Der Funke springt allmählich über

Langenthal

Eine Arbeitsgruppe ist der Frage nachgegangen, wie der Langenthaler Stadtkern entwickelt und belebt werden kann. Nun geht es darum, die beteiligten Kreise aus der Reserve zu locken.

Entschlossen: Experte Thomas Bretscher (zweiter von rechts) weiss bei seinem Auftrag auch Gian Kämpf (rechts), Geschäftsführer SCL AG, Gewerbevereinspräsident Christian Giesser und Stapi Reto Müller (links) auf seiner Seite.

Entschlossen: Experte Thomas Bretscher (zweiter von rechts) weiss bei seinem Auftrag auch Gian Kämpf (rechts), Geschäftsführer SCL AG, Gewerbevereinspräsident Christian Giesser und Stapi Reto Müller (links) auf seiner Seite.

(Bild: Thomas Peter)

Patrick Jordi@jordipatrick

«Z’Langetu – Märitgass 2020». So heisst das Projekt, das Langenthals Ortsmitte zu neuem Glanz verhelfen soll. Oder müsste man eher sagen: zu noch mehr Glanz? Geht es nach Projektbegleiter Thomas Bretscher, strotzt Langenthal nämlich nachgerade vor Energie. Als Zentrumsort des Oberaargaus habe die Stadt sehr viele Chancen, findet der 53-jährige Retailexperte und Stadtentwickler.

Seine zukunftsgerichteten und motivierenden Aussagen machte Bretscher letzte Woche anlässlich eines Infoabends der Stadtvereinigung Langenthal. Dabei wurde vor eingeladenen Kreisen präsentiert, was eine Arbeitsgruppe in den letzten Wochen und Monaten intensiv durchdiskutiert und erarbeitet hatte.

Negative Umstände

Den ganzen Abend über herrschte darob in der alten Mühle eine ansteckende Aufbruchstimmung. Den Detailhandel und das Gewerbe stärken? Unbedingt. Den Ortskern attraktiver gestalten? Klar. Mehr Besucherfrequenz generieren? Sowieso. So positiv die Signale des Abends auch waren, so negativ sind eigentlich die Umstände, die zur Durchführung einer solchen Infoveranstaltung Anlass geben: Langenthals Detailhandel leidet. Viele Geschäfte verbuchen Umsatzrückgänge. Zahlreiche Ladenflächen stehen leer. Retail­experte Thomas Bretscher macht vor allem externe Faktoren dafür verantwortlich: die Digitalisierung, den Onlinehandel, das Einkaufen ennet der Grenze.

Doch Trübsal blasen bringt nichts. Darüber sind sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe einig. Abhilfe schaffen sollen deshalb konkrete Massnahmen, deren Erarbeitung jedoch noch nicht ganz abgeschlossen ist. Abgeleitet werden sollen die Massnahmen indessen aus acht vordefinierten Handlungsfeldern. Diese konnten die Verantwortlichen bereits bekannt geben. Eines davon: Mobilität und Erreichbarkeit. Daraus hervorgehen soll ­etwa ein brauchbares Parkleitsystem für Auswärtige. Oder das Handlungsfeld Aufenthaltsqualität. In diesem Bereich können sich die Mitwirkenden einen kostenlosen Internetzugang in Langenthals Zentrum vorstellen.

Es sind vor allem übergeordnete Denkmuster, die angesprochen wurden. Man solle «gross denken» und «aufhören mit Krämern», redete Thomas Bretscher den Anwesenden ins Gewissen. Gewerbevereinspräsident Christian Giesser tat es ihm gleich. Sein Motto: «Nur miteinander kommen wir ans Ziel.»

Was er meint, ist nicht bloss das Zusammen­stehen von Gewerbeverein und Stadtvereinigung – zwei Institutionen mit teils sehr ähnlichen Interessen, die in Langenthal aber nach wie vor unabhängig voneinander organisiert sind. Nein, Giesser und die anderen wissen auch die Stadt im selben Boot: Stadtpräsident Reto Müller (SP) sagte, in seinem Empfinden sei die Arbeitsgruppe das erste intensive und direkte Aufeinanderzugehen von Markt und Politik.

Märitgasse strahlt aus

Bewusst konzentriert sich die Arbeitsgruppe auf die rund 300 Meter lange Marktgasse – auch wenn der Detailhandel und das Gewerbe praktisch über das ganze Stadtgebiet verstreut sind. «Wenn die Marktgasse funktioniert, so strahlt das positiv auf die übrigen Gebiete aus», begründet Thomas Bretscher, der auch dabei ist, Städten wie Liestal und Rheinfelden auf die Sprünge zu helfen.

Der gewählte Zeithorizont 2020 liegt einerseits in der knackigen Zahl begründet, andererseits vor allem im nun in Gang gesetzten Prozess: Bis Ende 2018 sollen gewisse Massnahmen abgeschlossen sein und bereits spürbar werden. Danach sei mit einigen Anpassungen zu rechnen, so Thomas Bretscher.

Langenthaler Tagblatt

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