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Der Geruch von Rosshaar hängt noch in den Mauern

Meterhoch türmen sich die Matratzen. Täglich werden 120 bis 150 Stück bei der Roviva Roth & Cie. AG in Wangen an der Aare produziert.

An grossen Nähmaschinen bearbeiten Roviva-MitarbeiterinnenÜberzüge.
An grossen Nähmaschinen bearbeiten Roviva-MitarbeiterinnenÜberzüge.
Beat Mathys

Sie erinnern an übliche Tore,wie man sie auch in anderen Industriebetrieben und bei Autogaragen antrifft: grau, hoch, unscheinbar. Von diesen Türen gibt es hier gleich mehrere. Doch dahinter wird nicht etwa mit grobem Stahl oder Öl gearbeitet. Stattdessen türmen sich meterhoch weiche Schaumstoffmatten in den Gängen der Roviva Roth & Cie. AG. Pink, türkis, gelb.

Die Matten laden direkt zu einem Nickerchen ein. Im darauf folgenden Raum hängen 50 Meter lange weisse Stoffbahnen ordentlich über Rollen und warten darauf, versteppt zu werden. Mit den Schaumstoffkernen werden sie nach etlichen Arbeitsschritten zu Matratzen vereint. «Hochzeit» nennt Geschäftsleiter Peter Patrik Roth diesen letzten Produktionsschritt.

In der neunten Generation

100 Jahre bevor die Schweiz in ihrer heutigen Form mit der Bundesverfassung entstand, wurde das Familienunternehmen 1748 durch Johannes Roth in Wangen an der Aare als Rosshaarspinnerei gegründet. Noch heute, 270 Jahre nach der Grundsteinlegung, befindet sich die Rovivazu 100 Prozent in Familienbesitz. In der ganzen Schweizer In­dustriegeschichte ist das ein­malig.

Peter Patrik Roth führt das Unternehmen seit 2001 in der neunten Generation. Und die Firma befindet sich noch immer am ursprünglichen Standort. «Mit einem Umzug würden wir unsere Wurzeln verlieren», sagt der Geschäftsleiter und Inhaber. Zwar sei der Platz wegen der Matratzen, die sich nun mal nicht falten lassen, stets ein Thema. Durch den ständigen Ausbau der Produktionsräume komme man aber gut zurecht.

Überdimensionierte Tische

Das Gelände und die Hallen der Roviva sind wegen der Erweiterung über all die Jahre stark verwinkelt. «Man spürt die Geschichte in den Mauern», sagt Roth. Im Sommer könne man sogar noch die Rosshaare im Gemäuer riechen. Deren Verwendung gehört längst vergangenen Tagen an. Seit Ende der 1960er-Jahren wird Naturlatex als Kern für die Matratzen verwendet. Als Polsterauflagen dienen indes nach wie vor Schurwolle und weiches Babykamelhaar.

Bunte Schaumstoffmatten stapeln sich in den Gängen: Vorwiegend Naturlatex wird heute als Matratzenkern verwendet.
Bunte Schaumstoffmatten stapeln sich in den Gängen: Vorwiegend Naturlatex wird heute als Matratzenkern verwendet.

Zu 92 Prozent beliefert das Wanger Unternehmen den Schweizer Markt. «Wir wollen den Export aber weiter steigern, vor allem in den asiatischen Raum», sagt der Geschäftsleiter. Über den Umsatz bewahrt er Stillschweigen.

Sechzig Mitarbeitende beschäftigt das Unternehmen heute. Den Näherinnen stehen überdimensionierte Tische zur Verfügung. So können sie die grossen Stoffteile problemlos durch die speziell angefertigten Nähmaschinen passieren. Anschliessend wird die Hülle über den Kern gestülpt. In einer an­deren Halle werden die bereits vereinten Komponenten zu fertigen Matratzen zusammengenäht.

Rund 120 bis 150 Matratzen und etwa 100 Einlegerahmen, die in den oberen Stockwerken aus Buchenholz gefertigt werden, verlassen heute täglich die Produktion in Wangen an der Aare. Von den pink, türkis und gelben Schaumstoffkernen ist dann nichts mehr zu sehen. Dafürzieren jeden Überzug einge­stickte Schmetterlinge – seit 2005 das Logo des Traditionsunternehmens.

Für den BZ-Adventskalender schauen wir bis Weihnachten jeden Tag hinter eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird oder werden darf. Hier können Sie nachlesen, wo wir bisher zu Besuch waren:

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
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Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
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Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
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Beat Mathys
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