Coop-Einbrecher wird jetzt ausgeschafft

Madiswil

Das Regional­gericht Emmental-Oberaargau verurteilt einen Rumänen wegen Diebstählen und anderer Delikte zu einem «Bedingten». Und schickt ihn nach Hause.

Fünf Mal ist der Rumäne in Coop-Filialen in Bätterkinden und Madiswil eingebrochen.

Fünf Mal ist der Rumäne in Coop-Filialen in Bätterkinden und Madiswil eingebrochen.

Johannes Hofstetter

Um 14.20 Uhr klingelte bei der Familie A.* in Rumänien gestern das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war O. Er teilte seinen Verwandten aus dem Saal des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau mit, dass er wegen mehrfachen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und diverser Sachbeschädigungen soeben zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden sei.

Alles in Frankreich verkauft

Aufgrund der Spuren und des Geständnisses des Angeklagten erachtete Einzelrichterin Nicole Fankhauser es als erwiesen, dass der Osteuropäer im Frühling und im Herbst letzten Jahres fünfmal in Coop-Filialen in Bätterkinden und Madiswil eingebrochen war.

Bei seinen Beutezügen ging er immer gleich vor: Erst wuchtete er mit einem Schraubenzieher oder einem ähnlichen Werkzeug die Haupteingangstüren auf. Dann klaute er Zigaretten und Feuerzeuge, die er in Frankreich verkaufte. Mit dem Geld, das er damit «verdiente», bestritt er seinen Lebensunterhalt und befriedigte er seine Spielsucht. Den Gesamtwert der Waren bezifferte die Staatsanwaltschaft auf gut 80 000 Franken. Der Sachschaden belief sich gemäss der Anklagebehörde auf 13 000 Franken.

Dass Fankhauser das Verfahren gestern in rekordverdächtigen 45 Minuten abwickeln konnte, hatte sie dem Umstand zu verdanken, dass sich der Pflichtverteidiger und der Vertreter der Staatsanwaltschaft schon vor dem Prozess auf ein Strafmass hatten einigen können, das die Richterin als «gerade noch angemessen» taxierte. Der Angeklagte kassierte nicht nur einen «Bedingten». Er muss – theoretisch – auch die Verfahrenskosten in fünfstelliger Höhe und einen Teil der Auslagen seines Anwalts bezahlen sowie Coop 100 000 Franken zurückerstatten.

Kein Glück in Deutschland

Wie er sich seine Zukunft vor­stelle, wollte Fankhauser von dem Beschuldigten wissen. «Ich möchte nach Rumänien zurückkehren», antwortete der 43-Jährige. Vor allem aber sei es ihm ein Anliegen, den Angehörigen mitteilen zu können, dass er noch lebe. Seine Familie habe von ihm seit Jahren nichts mehr gehört. 1993 verliess der Mann Rumänien, um sein Glück in Deutschland zu suchen. Dort schlug er sich unter Verwendung von zig Aliasnamen als Asylbewerber durch. Dann zog er weiter in die Schweiz.

Einen Bogen um die Schweiz

Gelegenheiten, sich mit der Verwandtschaft über seine Zeit im Westen zu unterhalten, hat der Mann schon bald: Er wird – auch das verfügte die Richterin – ausgeschafft und muss um die Schweiz in den nächsten sieben Jahren einen weiten Bogen machen. * Name der Redaktion bekannt

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...