Langenthal

Der Mann hinter Gaudenz Trüeb

LangenthalDas Sonohr Festival in Bern ist zum jährlichen Treffpunkt der Schweizer Hörspielszene geworden. Wie jedes Jahr mit dabei: der Langenthaler Lorenz Keller.

Hörspielmacher Lorenz Keller aus Langenthal bereicherte das Sonohr Festival in Bern. Sein Beitrag war im Kino Rex zu hören.

Hörspielmacher Lorenz Keller aus Langenthal bereicherte das Sonohr Festival in Bern. Sein Beitrag war im Kino Rex zu hören. Bild: Christian Pfander

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Sonne, wolkenloser Himmel, angenehme Temperaturen – normalerweise verirrt sich an einem Nachmittag mit solch herrlichem Wetter niemand ins Kino. Dass der Saal des Kinos Rex, wenige Gehminuten vom Bahnhof Bern entfernt, an diesem Sonntag doch so gut besucht ist, liegt an einem speziellen Event. Das Sonohr Festival in Bern bietet Liebhabern von Hörspielen, Features, Reportagen und Audiokunst eine der seltenen Entdeckungsplattformen durchs Jahr hindurch. 2011 ins Leben gerufen, findet es heuer bereits zum sechsten Mal in Folge statt.

Zur Schweizer Hörspielszene gehört auch der Langenthaler Lorenz Keller. Besser bekannt ist er unter dem Namen seiner persönlich kreierten Kultfigur Gaudenz Trüeb, welche öfters auch auf ­Radio SRF 1 zu hören ist. Dieser Trüeb ist es auch, der durch Kellers neustes Stück «Fondue» führt. Herrlich skurril nimmt er die Probleme aufs Korn, die einer neurotischen Person beim Fondueplausch alle so begegnen können. Den Besuchern im Kino Rex scheint das Stück zu gefallen. Immer wieder sind Lacher aus den Sitzreihen zu vernehmen.

Ein seltenes Vergnügen

Für einen Hörspielmacher ist eine so direkte Resonanz des Publikums ein seltenes Vergnügen. «Sonst erhält man vor allem Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis», sagt Keller. Dass er Jahr für Jahr ans Sonohr Festival eingeladen wird, zeigt aber, dass die Stücke auch ausserhalb seines direkten Umfelds auf Beachtung stossen. Und auch wenn oft lange Zeit nichts zu hören ist, kommt immer wieder jemand wegen seiner Hörspieltätigkeit auf ihn zu. «Es gibt fast jedes Jahr eine überraschende Anfrage», so der Langenthaler.

Für den ausgebildeten Psychologen und Leiter eines Wohnheims für psychisch Erkrankte ist das Produzieren von Hörspielen aber vor allem ein Hobby. Inspiriert wurde Keller ursprünglich von Hörspielmachern wie Timmermahn oder Helge Schneider. Von seiner ehemaligen Tätigkeit beim Berner Kulturradio Rabe besitzt er das technische Know-how zum Aufnehmen von Audiobeiträgen.

Dort entwickelte er auch die Fähigkeit, verschiedene Stimmen und Dialekte zu imitieren. Und die klingen verblüffend anders als sein Original. «Meine echte Stimme höre ich nicht wahnsinnig gerne», gibt Keller freimütig zu. Nach ersten Gehversuchen, die er aufs Internet stellte, kam irgendwann das Radio auf ihn zu. So wurde Gaudenz Trüeb plötzlich einem breiten Publikum ein Begriff.

Den Antrieb, aus dem Hobby ein Geschäft zu machen, verspürte Keller aber nie. Zwar wirkte er bei Satiresendungen, wie etwa «PET», mit. Aber die Zeitvorgaben engten ihn ein. «Ich hätte mich zu fest verbiegen müssen», sagt Keller heute. So sind seine Stücke weiterhin online frei zugänglich. Sein «Jahres-Output» landet aber auch auf einer CD, die man unter anderem in der Bibliothek Langenthal finden kann.

Wie entspringen neue Ideen?

Es sind einige Hörspielminuten, die da jährlich zusammenkommen. Wie entspringen da immer wieder neue Ideen? «Meine Kanäle sind immer offen. Meist ist es ein kleines Erlebnis, das den Anstoss zu einem neuen Stück gibt», so Keller. Sein Lieblingssujet: der Schweizer Durchschnittsbürger, wie ihn auch Gaudenz Trüeb in Perfektion verkörpert. Meistens spielen sich diese Geschichten im Familienumfeld ab. «Familien bieten sich dafür einfach an», so der Hörspielmacher. Bei seinen Figuren sind auch immer wieder gewisse Komplexe und neurotische Angewohnheiten festzustellen

Sind das alles Fallbeispiele aus dem Psychologenalltag? «Nein», sagt Keller lachend, «ich habe da nicht eine so starke Berufsidentität. Ich versuche bloss, Alltagsszenen etwas überspitzt, aber dennoch liebevoll zu karikieren.»

Hörspiele von Lorenz Keller: kurzhoerspiele.podspot.de (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.02.2016, 22:01 Uhr

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