Das Kartenspiel will gelernt sein

Langenthal

Schweizweit stagniert die Zahl der Bridge-Spieler,viele Clubs sind überaltert. Der Verein in Langenthal versucht dem mit einem Einführungskurs entgegenzuwirken.

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«Männer sagen immer, sie können logisch denken und gut jassen. Aber Bridge spielen wollen sie nicht», sagt Rosemarie Tobler, während sie die Regeln des komplizierten Kartenspiels zu erklären versucht (siehe Kasten). Seit Februar ist sie Präsidentin des Bridgeclubs Langenthal. Unter den 22 Vereinsmitgliedern ist derzeit nur ein Mann. «Das ist unerklärlich für mich», sagt sie.

Seit zwanzig Jahren ist die pensionierte Unternehmerin aus Herzogenbuchsee leidenschaftliche Bridgespielerin. Ihr gefällt vor allem, dass sie mehr Möglichkeiten hat, mit ihrem Spielpartner zu kommunizieren, als beim Jassen. «Bridge ist ein ideales Gehirnjogging für Jung und Alt.»Der Bridgeclub Langenthal wurde 1959 gegründet. Diesem wohnten früher vor allem gehobenere Damen bei. Heute setzt sich der Club aus verschiedensten Berufsgattungen zusammen. Aber: Fast alle Mitglieder sind pensioniert. «Wir sind überaltert», so Rosemarie Tobler.

Neue Herausforderung

Um jüngere Mitglieder und mehr Männer zum Spiel zu motivieren, führt der Bridgeclub derzeit einen Einführungskurs durch. «Wir hoffen, dass einige Teilnehmende danach dem Verein beitreten werden», so die Präsidentin, die vor zwanzig Jahren ebenfalls durch einen Kurs dazustiess.

Zum zweiten Mal treffen sich die zwölf Teilnehmenden an diesem Abend im Hotel Bären. Nach einem Theorieblock wird das Gelernte gleich angewendet. Partie um Partie üben sich die Neulinge im Bridgespiel, zu Beginn noch mit vereinfachten Regeln.

Das Ziel, jüngere Leute anzulocken, scheint erreicht worden zu sein: Unter den zwölf Kursteilnehmenden befinden sich zwei junge Frauen. Eine von ihnen ist Eva Uhlmann. Die 27-Jährige ist durch ihre Tante Marianne Gabi, die Mitglied im Bridgeclub Langenthal ist, auf den Kurs gestossen. Es gefalle ihr sehr gut, sagt sie. «Wir sind eine gute Gruppe. Alles wird Schritt für Schritt erklärt.»

Und auch Männer befinden sich unter den Neulingen. So etwa Peter Bergmann. Er möge die neue Herausforderung, sagt er. «Jassen kann ich, aber Bridge spielen gar nicht.» Die drei Frauen an seinem Tisch finden ebenfalls Gefallen am Spiel. «Ich bin einfach eine Spielerin», sagt etwa Christa Boner. Auch Einsteigerin Verena Kraus jasst sehr gerne. Sie habe viele begeisterte Spielerinnen in ihrem Freundeskreis und es deshalb einmal ausprobieren wollen.

Rund dreissig Stunden dauert der Einführungskurs. «Nach diesem kann man aber erst die Grundbegriffe», sagt Rosemarie Tobler. Bridge ist ein Kartenspiel mit vielen Regeln. Deshalb laute das Credo nach dem Kurs: spielen, spielen, spielen. Dieser Meinung ist auch Kursleiterin Annemarie Bichsel vom Bridgeclub ­Olten. Die pensionierte Werklehrerin führt als eine der wenigen in der Schweiz seit zwanzig Jahren Bridgekurse durch. Dies an der Volkshochschule, bei Pro Senectute oder bei Vereinen. Durch ihre langjährige Erfahrung mit Neueinsteigern weiss sie: «Es dauert etwa ein Jahr, bis jemand das Spiel beherrscht.»

Kindern fällt es leichter

In der Schweiz gibt es laut Annemarie Bichsel 4000 Bridgespielerinnen und -spieler. «Leider stagniert diese Zahl seit Jahren.» Grundsätzlich gebe es zu wenig junge Leute, die dem Kartenspiel frönten. Sie führt dies einerseits auf die fehlende körperliche Betätigung beim Bridgespiel zurück. «Wenn man jung ist, möchte man aktiv sein und sich bewegen. Da ist ein Kartenspiel nicht besonders attraktiv.» Andererseits hätten viele zu wenig Zeit dafür. Es wäre wichtig, das Spiel schon im Schulalter zu lernen, sagt Annemarie Bichsel. «Denn es fällt Kindern viel leichter als Erwachsenen.» In ihren Kursen treffe sie immer wieder auf Leute, die sich wünschten, sie hätten früher begonnen, sich mit Bridge auseinanderzusetzen.

Wer aber der Regeln einmal mächtig ist, den scheint es zu packen. «Es gibt viele Leute, die wie vergiftet spielen», sagt Rosemarie Tobler.

Berner Zeitung

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