Besuch vom rechten Rand

Aarwangen

Die Pnos organisierte seit Jahresbeginn zwei Anlässe in der Region. Beide Male lud sie Rechtsextreme aus dem Ausland ein. Auch in einer Hütte der Burgergemeinde Aarwangen fand ein solcher Anlass statt.

Das Spichigwaldhaus der Burgergemeinde Aarwangen: Hier trafen sich die Pnos-Leute und ihre Bekannten aus Russland.

Das Spichigwaldhaus der Burgergemeinde Aarwangen: Hier trafen sich die Pnos-Leute und ihre Bekannten aus Russland.

(Bild: Thomas Peter)

Quentin Schlapbach@qscBZ

Die Balalaika erklang im Spichigwaldhaus Aarwangen am Sonntag, dem 12. Februar. Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) lud zum «Russischen Kulturtag» ein. Zu Gast waren an diesem Tag auch kampferprobte Nationalisten aus Russland.

«White Rex» nennt sich die Gruppe rund um Denis Nikitin, seines Zeichens Käfigkämpfer und Gründer einer einschlägig bekannten Kleidermarke. Gemäss neusten Recherchen der «SonntagsZeitung» dürfte Nikitin auch der Anführer der russischen Hooligans an der Fussball-EM 2016 in Marseille gewesen sein. Die Krawalle damals forderten mehrere Schwerverletzte.

Ums Kämpfen ging es auch bei Nikitins Besuch in der Schweiz. Am Samstag, dem Tag vor dem Treffen im Spichigwaldhaus, gaben die russischen Nahkampf­experten den Pnos-Leuten in Bettwiesen TG einen Selbstverteidigungskurs. In Aarwangen ging es dann gemütlicher zu und her: Russische Volksmusik, Gulasch und ein Vortrag über den Antikommunismus im 21. Jahrhundert standen auf dem Programm.

Vermieter wusste von nichts

Ein Treffen mit russischen Nationalisten mitten im Spichigwald. Wusste die Burgergemeinde Aarwangen davon? Sie ist die Eigentümerin des Spichigwaldhauses, das für Anlässe gemietet werden kann.

«Wir hatten bei der Vermietung vom 12. Februar in keiner Weise Kenntnis davon, dass es sich um einen Partei­anlass der Pnos handelt», teilt die Burgergemeinde auf Anfrage mit. «Auch im Nachhinein haben wir nicht erfahren, dass die Pnos einen Anlass in unserem Waldhaus durchgeführt hat.»

«Nach der politischen oder der religiösen Ausrichtung können wir die Mieter nicht be­fragen.»Stellungnahme der Burgergemeinde Aarwangen

Die ­Hütte sei an diesem Tag an eine Einzelperson vermietet worden. «Selbstverständlich prüfen wir so weit wie möglich, wer die jeweiligen Mieter sind. Nach der politischen oder der religiösen Ausrichtung können wir die Mieter jedoch nicht befragen», schreibt die Burgergemeinde weiter in einer Stellungnahme.

«Das ist scheinheilig»

Besonders genau hingeschaut hat die Burgergemeinde sicherlich nicht. Im Internet hätte man mit einem Klick herausfinden können, dass die Person, welche am 12. Februar die Hütte mietete, in Pnos-Kreisen verkehrt.

Parteipräsident Dominic Lüthard sagt, es sei normal, dass seine Partei die Waldhütten jeweils über eine Einzelperson miete. «Es liegt in der Verantwortung der Vermieterin, abzuklären, mit wem sie es zu tun haben. Wenn man uns nach unserer politischen Gesinnung fragt, spielen wir mit offenen Karten.»

«Dass Vermieter angeblich nicht ­wissen, wer ihre Hütte mietet, ist  oft scheinheilig.»Dominic Lüthard, Pnos-Präsident

Er kauft der Burgergemeinde ihre Unwissenheit jedenfalls nicht ab. «Dass Vermieter angeblich nicht wissen, wer ihre Hütte mietet, ist oft scheinheilig. Sie sagen das nur, weil sie Angst vor linken Chaoten haben, die ihre Hütten verwüsten könnten.

Oder vor den Medien, die sie in ein schiefes Licht rücken.» Pnos-Mitglieder haben die Spichigwaldhütte schon mehrere Male für Anlässe gemietet – ohne Probleme, so Lüthard.

Ein Neonazi mit Radiosender

Keine Mühe, eine geeignete Lokalität zu finden, hatte die Pnos auch am 1. April. Da trafen sich in Madiswil rund zwanzig Leute aus der rechtsextremen Szene im Blockhaus neben dem Saloon. Einen «internen Schulungsanlass» nannte die Partei das Treffen. Die Lektionen erteilte an diesem Tag Patrick Schröder.

Der Deutsche ist Funktionär der rechtsextremen Partei NPD und betreibt ausserdem das Internetradio FSN. Die «Süddeutsche Zeitung» schrieb kürzlich in einem Porträt über Schröder: «Ein Radio unter dem Motto «Hören macht frei» zu betreiben, Hitler-Bilder (...) zu zeigen und in jedem zweiten Satz anzuzweifeln, dass die NSDAP wirklich so schlimm war - wer damit durchkommt, triumphiert über den Rechtsstaat. Tag für Tag, Woche für Woche.»

Man kann nur spekulieren, ob solche Inhalte auch am 1. April in Madiswil vermittelt wurden. Der Anlass sei «eine gute Sache» gewesen, sagt Pnos-Parteipräsident Dominic Lüthard rückblickend.

Friedlich und ohne Störgeräusche sei alles gelaufen. Das sagt auch Stefan Nyffeler, Pächter des Saloons Madiswil, der das Blockhaus vermietet hat. Er habe zwar gewusst, dass es sich bei der Mieterschaft um ein Pnos-Mitglied handelte.

Allerdings ging Nyffeler davon aus, dass dieser das Blockhaus für einen Privatanlass mietete und nicht für einen Parteianlass. Vom speziellen Gast aus Deutschland habe er jedenfalls keine Kenntnis gehabt, sagt Nyffeler.

«Wir sind stark verwurzelt»

Fakt ist: Genau hinschauen, wer in den Hütten zu Gast ist, wollten weder die Burgergemeinde noch die Saloon-Betreiber. Daraus schlägt die Pnos Profit. «Wir haben keine Mühe, im Oberaargau Hütten zu mieten.

Wir sind hier in der Region stark verwurzelt», sagt Lüthard selbstbewusst. Exponenten aus Europas rechter Szene werden so wohl weiterhin regelmässig im Oberaargau zu Gast sein.

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