Der Traumjob ist harte Arbeit

Oberbipp

Carole Frei aus Oberbipp absolviert auf dem Ponyhof Bätterkinden die Ausbildung zur Pferdefachfrau.

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Raphael Hadorn

«Etwas mit Tieren»: Fragt man Mädchen in der Unterstufe nach ihrem Traumberuf, ist dies die häufigste Antwort. Und es war auch jene von Carole Frei. Doch im Vergleich zu vielen anderen hat die Oberaargauerin ihren Traum wahr gemacht. Die 19-Jährige befindet sich im dritten und somit letzten Lehrjahr zur Pferdefachfrau Klassisches Reiten.

Ihr Arbeitgeber: der Ponyhof Bätterkinden. Mit zehn Angestellten, ebenso vielen Pferden, rund 35 Ponys und 200 Reitschülern ist er die grösste Reitschule im Kanton. Heuer sogar Austragungsort von Schweizer Meisterschaften. Jenen der Mounted Games, einem Staffelrennen mit Ponys – und unter anderem auch mit Carole Frei als Reiterin.

Traumberuf ja, aber . . .

Vor über zwanzig Jahren hat Urs Schneider auf dem Gelände der Mühle in Bätterkinden den Ponyhof ins Leben gerufen. Seit zehn Jahren bildet er auch Lehrlinge aus. «Wir erhalten pro Jahr rund zehn Bewerbungen», sagt er. Nur: Verglichen mit anderen Berufsgruppen hält sich der Ansturm in Grenzen. «Reiten als Hobby und Reiten als Beruf sind zwei paar Schuhe», begründet der 62-Jährige.

«Reiten als Hobby und Reiten als Beruf sind zwei paar Schuhe.»Urs Schneider

Das bestätigt auch die Lernende: «Die Ausbildung ist hart.» Rund fünfzig Stunden pro Woche arbeitet sie auf dem Ponyhof. Manchmal beginnt der Tag um 6 Uhr, manchmal endet er erst um 21 Uhr. «Und ich bin jeden Tag draussen, auch bei Regen, Schnee und Kälte.» Trotzdem sagt sie: «Ich habe einen Traumjob.»

Kaum Zeit für andere Hobbys

Zu den Haupttätigkeiten von Carole Frei gehören das Reiten und das Ausbilden der Pferde und Ponys, das Unterrichten von Reitschülern – aber auch die Arbeit im Stall. «Auf dem Rücken eines Pferdes oder Ponys sitze ich rund vier Stunden pro Tag», sagt sie. Meistens am Morgen, «wenn noch keine Reitschüler auf dem Ponyhof sind.»

Nebst den Mounted Games nimmt Carole Frei auch in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit erfolgreich an Wettkämpfen teil.

Weil die Arbeit gleichzeitig Carole Freis Hobby ist, bleibt wenig Zeit für andere Freizeitaktivitäten. «In einem Klub mit regelmässigen Trainings am Abend könnte ich unmöglich mittun, das würden die unregelmässigen Arbeitszeiten nicht zulassen.»

Motiviert, zäh und sportlich

Mit dem Reitsport in Berührung gekommen ist Carole Frei erstmals mit elf Jahren. «Ich nahm erste Reitstunden in der Umgebung und hatte in der Folge das Glück, regelmässig ein Pflegeross reiten und betreuen zu dürfen», erzählt sie. Ein eigenes Pferd sei hingegen nie ein Thema gewesen. «Aus Zeit-, aber vor allem aus finanziellen Gründen.»

Auf Lehrstellensuche bewarb sich Carole Frei dann unter anderem bei Urs Schneider und seinem Ponyhof. Nach einer Schnupperwoche erhielt sie die Zusage. Schneider erklärt, nach welchen Kriterien er seine Lehrlinge auswählt: «Sie müssen motiviert, sportlich, zäh und intelligent sein.»

Die Problemlöserin

Eigenschaften, die Carole Frei mitbringt. «Sie ist eine handwerklich begabte Problemlöserin mit einem gesunden Menschenverstand – und sie hat ein unglaubliches Einfühlungsvermögen den Tieren gegenüber», lobt Schneider seinen Stift in den höchsten Tönen. «Jedes Pferd, jedes Pony ist anders, hat seinen eigenen Charakter, das macht meine Arbeit so spannend», sagt Carole Frei, wobei Ponys eine Spur eigensinniger seien.

«Jedes Pferd, jedes Pony ist anders, hat seinen eigenen Charakter, das macht meine Arbeit so spannend.»Carole Frei

Und dann wäre da noch die Berufsschule, wie bei jedem Job Teil der Ausbildung. Jene für Pferdefachleute, die Carole Frei an einem Tag pro Woche besucht, befindet sich in Zollikofen. Hier wird die ganze Zentralschweiz unterrichtet, in den Fachrichtungen Pferdepflege, Westernreiten, Gangpferdereiten, Pferderennsport und – wie bei Carole Frei – klassisches Reiten. Mitschüler hat sie kaum. «Ja», sagt Carole Frei lachend, «Reitberufe sind eine Frauendomäne.»

Alles andere als planlos

Nach der Lehre wird Carole Frei noch rund ein Jahr auf dem Ponyhof weiterbeschäftigt. «Die Arbeit wird die gleiche bleiben», sagt sie, «aber der Lohn wird höher sein», fügt sie mit einem Schmunzeln an. Geld, das die 19-Jährige in ihre Zukunft investiert. In Neuseeland will sie ein halbes Jahr auf einem Pferde­betrieb arbeiten – und Englisch lernen.

Danach die Berufsmatur nachholen, die sie im ersten Lehrjahr abbrechen musste. Und dann möchte Carole Frei als Hippotherapeutin arbeiten, eine Form des therapeutischen Reitens, bei dem speziell ausgebildete Pferde eingesetzt werden. Sie wird bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Stütz- und Bewegungsapparats eingesetzt. Dafür aber muss sie erst einmal die Ausbildung zur Physiotherapeutin absolvieren. Langweilig dürfte es Carole Frei in naher Zukunft nicht werden.

Und eines ist bereits jetzt klar: Mit dem Ponyhof Bätterkinden wird sie immer eng verbunden sein. Hier hat Carole Frei Freunde fürs Leben gefunden – nicht nur menschliche.Raphael HadornWeitere Infos zum Ponyhof Bätterkinden:www.ponys.ch.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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