Bauleiter handelte nicht fahrlässig

Im August 2015 stürzte in Langenthal ein Bauarbeiter von einem Gerüst und verletzte sich. Der verantwortliche Bauführer wurde verurteilt. Gegen den Strafbefehl erhob er Einsprache – und wurde freigesprochen.

Laut dem Richter wurde keine Verletzung der Sorgfaltspflicht des Bauleiters festgestellt. Das Gerüst war in Ordnung (Symbolbild).

Laut dem Richter wurde keine Verletzung der Sorgfaltspflicht des Bauleiters festgestellt. Das Gerüst war in Ordnung (Symbolbild). Bild: Fotolia

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«Plötzlich rutschte der Lauf des Fassadengerüsts unter meinen Füssen weg, und ich fiel vom ersten Stock in die Tiefe», sagte der im August 2015 in Langenthal verunfallte Storenmonteur vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau über den Unfallhergang. Im Fallen sei er an einem Rohr angeschlagen und weggespickt worden. Weiter wisse er nichts mehr, denn er habe erst tags darauf im Spital das Bewusstsein wiedererlangt. Ein wegrutschender Gerüstlauf habe zum Sturz geführt, erklärte er.

Lockeres Laufelement?

Seiner Meinung nach sei das Gerüst in Ordnung gewesen, sagte ein Mitarbeiter der Suva aus. Als Verantwortlicher für Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen kontrollierte er das Gerüst etwa einen Monat vor dem Unfall und fand, es sei in Ordnung. Das entsprechende Kontrollblatt sei vorhanden. Wenn wirklich irgendwo ein Laufelement locker und mit dem Fuss verschiebbar gewesen wäre, hätte er dies festgestellt.

Im gleichen Sinn äusserte sich der verantwortliche Bauführer. Er habe das Gerüst nach dessen Erstellung abgenommen und als in Ordnung befunden. Noch zwei Tage vor dem Unfall habe eine Routinekontrolle nichts Aussergewöhnliches ergeben.

«Noch zwei Tage vor dem Unfall hat eine Routinekon­trolle nichts Aus­sergewöhnliches ­ergeben.»Der beschuldigte Bauführer

Kritisch äusserte sich auch der Anwalt des Bauführers zu den Aussagen des Verunfallten. Dieser habe im Lauf der Ermittlungen widersprüchliche Aussagen zum Unfallhergang gemacht, sagte er. In der ersten Einvernahme habe er sogar zugegeben, sich auf dem Gerüst unkonzentriert verhalten zu haben. Diese Aussage sei falsch verstanden worden, sagte die Anwältin des Storenmonteurs, ihr Mandant sei eben der deutschen Sprache nicht mächtig, und eine übersetzende Person habe bei dieser Einvernahme gefehlt.

Sturz mit Folgen

Der Storenmonteur litt nach dem Sturz an Bein- und Rückenschmerzen. Wie er vor Gericht aussagte, wird er immer noch von diesen Schmerzen geplagt. Hinzu kämen noch Arbeitslosigkeit, Depressionen und finanzielle Probleme, sagte seine Anwältin. Sie verlangte für ihren Mandanten Genugtuung und Schadenersatz.

Nach der Unfalluntersuchung flatterte dem Bauführer ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ins Haus. Er habe das Fassadengerüst nicht vorschriftsgemäss erstellt und werde seiner Fahrlässigkeit wegen zu einer Geldstrafe und zur Übernahme der Gebühren verurteilt. Gegen dieses – seiner Meinung nach ungerechte – Urteil erhob der Bauleiter Einsprache.

Richter beurteilt Fall anders

Gerichtspräsident Roger Zuber beurteilte den Sachverhalt anders als die Staatsanwaltschaft. Er sprach den Bauführer von der Anklage frei, beim Aufstellen des Fassadengerüsts fahrlässig gehandelt zu haben. «Ich stelle keine Verletzung der Sorgfaltspflicht fest», sagte er in der Urteilsbegründung. Mit seinem Urteil hob Zuber den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 26 Januar 2016 auf.

(Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 13.09.2017, 19:26 Uhr

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