Thunstetten

Der Kreisel Hard rückt in den Fokus

ThunstettenDrei alter­native Linienführungen zur Umfahrung Aarwangen präsentiert ein überparteiliches Komitee. Die Forderungen: Der Regierungsrat soll die Vorprojektphase wieder aufnehmen und der Gemeinderat seine Haltung überdenken.

Der Kreisel Hard in Langenthal: Er ist das Herzstück der vorgestellten alternativen Linienführung.

Der Kreisel Hard in Langenthal: Er ist das Herzstück der vorgestellten alternativen Linienführung. Bild: Thomas Peter

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«Das betrifft uns nicht», sagt ­Samuel Jenzer. Dies hätten sich wohl in Thunstetten-Bützberg viele aus der Bevölkerung gedacht, als im Herbst letzten Jahres die Pläne für die Umfahrung Aarwangen-Langenthal Nord zur öffentlichen Mitwirkung aufgelegt worden seien. «Nur wenige haben sich die Pläne angesehen», so Landwirt Jenzer. «Diese aber sind erschrocken.»

Drei Monate später nun hat ein überparteiliches Komitee Umfahrung Aarwangen, präsidiert von Samuel Jenzer, zu einem ­runden Tisch in die Aula Byfang eingeladen. Wer nicht beim Mitwirkungsverfahren mitgemacht habe, wisse nicht, welche Konsequenzen das Projekt habe, stellt Jenzer klar. «Doch es ist noch nicht zu spät.»

«Die letzte Idylle»

Gründe, sich gegen die Umfahrungsvariante des Kantons zu stellen, gibt es, das wird an diesem Abend deutlich, für die Bevölkerung in Thunstetten-Bützberg genügend. Die weit über 130 Anwesenden in der Aula, darunter auch Gemeindepräsident Alfred Röthlisberger (SVP), sind sich einig: Durch die geplante Umfahrungsstrasse, die direkt durchs Bützbergtäli führt, geht wertvolles Kulturland verloren. «Die letzte Idylle, die wir noch haben», kommentiert Samuel Jenzer.

Und nicht nur das: Gleich in mehreren Voten bringen die ­Versammlungsteilnehmer ihren ­Unmut darüber zum Ausdruck, welch grossen Mehrverkehr die Umfahrung für ihre Gemeinde mit sich bringt. Einer von ihnen spricht die Untergasse in Thun­stetten an. Diese sei durch den Lastwagenverkehr schon heute stark belastet.

Dem Komitee ist zudem der geplante Neubau des Kreisels Anschluss Süd, 300 Meter östlich des Glaskreisels der Trösch AG, ein Dorn im Auge. Dieser werde «den Verkehrsfluss der Bern-Zürich-Strasse nur lähmen oder sogar zum Stillstand bringen», teilen sie in ihrem Infoblatt mit, das sie am Mittwoch verteilten.

Verlängerung des Tunnels

«Es kann nicht sein, dass ein Dorf entlastet und ein anderes, das etwa gleich viel Verkehr hat, dafür massiv belastet wird», bringt es Samuel Jenzer auf den Punkt. Dass der Gemeinderat in seiner Stellungnahme während der Mitwirkung die Variante Umfahrung favorisiert hat, kommt bei ihm und anderen Versammlungsteilnehmern wie etwa dem ehemaligen FDP-Gemeinderat Stefan Krähenbühl nicht gut an. Das Recht auf eine Umfahrung will man Aarwangen aber nicht absprechen. Stattdessen hat sich das Komitee Gedanken gemacht, wie eine alternative Linienführung aussehen könnte, und nun drei Varianten zur Diskussion gestellt. Bei allen dreien steht der Kreisel Hard in Langenthal im Mittelpunkt (siehe Grafik).

Eine Variante Oberhard sieht vor, dass der Tunnel auf der Südseite des Spichigwaldes verlängert wird. Über den Oberhard führte die Strasse zum Kreisel Hard. Dieser, so schreibt das Komitee, liege in der Nähe des Industriegebietes und biete in und von allen Richtungen Anschluss mit mehreren Möglichkeiten. Die Durchquerung des Waldes wäre möglich, allerdings müsse im Bereich der Grundwasserfassungen das Abwasser der Strasse kana­lisiert werden.

Eine weitere Variante beinhaltet ebenfalls den Oberhard – diesmal jedoch mit gerader Linienführung. Was den Vorteil hätte, erklärt Jenzer, dass der Tunnel und die Strassenführung leicht kürzer würden. Weiter nördlich verliefe schliesslich die dritte Variante. Diese sieht eine gerade Linienführung über die Sunnhalde vor, bevor die Umfahrung parallel zur Aarwangenstrasse geführt wird und dort ebenfalls in den Kreisel Hard mündet.

Für seine drei Alternativen ­erhielt das Komitee aus dem Plenum kräftig Zuspruch. «Diese Varianten würden alle das Problem sicher besser lösen», meint einer der Anwesenden. Eine Versammlungsteilnehmerin findet ebenfalls zustimmende Worte, merkt aber auch an: «Der Zug ist doch abgefahren.» Schliesslich sei die Mitwirkung längst abgeschlossen. «Was müssen wir tun, damit unsere Stimme überhaupt noch ins Gewicht fällt?»

Resolution verabschiedet

Eine Garantie, dass sich das Blatt noch wenden lasse, gebe es keine, entgegnet Samuel Jenzer. Trotzdem glaubt er, dass die Meinung der Bevölkerung das kantonale Tiefbauamt und den Regierungsrat nicht kaltlassen wird. Ihnen zuhanden hat die Versammlung im Anschluss an die Diskussionsrunde deshalb auch einstimmig (bei 9 Enthaltungen) eine Re­solution verabschiedet.

In dieser wird der Regierungsrat aufgefordert, die Vorprojektphase noch einmal aufzunehmen und die Planung mindestens um eine Variante «im Sinne der Bevölkerung von Thunstetten und Bützberg» zu erweitern. Weiter wird die Forderung gestellt, dass die Einfahrt der neu geplanten Umfahrungsstrasse in den Kreisel Knoten Hard mündet.

Aber nicht nur der Regierungsrat erhält schon bald Post: Ebenfalls ohne Gegenstimmen (bei 12 Enthaltungen) hiessen die An­wesenden eine Petition zuhanden des Gemeinderates gut. Dieser wird aufgefordert, seine Haltung zum Umfahrungsprojekt noch einmal zu überdenken und einen neuen Beschluss zur Verkehrssanierung Aarwangen zu fassen.

Weiter soll der Gemeinderat die Resolution der anwesenden Dorfbevölkerung unterstützen und gegenüber dem Regierungsrat entsprechend Stellung beziehen. Die Bevölkerung sei ­regelmässig mittels des Gemeindeorgans Brügg über den Stand des Projekts zu informieren, und das Thema Umfahrungsstrasse sei bei jeder Gemeindeversammlung zu traktandieren.

Für sein Vorgehen erhielt das Komitee Lob vom anwesenden Geschäftsführer der Region Oberaargau, Stefan Costa. «Besser spät als nie», meinte er. Ob sich die Linienführung der Umfahrungsstrasse damit noch beeinflussen lasse, sei fraglich. Die Resolution werde aber aufseiten des Kantons sicher eine Sensibi­lisierung zur Folge haben.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.02.2016, 07:41 Uhr

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