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Bei 90 Dezibel über Politik sprechen

Das Jugendparlament Oberaargau ist auf der Suche nach Mitgliedern. Mit einem Konzert im Old Capitol haben die Verantwortlichen nun versucht, für das Angebot zu werben.

Joël Bur (links) informiert über die politische Plattform.
Joël Bur (links) informiert über die politische Plattform.
Olaf Nörrenberg

Schon kurz nach Türöffnung strömen die ersten Jugendlichen an diesem Samstagabend ins Old Capitol. Einige haben es sich schon vor der Bühne bequem gemacht, um ihren Platz in der ersten Reihe zu sichern. Sie sind hier, um S. O. S. zu sehen. Die Berner Rap-Gruppe ist bei den Jungen sehr beliebt. Es ist genau die Zielgruppe, welche die Veranstalter an diesem Abend ansprechen wollen. Es geht nämlich nicht nur um Hip-Hop, sondern auch um Politik und vor allem die Zukunft des Jugendparlaments Oberaargau (JPO). Denn um die ist es nicht gut bestellt.

Auf eigenen Beinen stehen

In den vergangenen Jahren ist das Engagement bei der politischen Jugendplattform bis auf ein Minimum geschrumpft (wir berichteten). Daraufhin hat der Trägerverein offene Kinder- und Jugendarbeit Oberaargau (Tokjo) im letzten Jahr die operative Leitung des JPO übernommen. Innerhalb von zwei Jahren wollen die Verantwortlichen versuchen, das Parlament wieder neu aufzustellen. Das Ziel ist klar: Die Plattform soll in Zukunft ­wieder auf eigenen Beinen stehen können.

Dazu braucht es aber vor allem eines: neue, engagierte Mitglieder im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Kein einfaches Unterfangen in der heutigen Zeit, in der viel von Politikverdrossenheit gesprochen wird.

An einer für Jugendliche attraktiven Veranstaltung wie dem Konzert im Old Capitol wird deshalb der Versuch gestartet, mit der Zielgruppe in Kontakt zu treten.

Es sei nicht leicht, die Jugendlichen für die Idee zu begeistern, gibt auch Joël Bur zu. Er ist Jugendarbeiter bei Tokjo und versucht an diesem Samstagabend, die Jugendlichen mit Flyern und Gesprächen über das politische Angebot zu informieren.

Bur glaubt, dass das fehlende Interesse auch etwas mit dem Zeitgeist zu tun hat. «Es scheint nicht mehr das grosse Bedürfnis da zu sein, sich politisch zu engagieren», so der Jugendarbeiter.

Das merke er auch in der Arbeit mit den Jugendlichen. «In ihrer Freizeit wollen sie lieber Zeit mit ihren Freunden verbringen, Musik hören und abhängen», sagt Bur weiter.

Erschwerend kämen die ganzen sozialen Netzwerke hinzu: «Heute kann jeder auf Facebook oder Instagram mit einem Klick auf ‹gefällt mir› seine Meinung kundtun. Vielen scheint das zu reichen», sagt er.

Man müsse den Jugendlichen aber klarmachen, dass sie damit nichts verändern. «Wir versuchen ihnen aufzuzeigen, dass man aktiv etwas ändern kann. Es reicht nicht, die Faust im Sack zu machen.»

Das Jugendparlament sei dafür eine gute Gelegenheit. Weit über politische Richtungen und Parteigrenzen hinaus könne über jugendrelevante Themen debattiert und ei­gene Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Ohne neue Mitglieder aber sieht die Zukunft für das JPO düster aus.

Zukunft ist offen

Wie die Verantwortlichen nach dem Konzert weiter verfahren möchten, ist noch offen. «Wir planen Schritt für Schritt», sagt Joël Bur. Mit der Veranstaltung sind die Organisatoren am Tag danach sehr zufrieden.

Es sei zwar schwierig, bei 90 Dezibel mit Jugendlichen über Politik zu sprechen. Der Rahmen der Veranstaltung sei aber hilfreich gewesen, um die entsprechende Zielgruppe zu erreichen:«Immerhin haben so 480 junge Menschen mal etwas vom Jugendparlament gehört», sagt Joël Bur. Er hofft nun, dass sich einige von ihnen melden.

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