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Der Hansdampf in allen Gassen

Ihn kennt man im Bipperamt – und Hans Brunner kennt fast jeden. Sein Wissen über die Menschen und die Geschichte der Region ist unerschöpflich.

Hans Brunner weiss über jedes Gebäude im Oberbipper Dorfzentrum Bescheid. So auch über die Zehntenscheune (links), das Buchistöckli (Mitte) und die ehemalige Schmiede (rechts). Foto: Christian Pfander
Hans Brunner weiss über jedes Gebäude im Oberbipper Dorfzentrum Bescheid. So auch über die Zehntenscheune (links), das Buchistöckli (Mitte) und die ehemalige Schmiede (rechts). Foto: Christian Pfander

Hans Brunner schreitet durch den Gang seiner Wohnung ins Büro. «Kommen Sie, kommen Sie», ruft er. Widerrede kommt nicht infrage. Im Regal über dem Schreibtisch reiht sich Buch an Buch. Alle sechzig Ausgaben des Oberaargauer Jahrbuchs und Dutzende historische Werke über das ehemalige Amt Wangen stehen da.

«Es gibt keine Literatur über das Bipperamt, die ich nicht kenne und mehrmals gelesen habe», sagt Brunner. Der 72-Jährige setzt sich an seinen Computer. Das volle weisse Haar und der Bart lassen ihn jünger wirken. Doch Furchen in seinem Gesicht zeugen von einer reichen Lebenserfahrung, von der er gerne viel preisgibt. Und dieser stechende Blick: Zweifel lässt Hans Brunner keine zu.

Zwei Herzen in der Brust

Zurück im Wohnzimmer zeigt er auf die Bilder an der Wand: Das Schloss Bipp in einer Reihe mit Neu- und Alt-Falkenstein sowie dem Schloss Wangen. Auch eine alte Ansicht der Stadt Bern hängt da. «Am liebsten habe ich aber unser Bipper Schloss», sagt er. Doch wer denkt, es handle sich hier um einen alteingesessenen Oberbipper, liegt falsch.

Aufgewachsen ist Hans Brunner nämlich in Niederbipp. 23 Jahre und einen Monat hat er in «Niedern Bippe» – seine Worte – gelebt. Erst nach der Hochzeit mit Verena Bürki, der Tochter des Dorfkäsers im Nachbardorf, ist er die wenigen, aber bedeutenden Kilometer nach Oberbipp gezügelt. Das war 1969. «Ich bin Doppelbipper», sagt Brunner und lacht.

Um rasch hinterherzuschieben, dass Niederbipp den Namen von Oberbipp habe und nicht umgekehrt. «Die müssen sich gar nicht immer so aufspielen.» Er würde es nicht sagen, könnte er die Sache mit dem Namen nicht auch mit einem historischen Dokument beweisen: Ein Brief aus dem Jahre 1871 zeigt, dass Oberbipp damals schon einen eigenen Poststempel hatte, während im Nachbardorf noch mit «Dürrmühle» abgestempelt wurde.

Während Brunner – schon fast liebevoll – über Niederbipp schimpft, wird deutlich, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. «Ich interessiere mich für beide Dörfer und will sie nicht gegeneinander ausspielen», bestätigt er. So kennt der 72-Jährige die Geschichte «seiner» beiden Orte und die des ganzen nördlichen Oberaargaus so gut wie kaum ein anderer. «Mich interessiert unser Ursprung und wieso die Dinge heute so sind, wie sie sind.»

Alles nebenbei

Sein historisches Interesse hat er schon in der Sekundarschule entdeckt. «Wir hatten zwei tolle Lehrer, die das Fach spannend unterrichteten», erinnert sich Brunner. Beruflich hat es ihn aber in eine andere Richtung verschlagen: Er lernte Maschinenzeichner und machte später das Abendtechnikum zum diplomierten Maschineningenieur. «Das Historische habe ich immer nebenbei gemacht», sagt er. Und nicht nur das.

Schon 1973, mit gerade einmal 27 Jahren, wurde Hans Brunner in den Gemeinderat von Oberbipp gewählt. In den folgenden 8 Jahren knüpfte er ein Beziehungsnetz über das Dorf hinaus, weitere Ämter kamen dazu: Landesteilpräsident der SVP Oberaargau – damals noch mit den Ämtern Wangen, Aarwangen, Fraubrunnen und Burgdorf, wie er betont – Kirchgemeinderat, Präsident des regionalen Sozialdienstes sowie Stiftungsrat der Heilpädagogischen Schule Oberaargau.

«Heute würde man es wohl Sozialkompetenz nennen.»

Hans Brunner über seine Motivation, verschiedene Ämter anzunehmen

Derzeit ist er Vorstandsmitglied des Alterszentrums Jurablick. Seine umfassende Biografie hat er auf mehreren A4-Seiten bis ins kleinste Detail festgehalten. Für seine beiden Kinder, wie er sagt. «Ich will nicht, dass sie die Geschichte ihres Vaters mal mühsam zusammensuchen müssen.»

Und seine Motivation für die vielen Ämter? Brunner überlegt: «Heute würde man es wohl Sozialkompetenz nennen.» Er dränge sich ja nirgends auf, vielmehr sei er stets angefragt worden.

Ein Mit- statt Gegeneinander

Dass Hans Brunner in Oberbipp bekannt ist, wird beim Abstecher zum Dorfbrunnen am Lindenplatz deutlich: Die Autofahrer und Passanten winken ihm alle zu. 1979, als Oberbipp noch keine 1000 Einwohner zählte, habe er jede und jeden gekannt. «Heute geht das gar nicht mehr», sagt er. Ist da Bedauern rauszuhören? «Nein», lautet die bestimmte Antwort. Auch einer Fusion gegenüber sei er nicht abgeneigt – wenn sie denn nicht so gross angelegt werde wie der gescheiterte Zusammenschluss aller elf Gemeinden des nördlichen Oberaargaus.

«Über die Aare ist eine Fusion nicht möglich».

Hans Brunner über den gescheiterten Zusammenschluss aller elf Gemeinden des nördlichen Oberaargaus

«Über die Aare ist eine Fusion nicht möglich», ist Brunner überzeugt. Aber mit Niederbipp und den Berggemeinden? «Warum eigentlich nicht.» Schliesslich habe man denselben Ursprung, dieselbe Geschichte – heutige Kabbeleien hin oder her.

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