Brass Band zügelt ins Zentrum

Das einzige Höchstklassorchester im Schweizer Mittelland testet drei neue Dirigenten. Bei der Oberaargauer Brass Band stehen aber nicht nur personelle Wechsel an.

Enrico Calzaferri?dirigierte die Oberaargauer Brass Band kürzlich an einem Firmenanlass. Am Samstag leitet er sie bei der Jahresgala im Langenthaler Stadttheater.

Enrico Calzaferri?dirigierte die Oberaargauer Brass Band kürzlich an einem Firmenanlass. Am Samstag leitet er sie bei der Jahresgala im Langenthaler Stadttheater.

(Bild: Robert Grogg)

Es war nicht immer eine Love­story. In den letzten Jahren lud die Oberaargauer Brass Band (OBB) für ihre Jahresgala jeweils in den Solothurner Konzertsaal. Weil es im Oberaargau keinen Konzertraum gebe, der den hohen Ansprüchen der Blasmusikanten genüge, so lautete die Begründung.

Doch im Moment hat das Aushängeschild der Oberaargauer Musikkultur mit den eigenen hohen Ansprüchen zu kämpfen. Nach den früheren grossen Erfolgen läuft es zurzeit etwas weniger gut. Ein bis vor wenigen Tagen verwaister Internetauftritt bestätigte diesen Eindruck. National und international gewinnt die Band zurzeit keine wichtigen Preise. Selbst für die traditionellen Weihnachtskonzerte – sie werden von einem eigenen Verein organisiert – wurde sie zuletzt durch Engländer ersetzt. Das nährte Gerüchte.

Romeo und Julia

Am Samstag könnten die nun zerstreut werden. Dann ruft die OBB zur Jahresgala 2016 erstmals ins Langenthaler Stadttheater. Aus Anlass des 400. Todesjahres von William Shakespeare steht das Konzert unter dem Titel «Lovestory». Natürlich Romeo und Julia dabei im Mittelpunkt. Verantwortlich für das Programm ist Enrico Calzaferri.

Er ist einer von drei Dirigenten, welche die OBB zurzeit testet. Musikalischer Direktor ist aber nach wie vor Armin Bachmann. Laut Präsident Richard Bobst hat der jedoch klar signalisiert, dass er diese Aufgabe in näherer Zukunft in jüngere Hände legen will. Bobst hofft, dass Bachmann dann das Präsidium der OBB übernehmen wird. Am Samstag wird Bachmann das Konzert moderieren.

Sich selber sieht Bobst als Übergangslösung in einer schwierigen Zeit. «Ich stamme nicht aus diesem Metier und bin mehr der Koordinator.» Der Vorstand besteht zurzeit aus lediglich vier Personen.

Sponsoren reagieren

Tatsächlich ist bei der OBB nun schon seit einiger Zeit von einem Neuaufbau die Rede. Genau genommen begann diese Phase bereits mit dem Rücktritt von Dirigent Manfred Obrecht und Präsident Hans-Jürg Käser. Nicht ­zuletzt die Reaktionen der Sponsoren auf das Engagement einer englischen Spitzenband für die traditionellen Weihnachtskonzerte gaben nun offenbar den Ausschlag für diverse Veränderungen.

Laut Bobst haben die Geldgeber nicht wegen des Leistungsniveaus der OBB reklamiert. «Die wichtigsten Geldgeber wollen vielmehr die Band hören, die sie finanziell unterstützen, und nicht eine aus­län­dische», so der Präsident.

Eine erste Massnahme ist die Verlegung der Jahresgala in den Oberaargau, eine zweite die des Geschäftssitzes von Wangen an der Aare nach Langenthal. Die Statutenänderung ist bereits beschlossen, alles andere angeblich nur noch eine Formsache. Präsident Richard Bobst sagt: «Wir wollen ganz bewusst ins Zentrum des Oberaargaus. Wir suchen wieder vermehrt das Publikum und freuen uns auf das renovierte Stadttheater.» Geübt wird allerdings weiterhin in Wiedlisbach.

Demnächst nach Belgien

Was Richard Bobst nicht direkt sagt: Die Sponsoren sind für die OBB geradezu überlebenswichtig. Die Auftritte an Wettbewerben wie dem Swiss Open Contest in Luzern, am Schweizerischen Brassbandwettbewerb in Mon­treux oder im Ausland kosten viel, bringen aber keinerlei Einnahmen. Der Jahresumsatz der Band beläuft sich auf rund 60'000 Franken.

Das ist mit ein Grund, dass die OBB kürzlich am Busjubiläum der Aare Seeland mobil spielte oder letztes Jahr die Begegnungszone in Wiedlisbach eröffnete. Die Band muss vermehrt bezahlte Auftritte annehmen. Beispielsweise für die bevorstehende Teilnahme am Flemish Open vom 15. bis 17. April im belgischen Meechelen. Die Anschläge in Brüssel sorgen zwar für Fragen, doch die Band will reisen. Tickets und Hotel sind bezahlt.

«Auftritte vor heimischem Publikum freuen die Sponsoren und bringen zudem Routine», sagt Bobst. Aus diesem Grunde will er auch das 2016 neu geschaffene Neujahrskonzert weiterführen.

Zum Abschneiden bei Wettbewerben und dem Leistungsniveau sagt der Präsident: «Die OBB gehört nach wie vor zu den zwölf besten Bands der Schweiz. Das sollte man nicht vergessen.» An der Spitze sei es aber extrem eng geworden. «Unser Ziel lautet deshalb: zurück in die erste Hälfte der Höchstklasse, also auf Rang sechs.»

Zuletzt versuchte die OBB dies mit dem speziell für Wettbewerbe engagierten Schotten Russel Gray. Jetzt wird aber ein neuer Dirigent gesucht. Sechs haben sich beworben. Drei werden getestet. Enrico Calzaferri ist verantwortlich für den Auftritt am Flemish Open und die Gala am Samstag.

Er absolvierte die Ausbildung zum Musikoffizier in der Militärmusik. In den Hauptfächern Blasmusikdirektion und Eufonium holte er an der Hochschule der Künste in Bern den Bachelor. Er leitete bereits verschiedene Formationen und wirkte als Gastdirigent bei der Swiss Army Brass Band.

Ende Jahr wird gewählt

Gian Walker wird das Kinder- und Familienkonzert am 14. Mai in der Wiedlisbacher Froburg gestalten und leiten. Christoph Luchsinger war für das erfolgreiche Neujahrskonzert zusammen mit dem Langenthaler Slampoet Valerio Moser in der Kirche Geissberg verantwortlich. Er wird die OBB ausserdem auf den Schweizerischen Brassbandwettbewerb im September in Montreux vorbereiten.

Ende Jahr will der Vorstand zusammen mit den Registerführern den neuen Dirigenten wählen.

Jahresgala der OBB: Stadttheater Langenthal, Samstag, 2. April, 20 Uhr. Vorverkauf: www.­ticketino.com und Abendkasse ab 19 Uhr. Die Plätze sind nummeriert.

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