dabei seien die Vogelwarte Sempach und die Arge Fledermausschutz Oberaargau.

«Wir sind überzeugt, dass wir zeitgerecht eine gute, rechtskonforme Lösung finden werden», hält der Geschäftsführer der IGO fest. So wie sich die Situation im Moment darstelle, hätten die Einsprachen keinen Einfluss auf den Zeitplan für das geplante «Dorf für Menschen mit Demenz», da der Abriss der alten Bauernhäuser sowieso erst für Oktober vorgesehen sei. Somit dürfte der Betrieb nach wie vor 2022 aufgenommen werden.

Baustart Anfang 2019

Zu Verzögerungen ist es beim Projekt bereits ausreichend gekommen, war doch die Eröffnung des schweizweit einzigartigen Demenzdorfes ursprünglich für das laufende Jahr geplant.

Rasch zeigte sich aber, dass die knapp bemessene Zeit nicht ausreichen würde. Der Baustart ist nun für Anfang 2019 angesetzt, an diesem Termin wird auch jetzt nicht gerüttelt. Ob das markante Hochhaus wie ursprünglich geplant verkleinert oder doch beibehalten wird, soll laut Martin Sommer noch abgeklärt werden.

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