Aus dem Schlafzimmer zur Bestzeit

Ein Grund, weshalb Adrian Lehmann am Berlin-Marathon persönliche Bestzeit lief, ist seine spezielle Vorbereitung: Der Langenthaler hatte zu Hause im Liebefeld ein Höhenzimmer eingerichtet.

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Die ungewöhnliche Vorbereitung auf den Berlin-Marathon hat sich für Adrian Lehmann ausgezahlt: Der Langenthaler Langstreckenläufer bewältigte vor zwei Tagen die 42,195 Kilometer lange Stadtbesichtigung mit Ziel am Brandenburger Tor in der persönlichen Bestzeit von 2:15:08 Stunden.

Lehmann verbesserte seine Bestmarke um 2:17 Minuten. Der 25 Jahre alte LVL-Athlet wurde 23., die Olympialimite verpasste er um 1:08 Minuten. Im Frühling unternimmt Lehmann den nächsten Anlauf, das Ticket für Rio de Janeiro zu lösen.

Im Liebefeld auf 2500 m ü.M.

Lehmann testete eine aussergewöhnliche Trainingsmethode in der Vorbereitung auf den Berlin-Marathon: Er richtete bei sich zu Hause im Könizer Quartier Liebefeld ein Höhenzimmer ein. Der gelernte Konstrukteur lieh sich für seinen vierwöchigen Trainingsblock von der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (EHSM) einen Generator aus, der Sauerstoff aus der Umgebungsluft herausfiltern kann. Mit diesem Prozess kann eine beliebige Höhe im Raum simuliert werden; folglich auch Bedingungen, wie sie auf dem 8848 Meter hohen Mount Everest herrschen würden.

«Ich entschied mich für eine Höhe von 2500 Metern. Das entspricht ungefähr dem Höhenplateau in Kenia oder der Bergstation Muottas Muragl oberhalb von St.Moritz. An beiden Orten habe ich schon vierwöchige Trainingslager abgehalten», sagt Lehmann.

Der innovative Ausdauersportler stellte den Generator auf den Balkon. Über einen Kunststoffschlauch wurde die gefilterte Höhenluft ins abgedichtete Schlafzimmer geleitet. «Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, musste ich mich mindestens zehn Stunden lang im Zimmer aufhalten», erzählt Lehmann.

Von der Höhe habe er nicht viel gemerkt. «Mir fiel jedoch auf, dass ich in dieser Zeit mehr Schlaf nötig hatte und mehr trinken musste. Mein Körper brauchte offensichtlich mehr Energie, um sich während der Nacht zu regenerieren.» Nach dem vierwöchigen Trainingsblock, in welchem Lehmann 200 Kilometer pro Woche absolviert hatte, testete er am Halbmarathon in Sarnen seine Form.

«Es lief mir nicht nach Wunsch. Ich fühlte mich müde und blieb gut eine Minute über meiner erwarteten Endzeit», sagt Lehmann. Einen Tag später liess er in Magglingen die Blutwerte untersuchen. Und siehe da: «Sie waren hervorragend – besser als nach dem Trainingslager in Kenia. Das gab mir Zuversicht für den Berlin-Marathon.»

Vorbereitung im Schlaf

Nach dem vorzüglichen Auftritt am Sonntag in Berlin genoss der 1,73 Meter grosse und 59 Kilogramm schwere Oberaargauer einen freien Tag in Berlin. «Zuerst wurden wir in der Schweizer Botschaft empfangen. Am Abend ging ich mit Freunden ins Kino», erzählt Lehmann. Auf seinen fünften Marathon im Frühling 2016 werde er sich wieder mit dem Höhengenerator vorbereiten. Das in den Vereinigten Staaten hergestellte Gerät kostet 3500 Franken.

Für die Leihgebühr kommt Swiss Athletics auf, die EHSM unterhält mit den Nationalteams Rahmenverträge. Dem Vernehmen nach trainieren auch der Skilangläufer Dario Cologna und der Mountainbiker Nino Schurter mit dem Höhengenerator. «Zuerst gehe ich vier Wochen nach Afrika, den zweiten Höhenblock verbringe ich wieder im Schlafzimmer», meint Lehmann mit einem Schmunzeln.

Berner Zeitung

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