Aufeinandertreffen im Leuebrüggli

Langenthal

Eine Ausstellung dokumentiert Beat Wälchlis Verbindung mit Susi Kramer und Hans Sieverding.

Stellen gemeinsam aus: Susi Kramer und Beat Wälchli, im Hintergrund eine Arbeit des verstorbenen Künstlerfreundes.

Stellen gemeinsam aus: Susi Kramer und Beat Wälchli, im Hintergrund eine Arbeit des verstorbenen Künstlerfreundes.

(Bild: Thomas Peter)

Brigitte Meier

«C’est si bon», singt Eveline Inès Bill an der Vernissage. Denjenigen, die letztes Jahr die Gartenoper besucht haben in Langenthal, ist die Mezzosopranistin, begleitet von Julien Paillard am Akkordeon, als Gräfin noch in bester Erinnerung. Initiant und Präsident des Vereins Gartenoper Langenthal ist bekanntlich Beat Wälchli.

Neben der Musik widmet sich der passionierte Kunstkenner und Galerist auch selber der Kunst. Er fotografiert und malt schon seit über 20 Jahren. Sein eigenes Schaffen ist es denn auch, das der Aarwanger zum inzwischen dritten Mal in der Galerie L. zeigt, wie sich das ehemalige Leuebrüggli heute nennt.

Vertrautes und Fremdes

«Meine Bilder entstehen intuitiv. Mich fasziniert nicht die reine Fotografie, sondern der mehrschichtige schöpferische Prozess», sagt der 69-Jährige. «Je älter man wird, desto mehr beschäftigt man sich auch mit dem Innenleben», sinniert er beim Betrachten seines Bildes «Einblicke».Wälchli möchte die Schönheit des scheinbar Unsichtbaren ästhetisch darstellen. Genau so, wie es Paul Klee einst in Worte gefasst hat: «Nicht Sichtbares zeigen, sondern sichtbar machen.»

So bearbeitet Beat Wälchli Fotos, die unter dem Mikroskop entstanden sind, übermalt den Ausdruck, reproduziert ihn mehrmals – bis ihn das Ergebnis schliesslich überzeugt. Aus der Vielfalt der Formen entstehen so Einblicke in eine Welt, die vertraut und gleichzeitig fremd erscheint. Es ist auch «Kunst aus dem Alltag», entstanden aus den häufigen Störungen des Fernsehgerätes, die Wälchli zeigt.

«Zunächst habe ich mich aufgeregt, aber dann habe ich Hunderte der zufällig entstandenen Bildbewegungen fotografiert, mit Acrylfarbe bestrichen, geschliffen oder geglättet», erklärt er. So hat er Fotografien neu interpretiert, etwa ein verpixeltes Bild, das fragmentarisch Gesichtszüge von Coco Chanel andeutet.Den defekten Fernseher hat er übrigens nicht reparieren lassen.

Verschieden und doch gleich

Auch Werke von Hans Sieverding sind in der Ausstellung vertreten. Der deutsche Maler war mit seinen vorwiegend abstrakten Malereien immer wieder in Wälchlis eigener Galerie 89 in Aarwangen vertreten; zwischen den beiden Kunstschaffenden war so eine langjährige Freundschaft entstanden. Im Januar dieses Jahres ist Sieverding 82-jährig verstorben. Sein Schaffen wird indes weiterleben, denn Wälchli wird seine Werke in der Schweiz auch künftig betreuen.

Regelmässig stellt er als Galerist ebenso die Werke von Susi Kramer aus, die zeitweise in Cannes lebt und arbeitet. In der Ausstellung in Langenthal versprühen ihre Stelen aus Acrylglas mit eingegossenen Farbelementen Transparenz, Licht und südliche Stimmung.

Gymnasiallehrer Robert Zemp betonte in seiner Ansprache, dass die drei Kunstschaffenden unterschiedlich arbeiteten. Ihre Neugier und Aufmerksamkeit dem Leben und Lebendigen gegenüber sowie der Anspruch und die Freude, sich mit den Mitteln der Kunst auseinanderzusetzen, seien aber allen gemeinsam.

Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–17 Uhr (an der Kulturnacht vom 3. Mai auch 19–23 Uhr), Sa 14–17 Uhr, So 11–17 Uhr. Galerie L., Jurastrasse 29, Langenthal. Bis 19. Mai 2019.

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt