Aarwangen

Ausgleichsmassnahmen sollen Schaden minimieren

AarwangenAls «verträglich» stuft eine erste Voruntersuchung die Umfahrungsstrasse für die Umwelt ein – allerdings nur, wenn entsprechende Ausgleichsmassnahmen getroffen werden. Zu spüren bekämen diese primär die Bauern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Argumente gegen eine Umfahrungsstrasse finden nicht nur die Landwirte im Bützbergtäli. Grundsätzlich stehen Naturschützer dem 36-Millionen-Franken-Projekt eher ablehnend gegenüber. Unter anderem eine Zerstückelung von wertvollem Kulturland, beliebtem Naherholungsgebiet und wichtigem Lebensraum für bedrohte Arten führen auch die Grünen Oberaargau ins Feld.

Die Projektverantwortlichen seien sich der Umweltproblematik bewusst, erklärt Daniel Zoller vom kantonalen Tiefbauamt als Leiter des Vorprojekts zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord. Deshalb werde diese in einem ersten Umweltverträglichkeitsbericht auch bereits jetzt beleuchtet und nicht wie an sich üblich erst im Rahmen des späteren Strassenplanverfahrens.

Das Fazit des Berichts, der im Rahmen der laufenden Mitwirkung im Kornhaus Aarwangen derzeit öffentlich einsehbar ist: Aus heutiger Sicht und «aus rechtlichen Aspekten» könne die Umfahrungsstrasse als umweltverträglich beurteilt werden – sofern die vorgesehenen Massnahmen und allfällige weitere konsequent umgesetzt würden.

Insbesondere auf die Oberflächengewässer sowie auf Flora, Fauna und Lebensräume habe das Strassenbauvorhaben doch «grosse» respektive «erhebliche Auswirkungen», hält der Bericht fest. Insgesamt rund 3,7 Hektaren Bodenfläche würden durch die ungefähr 3,9 Kilometer lange Strasse mit ihren Zufahrten permanent verloren gehen – davon 1 Hektare Wald beim Nordanschluss und 2,7 Hektaren Fruchtfolgefläche primär in den Bereichen Mitte und Anschluss Süd.

Die Pfeiler der zu erstellenden Aarebrücke etwa liegen im geschützten Uferlebensraum. Die Überquerung verschiedener Wiesenbäche führt zum Verlust geschützter Ufervegetation. «Temporäre und definitive Rodungen» von Waldflächen hätten «eine Zerschneidung des Waldes und somit des Lebensraums des Wildes zur Folge», heisst es im Bericht. Es wäre folglich mit Unfällen mit Wildtieren zu rechnen. Im Bereich Banwald etwa würden die Lebensräume mehrerer stark gefährdeter Amphibienarten zerstört.

Entgegenhalten will der Kanton diesen massiven Eingriffen in die Natur, die heute zugleich beliebtes Naherholungsgebiet bildet, mit verschiedenen Ersatzmassnahmen. Vorgesehen sind etwa eine Ausdolung und Renaturierung des Teuffetalbachs zwischen Meiniswilstrasse und Spichigwald, das Schaffen von Aufwertungsräumen für den Biber im Aarebereich oder Ersatzstandorten für Amphibien im Gebiet Banfeld, ökologische Aufwertungen im offenen Ackerland oder auch das Pflanzen neuer Magerwiesen zur Sicherung des Artenreichtums. Offen ist, ob es auch zum Landumlegungsverfahren kommt.

Tatsache ist, dass Renaturierungsmassnahmen den aktuellen Plänen zufolge letztlich gar mehr Land beanspruchen werden als die eigentliche Strasse. Entsprechend besorgt zeigen sich die betroffenen Landwirte. Die Umfahrung vertrage sich nur auf Kosten der Bauern mit dem dortigen Smaragdgebiet, hielt unlängst Thomas Aeschlimann gegenüber dieser Zeitung fest. Allein die Renaturierung des Teuffetalbachs hätte für den Landwirten am Moosberg einen erheblichen Verlust seines heutigen Kulturlands zur Folge – zusätzlich zu dem Verlust, den er durch die Strassenführung an sich schon zu verzeichnen hätte.

Es handle sich bei den aufgezählten Ersatzmassnahmen erst um Vorschläge, betont Projektleiter Daniel Zoller. Die konkreten Schritte würden erst im Rahmen des Strassenplanverfahrens festgelegt.

Für Nadine Masshardt, Co-Präsidentin des Vereins Smaragdgebiet Oberaargau als Träger des Projekts zum Erhalt und zur Förderung einer vielfältigen und attraktiven Natur und Landschaft, wären Ersatzmassnahmen bei einem Strassenbau unverzichtbar. Allein schon deshalb stehe sie einer Umfahrung aber nach wie vor ablehnend gegenüber, so die SP-Nationalrätin.

Nicht nur, weil der Eingriff in die Natur massiv wäre. «Für mich persönlich ist es doch sehr fraglich, zuerst Investitionen zu tätigen ins Smaragdgebiet, dann eine Strasse zu bauen und somit erneut Renaturierungsmassnahmen ergreifen zu müssen», verweist sie auf die eben erst abgeschlossene fünfjährige Aufwertungsphase des Smaragdgebiets Oberaargau. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2015, 05:58 Uhr

Artikel zum Thema

Angst um die Natur im Bützbergtäli

Aarwangen Landwirte aus dem Bützbergtäli wehren sich gegen die geplante Umfahrung Aarwangen. Aus ihrer Sicht würde die neue Strasse nicht nur wertvolles Kulturland zerstören, sondern auch ein ganzes Naherholungsgebiet. Mehr...

Umfahrung: Fluch oder Segen?

Thunstetten Die Umfahrungsstrasse von Aarwangen werde den Ausweichverkehr über Thunstetten fördern, warnt der frühere FDP-Gemeinderat Stefan Krähenbühl. Er fordert jetzt schon Einschränkungen und ein Lastwagenfahrverbot. Mehr...

Region Oberaargau will die Umfahrung

Jetzt ist klar, welche Haltung die Region Oberaargau zur Verkehrssanierung Aarwangen Langenthal-Nord einnimmt: Der Vorstand ist einstimmig für den Bau der Umfahrungsstrasse. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Blogs

Mamablog Crashkurs für Eltern

Politblog Arnold Koller und der Zuchtziegenbock

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...