Huttwil

An die Euphorie der ersten Jahre anknüpfen

HuttwilDas Städtchen soll sich das Bestimmungsrecht über den Campus Perspektiven zurückholen: Unter dieser Maxime kündigt die Betreiberin an, die Anlage kaufen zu wollen.

Über 50 Food-Trucks standen im Dezember 2017 in der neuen Eventhalle des Campus Perspektiven in Huttwil.

Über 50 Food-Trucks standen im Dezember 2017 in der neuen Eventhalle des Campus Perspektiven in Huttwil. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

An den Gemeinde- und Korporationsversammlungen in Huttwil äussert sich Volkes Stimme immer wieder: Es sei schade, hätten die Räte nicht zugegriffen, als der heutige Campus Perspektiven im Rahmen der Nachlassstundung zum Verkauf stand, und habe dort jetzt Markus Bösiger das Sagen.

Nun will die Campus Perspektiven GmbH selbst in diese Richtung aktiv werden. Am Dienstag kündete sie an, die ganze Anlage kaufen zu wollen. Sie habe sich bei Markus Bösiger ein Kaufrecht gesichert, erklärt Co-Geschäftsführer Lukas Zürcher. Für Huttwil und die Region öffneten sich damit einmalige Chancen.

Hier kommt die Gemeinde wider ins Spiel, denn Lukas Zürcher stellt sich den Kauf «zusammen mit einem Kreis ehemaliger und neuer Förderinstitutionen sowie öffentlicher und privater Geld­geber» vor, wie er in der Mit­teilung schreibt. Als der Campus gebaut wurde, sprach die Einwohnergemeinde einen Beitrag von 3,5 Millionen Franken, be­willigt von einer Rekord-Gemeindeversammlung mit 475 zu 107 Stimmen. An die Aufbruchstimmung von damals wolle er wieder anknüpfen, sagt Lukas Zürcher. Das Motto laute mit Baschi nun «Chum, bring en hei».

«Offen, aber»

Dass die Stimmen, die damals zu diesem deutlichen Resultat geführt hatten, wieder laut werden dürften, weiss auch Ge­meindepräsident Walter Rohrbach (BDP). Er wurde allerdings ebenfalls erst am Mittwoch informiert. Der Gemeinderat wird sich erst Ende Juni mit der neuen Ausgangslage befassen können. Angesichts der Bedeutung, die der Campus für die Attraktivität von Huttwil habe, werde der Rat der Anfrage sicher offen begegnen, ist der Präsident überzeugt.

Er macht allerdings auf die vom Gemeinderat letztes Jahr verabschiedete Liegenschaftsstrategie aufmerksam. Gemäss dieser will sich die Einwohnergemeinde auf die Liegenschaften konzentrieren, die für die Erfüllung der Gemeindeaufgaben nötig sind, die Liegenschaften des Verwaltungsvermögens also. Diejenigen im Finanzvermögen hingegen will die Gemeinde verkaufen.

Deshalb erteilte der Gemeinderat auch dem ehe­maligen Gemeindepräsidenten Ulrich Anliker (FDP) eine Ab­sage, als dieser im Auftrag der Besitzerfamilie anklopfte, um den Städtlisaal des Hotels Kleiner Prinz zu verkaufen. Bei diesem ruhen die Hoffnungen nun auf den beiden Korporationen, der Herd- und der Burgergemeinde.

Abgesehen von der Liegenschaftsstrategie weist Walter Rohrbach darauf hin, dass der finanzielle Spielraum der Ein­wohnergemeinde eng ist. Der Gemeinderat zeige deshalb bei einer grossen Vorlage stets die Folgekosten auf. Zudem müsse sie im Finanzplan Platz finden – und dort sei für den Campus gegenwärtig nichts eingestellt.

Fokus Volksschule

Die Campus Perspektiven GmbH betont, dass sie eine Infrastruktur für Sport, Bildung und Kultur bereitstellt. Das seien natürlich Bereiche, in denen auch die Einwohnergemeinde tätig sei, gibt Walter Rohrbach zu. «Allerdings ist unsere Kernaufgabe darin die Volksschule.»

Der Gemeinderat sei deshalb bestrebt, deren Bedürfnissen mit Leistungsvereinbarungen Rechnung zu tragen. Das sei mit dem Campus Perspektiven bereits der Fall und stehe für die Gemeinde auch in Zukunft im Vordergrund.

Lukas Zürcher sieht allerdings nicht nur die Einwohnerge­meinde im Fokus für seine Bestrebungen, die Verantwortung für den Campus zurück nach Huttwil zu bringen. Er hat auch andere potenzielle Geldgeber im Visier. Den Kreis möglicher Gesprächspartner werde er zu Beginn möglichst eng ziehen, stellt er in Aussicht, und ihn dann ausweiten, bis er am Ziel sei.

Wie viel Geld nötig sein wird, lässt der Co-Geschäftsführer des Campus Perspektiven offen. Darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Lukas Zürcher sagt auch nicht, wie viel Eigenkapital dieser in seine Pläne einbringen kann. Er ist angesichts der bisherigen Zusammenarbeit und dem Kaufrechtsvertrag optimistisch und betont die einmalige Chance, die sich dadurch für die Region Huttwil biete: «Sie kann mit Tenero und Magglingen zu einem neuen Fixpunkt auf der nationalen Landkarte nicht nur für Sport, sondern auch für Kultur und Bildung werden.»

(Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 30.05.2018, 17:19 Uhr

Artikel zum Thema

Der Campus wird zur Arena

Huttwil Am Samstag messen sich die Bösen am Oberaargauischen Schwingfest in Huttwil. Bis es so weit ist, muss noch viel gebaut werden. Mehr...

Die Ambitionen des BMX-Akrobaten

Huttwil Der Campus Perspektiven setzt neu auf Chris Böhm aus Deutschland. Dieser macht Talenten Hoffnung, 2024 mit ihm an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Mehr...

Schweigen und bauen in Huttwil

Huttwil Derzeit entsteht beim Campus in Huttwil eine zweite Eishalle, angeblich, um damit mehr Eisfläche zu generieren. Allerdings wird das Gebäude wohl für andere Zwecke verwendet werden. Mehr...

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Nations League mit Delikatesse

Wettermacher Der Name der Hose

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Heftiges Wortgefecht: Ein palästinensischer Mann und ein israelischer Soldat geraten aneinander wegen der israelischen Order, eine Schule bei Nablus zu schliessen. (15. Oktober 2018)
(Bild: Mohamad Torokman) Mehr...