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Das Sesselrücken geht weiter

Kein Jahr nach dem Finanzverwalter hat auch die stellvertretende Stadtschreiberin von Langenthal gekündigt. Kommuniziert wurde der Abgang nicht. Der Gemeinderat nimmt nun die Verwaltungsführung unter die Lupe.

«Eine starke ­Nummer 2 könnte auch mal zur Nummer 1 werden», findet Langenthals Stadtpräsident Reto Müller.
«Eine starke ­Nummer 2 könnte auch mal zur Nummer 1 werden», findet Langenthals Stadtpräsident Reto Müller.
Thomas Peter

Gut zehn Jahre war Regula Schneider für die Langenthaler Stadtverwaltung tätig. Seit Juni 2016 als stellvertretende Stadtschreiberin und seit letztem Herbst zusätzlich als Leiterin der zentralen Dienste hatte sie eine wichtige Funktion inne innerhalb des Glaspalasts. Hatte, denn seit Donnerstag steht Schneider nun bei der IB Langenthal AG unter Vertrag. Ihren Posten bei der Stadt hatte sie im Herbst gekündigt. Ein Weggang, der zwar innerhalb der Verwaltung kommuniziert worden ist. Offiziell auch gegen aussen mitgeteilt wurde er allerdings nicht.

Selbst im mittlerweile von einer externen Stellenvermittlerin publizierten Inserat für eine Nachfolge der Stadtschreibervertretung übt man sich in Diskretion: Statt von Langenthal ist von einer «Stadt im schweizerischen Mittelland» die Rede. Die Frage drängt sich auf: Weshalb wird ein derart gewichtiger Abgang nicht offen kommuniziert? Die Antwort scheint naheliegend: Eine weitere Kündigung auf höchster Stufe steht der Stadt nicht eben gut.

Immer wieder Misstöne

Erst vor einem knappen Jahr gab der Weggang von Finanzverwalter Mark Bucher Anlass zu Diskussionen über die Vorkommnisse innerhalb der Langenthaler Verwaltung. Schon bei der Kündigung von Peter Moser als Leiter des Amtes für Bildung, Kultur und Sport 2014 war von fehlender Unterstützung der Amtsleiter die Rede.

Auch Bucher sprach nun von unterschiedlichen Auffassungen in der Führungsphilo­sophie. Stadtpräsident Reto Müller (SP) wie auch Stadtschreiber Daniel Steiner wiegelten damals aber ab: Etwaige Reibungen seien nicht aussergewöhnlich in einem Betrieb von der Grösse der Stadtverwaltung. Auch stellten die Abgänge keine Auffälligkeiten dar.

Regula Schneider will zu ihrer Kündigung keine Stellung nehmen. Dass ihr Weggang anders als noch derjenige von Mark Bucher nun nicht mehr offiziell vermeldet wurde, sei weder böse Absicht noch ein Versuch der Geheim­haltung, verwies Stadtpräsident Reto Müller auf die aktuelle Stellenausschreibung. Deren Anonymisierung sei aufgrund der Empfehlung der mit der Rekrutierung beauftragten Unternehmung erfolgt.

Mit diesem Vor­gehen habe man bereits im Rahmen der Neubesetzung der Leitung des Amtes für öffentliche Sicherheit positive Erfahrungen gemacht, erklärt der Stadtpräsident. «Es gibt interessantere Bewerbungen, wenn wirs anonymisiert ausschreiben.»

Interpretieren will Müller diese Feststellung allerdings nicht. Vorwürfe, wonach die Stadt als Arbeitgeberin in Fachkreisen einen schlechten Ruf habe, zumal es in der Vergangenheit zu vielen Wechseln gekommen ist innerhalb der Verwaltungsleitung unter der Führung von Stadtschreiber Daniel Steiner, lässt er unkommentiert. Der Gemeinderat gebe zu solchen Vorhaltungen und Gerüchten prinzipiell keine Stellungnahme ab.

Personalunion infrage gestellt

Tatsächlich aber habe sich die Exekutive im Verlauf des letzten Jahres und im Zusammenhang mit der Kündigung von Regula Schneider mit den Verwaltungsstrukturen auseinandergesetzt, sagt Müller: «In Form einer Funktionsanalyse, die aufzeigen sollte, wie wir das Geschäftsführungsmodell unserer Verwaltung für die Zukunft organisieren wollen.»

Die bereits erfolgte Aufwertung des Fachbereichs Personal sei ein Ergebnis dieser Analyse gewesen, erklärt der Stadtpräsident. Aber auch mit der Frage, wie die Nachfolgeregelung auf oberster Ebene aussehen solle, habe sich der Gemeinderat befasst. Nicht von ungefähr sei im Stelleninserat deshalb von einer «vielschichtigen Aufgabe mit Perspektive» die Rede. «Eine starke Nummer 2 könnte innerhalb der Verwaltung auch mal zur Nummer 1 werden.»

Beginnt der Stuhl von Daniel Steiner damit nach bald dreissig Jahren zu wackeln? «Nein», aber die 2010 installierte Personalunion von Stadtschreiber und Verwaltungsleitung sei nicht in Stein gemeisselt, sagt Reto Müller. Zwar habe diese Struktur ­insbesondere angesichts kurzer ­Wege und der einfachen Führung für den Gemeinderat viele Vorteile.

Gleichzeitig sei die Doppelfunktion aber auch sehr herausfordernd. Insofern werde es ganz darauf ankommen, welche Kompetenzen die künftige Stadtschreibervertretung mitbringe. Sollte sich herausstellen, dass diese über herausragende Fähigkeiten in der Verwaltungsleitung verfügt, so werde der Gemeinderat diese Stärken auch entsprechend einsetzen wollen.

Genauso gut könne es aber sein, dass die heutige Struktur unverändert beibehalten werde, sagt Müller. Die Führung der Stadtverwaltung sei heute fachlich wie organisatorisch gut. Auch hätten sich die entsprechenden Diskussionen daher nicht um die Personen, sondern einzig um deren Funktionen innerhalb der Organisation der Verwaltung gedreht.

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