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Der Stadt fehlen Bauinspektoren

Überall will gebaut werden. Die gerade im Inspektorat aktuell unterbesetzte Bauverwaltung gerät dadurch in die Bredouille. Abhilfe schaffen soll ein vermehrter Austausch mit den Architekten.

Da ging es vorwärts: Die Baustelle des 3-M-Gebäudes hinter dem Bahnhof im Jahr 2014.
Da ging es vorwärts: Die Baustelle des 3-M-Gebäudes hinter dem Bahnhof im Jahr 2014.
Thomas Peter

Der Mangel an Gemeindekadern macht auch vor der Langenthaler Stadtverwaltung nicht halt. Ein Krampf war es nicht nur, nach der Pensionierung von Andreas Ryf eine neue Leitung für das Amt für öffentliche Sicherheit zu finden.

Aktuell ist es, wie vielerorts im Kanton, die Bauverwaltung, in der sich der Fachkräftemangel besonders bemerkbar macht. Denn der Stadt fehlt es an Bau­inspektoren.

Mehrere Wechsel

«Die Situation ist im Moment wirklich belastend», sagt Stadtpräsident Reto Müller (SP), der in dieser Funktion auch für das Ressort Bau zuständig ist. Eine Inspektorin stand letztes Jahr kurz vor ihrem Mutterschaftsurlaub, als ihre zwei damaligen Kolleginnen beide kündigten. Schon damals habe man mit einer Mandatslösung überbrücken müssen.

Im Herbst 2017 dann kehrte die bewährte Inspektorin aus dem Mutterschaftsurlaub zurück. Und mit zwei neuen Bauinspektoren war das Team wieder komplett. Allerdings nur für kurze Zeit, wie Müller erklärt. Denn während der eine Neue blieb, zog es den zweiten schon letzten Frühling wieder weiter: In seiner Wohngemeinde wartete ein Posten als Bauverwalter auf ihn.

Sämtliche Versuche, die Stelle neu zu besetzen, seien bisher gescheitert, sagt Müller. Und selbst ein entsprechendes Mandat hat die Stadt nicht im gewünschten Umfang von 100 Stellenprozent vergeben können. Nur zu 70 Prozent ist seit Mai eine Inspektorin im Mandat zusätzlich fürs Stadtbauamt tätig. In der noch jungen Zusammensetzung des Teams überhaupt, verdeutlicht Müller, wiege eine Unterbesetzung natürlich umso schwerer.

Die Frage im Parlament

Aufs stadtpolitische Parkett brachte die Problematik unlängst Janosch Fankhauser. Wie es mit der Bearbeitung von eingereichten Baugesuchen aussehe, wollte der SVP-Stadtrat vom Gemeinderat wissen – zumal es dabei «Hinweisen aus der Bevölkerung» zufolge Probleme geben soll.

Tatsächlich könnten die vom Kanton festgelegten Fristen gegenwärtig nicht in allen Fällen eingehalten werden, liess Reto Müller das Parlament im Juni wissen. Nebst fehlenden Ressourcen seien aber keine ausserordentlichen Probleme auszumachen.

Drei Monate ohne Umwege

86 Baugesuche sind gemäss Stadtbaumeister Enrico Slongo derzeit hängig. Rund ein Viertel davon befinde sich aber gegenwärtig nicht beim Stadtbauamt, sondern wieder bei der Bauherrschaft, verweist er auf einen Umstand, der mitverantwortlich ist für die teils sehr lange Bearbeitungszeit eines Gesuchs.

Gemäss Dekret dürfe der Gesuchsteller zwar binnen dreier Monate mit der Bewilligung rechnen. Die maximal 30 Tage etwa, die dem Gesuchsteller jeweils eingeräumt werden, um bei der ersten formellen und materiellen Prüfung festgestellte Mängel zu beheben, seien da nicht eingerechnet. Diesbezüglich befinde man sich aktuell denn auch überall im Rahmen der vorgegebenen Fristen.

Einzig was die erwähnte erste formelle und materielle Prüfung betrifft, erklärt Slongo, habe man die vorgegebene Frist von 17 Tagen bei gegenwärtig sechs Gesuchen nicht ganz einhalten können. Das führe zuweilen schon zu Reklamationen, sagt der Stadtbaumeister, wenn auch weniger von vielen als von immer denselben Gesuchstellern.

«Nicht gut sind die sechs Gesuche, die aktuell tatsächlich über der Frist sind. Und die Reklamationen vonseiten der ­Bauherr­schaften.»

Stadtpräsident Reto Müller

Massnahmen ergreifen

Grundsätzlich, sagt Stadtpräsident Müller, sei die Zahl von 86 hängigen Gesuchen zwar nicht aussergewöhnlich. «Nicht gut sind die sechs, die aktuell tatsächlich über der Frist sind. Und die Reklamationen vonseiten der Bauherrschaften.»

Mit drei Massnahmen soll der unbefriedigenden Situation für alle Beteiligten in absehbarer Zeit nun Abhilfe geschaffen werden. Als Erstes wird als Übergangslösung ab August jemand aus dem Hochbau zu 40 Prozent mit der Bearbeitung von Baugesuchen betraut.

Wodurch allerdings das ein oder andere Geschäft im Hochbau zugunsten der privaten Bauherrschaften etwas zurückgestellt werden müsse, wie Stadtbaumeister und Stadtpräsident betonen.

Weiter wurde eine junge Mitarbeiterin aus dem Sekretariat der Bauverwaltung motiviert, die Aus- und Weiterbildung zur Bauinspektorin zu absolvieren. Voraussichtlich ab 2019 wird sie dann ihre Tätigkeit als neue Fachkraft im Bauinspektorat aufnehmen.

Und drittens will die Stadt vermehrt den Austausch mit den lokalen Architekten suchen. «Auch die Architekten sind seitens der Bauherren einem starken Zeitdruck ausgesetzt», sagt Enrico Slongo.

Gespräche mit dem vor kurzem gegründeten Architekturforum sollen Qualität und gegenseitiges Vertrauen schaffen und so dazu beitragen, dass die Prozesse beschleunigt werden können, erklärt Reto Müller.

Den Arbeitsplatz bewerten

Es sei klar das Ziel, alle Fristen einzuhalten und die Zahl der hängigen Gesuche deutlich zu verkleinern, sagt der Stadtpräsident. Ob die eingeleiteten Massnahmen dafür ausreichen, wird sich zeigen.

Es stünden derzeit sowohl von der Stadt als auch seitens privater Investoren grosse Bauvorhaben an, sagt Müller. Vor diesem Hintergrund werde innerhalb des Stadtbauamts gegenwärtig eine Arbeitsplatzbewertung durchgeführt.

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