Ausbauen vor dem Kollaps

Künftig soll die A 1 auch durch den Oberaargau sechsspurig verlau­fen. Diese Massnahme sei nötig, heisst es an der Medienkonferenz. Das Projekt führt aber auch zu Landverlust.

Die Autobahn wird breiter, damit geht aber auch Kulturland verloren. Gut zeigen das die Bauprofile bei der Brücke Hasenrain in Oberbipp.

Die Autobahn wird breiter, damit geht aber auch Kulturland verloren. Gut zeigen das die Bauprofile bei der Brücke Hasenrain in Oberbipp.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Engpässe, Staus, die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Oder wie es Richard Kocherhans, Filialchef des Bundesamtes für Strassen (Astra) in Zofingen, sagt: «Diese Strecke ist überlastet.»

«Diese Strecke ist überlastet.»Richard KocherhansFilialchef Astra

Mit «dieser Strecke» meint er den Autobahnabschnitt der A 1 zwischen Luterbach und Härkingen. An der gestrigen Pressekonferenz erklärt er, was auf die 15 Gemeinden dieses Abschnitts in den nächsten Jahren zukommt, bis die zwei neuen Spuren (von vier auf sechs) realisiert werden können.

Obschon nur drei Medienvertreter den Weg in den Bienkensaal in Oensingen gefunden haben, ist das Interesse am Aus­bau der Autobahn grundsätzlich gross, gerade auch in den betroffenen Oberaargauer Gemeinden Niederbipp, Oberbipp, Wiedlisbach und Wangen an der Aare.

Die A1 soll auf einer Gesamtlänge von 21,9 Kilometern zwischen Luterbach und Härkingen sechsspurig ausgebaut werden.

Das gesamte Projekt beläuft sich auf eine Länge von 21,9 Kilometer. Eine Strecke, die eine wichtige Transitverbindung im Nah- und Fernverkehr ist. Gemäss dem Astra fahren zwischen Luterbach und Härkingen täglich circa 93'000 Fahrzeuge. Bis im Jahr 2030 sollen es 113'000 sein.

Viele Unfälle

Wie Kocherhans sagt, kämpfe die Nationalstrasse entlang des Jurasüdfusses mit einer frappanten Verkehrsentwicklung. Die Belastung nehme laufend zu, während jene auf den Kantons- und Gemeindestrassen konstant bleibe. «Diese Verlagerung führt zu einer Zunahme der Staus in Dauer und Länge», sagt Kocherhans.

Doch auch die Zahl der Unfälle steigt laut dem Astra an. Circa 200 Verkehrsunfälle mit 150 Verletzten ereignen sich zwischen Luterbach und Härkingen jedes Jahr. Häufig sind es Auffahrunfälle auf der linken Fahrspur.

Geplant sind nicht nur zwei neue Fahrspuren, sondern Instandsetzungen bei 35 Gebäuden, 6 Neubauten oder neue Strassenabwasser-Behandlungsanlagen. Konkret verbreitert sich die Autobahn um 6 auf 32 Meter. Dafür muss im Kanton Solothurn wie auch im Oberaargau wertvolles Kulturland weichen.

Neue Flächen erheben

Entstehen soll auch eine zusätzliche dritte Brücke über die Aare, gleich bei der Ausfahrt in Wangen. Zudem soll eine zusätzliche Verbindung für Fussgänger und Velofahrer beide Aareufer miteinander verbinden. Ebenfalls in Wangen ist eine 30 Meter lange und 5,5 Meter hohe Wildtierunterführung geplant.

«Noch konnten wir keine Kompensationsflächen ausscheiden.»Manfred MisteliProjektleiter Astra

Durch den Autobahnausbau fällt im Kanton Bern landwirtschaftlich nutzbare Fläche weg. In Zusammenarbeit mit den Fachbehörden der Raumplanung habe man 9000 Quadratmeter für die Kompensation von Fruchtfolgeflächen feststellen können, sagt Manfred Misteli.

Er ist Projektleiter beim Astra in Zofingen. «Noch konnten wir aufgrund der Daten aber keine konkreten Kompensationsflächen ausscheiden.» Das grösste Potenzial liege bei neu erhobenen Flächen mit Fruchtfolgefläche-Qualität. Also solchen mit besonders wertvollem Boden.

Bauphasen dauern acht Jahre

Auch beim Lärmschutz kommen einige Bauarbeiten auf die betroffenen Gemeinden zu. In Wangen ist eine neue Lärmschutzwand geplant, eine weitere soll verlängert werden. In Niederbipp bleibt eine Einzelwand bestehen, und zwei weitere werden erhöht. Nicht genug, findet der Bipper Gemeinderat und kündigt eine Petition an (siehe Text links).

Der Ausbau der A 1 soll frühestens im Jahr 2022 beginnen, in mehreren Phasen verlaufen und acht Jahre dauern. Dafür fallen Kosten von total circa 886 Millionen Franken an. Morgen Mittwoch findet im Salzhaus in Wangen um 19 Uhr dazu ein öffentlicher Informationsanlass statt.

Langenthaler Tagblatt

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